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Spielebranche: Konsolen in der Krise?

Quo Vadis
Mit Schimpf und Schande mussten deutsche Entwickler früher leben, wenn sie nicht für Konsole entwickeln wollten – oder konnten. Jetzt ist die Schwäche ein Standortvorteil, denn Browsergames auf PC-Basis könnten Playstation 3, Xbox 360 und Wii mittelfristig aus dem Markt drängen.
/ Peter Steinlechner
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Gabriel Hacker, 49 Games (Bild: Golem.de)
Gabriel Hacker, 49 Games Bild: Golem.de

Sogar Thomas D. spielt nicht mehr auf Konsole. Der Rapper von den Fantastischen Vier hat kürzlich im Interview gesagt, dass er seine Playstation 3 eingemottet hat und lieber auf dem iPhone spielt – unter anderem, weil die Spiele günstiger sind. Mit dem Beispiel des Musikers führte Petra Fröhlich, Chefredakteurin von PC-Games, auf der Entwicklerkonferenz Quo Vadis in Berlin in eine Diskussionsrunde ein: Machen Bigpoint.com, Zynga und Apple mit ihren Browsergames, Socialgames und Mobile Games das Konsolen- und Handheldgeschäft von Sony, Microsoft und Nintendo kaputt? "Es gibt Indizien, dass der Wandel bereits im Gange ist" , sagte Fröhlich und verwies auf den Exodus von Führungskräften bei Electronic Arts zugunsten von Zynga, die massiv steigenden Gewinne von Apple und den schwächelnden Absatz des Nintendo 3DS. Kein Wunder: Ein Spiel wie Plants vs. Zombies kostet im Handel für Nintendo DS fast 30 Euro, bei Apple ist es als Download für 2,39 Euro zu haben.

Die Spieletrends der nächsten Jahre – Was die Branche denkt...
Die Spieletrends der nächsten Jahre – Was die Branche denkt... (04:37)

"Wenn man sich die Spiele anschaut, die man im App Store bekommt und die für Konsole verfügbar sind, sieht man doch deutliche Unterschiede" , sagte Timo Ullmann, Chef des Berliner Entwicklerstudios Yager Development(öffnet im neuen Fenster) , das derzeit im Auftrag von Take 2 mit Millionenbudget am Actionspiel Spec Ops: The Line arbeitet – eine klassische Großproduktion, die vielfach leistungsstärkere Hardware als ein Smartphone oder ein Tablet voraussetzt. Ullman ist überzeugt, dass nicht die Konsolen das Problem sind: "Es sind die Geschäftsmodelle, die eine Krise haben. Die werden sich auch im Konsolenbereich ändern. Wir bei Yager glauben, dass die Free-2-Play-Modelle auch auf Konsole übertragen werden."

Von dem Geschäftsmodell war auch Philipp Reisberger überzeugt, der Chief Games Officer bei Bigpoint.com: "Free 2 Play ist das fairste Geschäftsmodell, das es gibt" , sagte er – schließlich könne der Kunde für kein oder wenig Geld so lange spielen, wie er Lust habe. Seinen Vorteil sieht er darin, dass anders als bei Blockbustern teuer produzierte Inhalte nicht nach ein paar Monaten im Budgetregal verramscht, sondern weiterentwickelt und -vermarktet werden. Inhalte, die übrigens immer öfter aus der klassischen Spielentwicklung stammen: "Für Battlestar Galactica und Drakensang Online nehmen wir Assets aus der Retailproduktion und nutzen sie für den Onlinebereich." Dadurch würden zwar die Produktionskosten steigen, aber mit gutem Balancing verdiene man trotzdem gutes Geld.

Steigende Entwicklungsbudgets für Browsergames

Markus Wiedemann, Gründer und Chef von Dealunited(öffnet im neuen Fenster) , war da skeptisch: "In zehn Jahren wird man die Browsergames nicht mehr so günstig produzieren können wie jetzt – ich bin gespannt, ob die Geschäftsmodelle dann auch noch funktionieren." Wiedemann ist überzeugt, dass es langfristig einen Massenmarkt für günstige Inhalte geben wird und einen Premiumbereich für teure Großproduktionen. Auch Wiedemann war sicher, dass Free-2-Play-Geschäftsmodelle auf Konsolen funktionieren und dass generell die Art der Hardware weniger wichtig wird, weil Entwickler schlicht immer mehr plattformübergreifend produzieren und denken.

Das bestätigte Gabriel Hacker, Chef des Hamburger Entwicklerstudios 49 Games(öffnet im neuen Fenster) (RTL Winter Sports). Er stellte fest, dass Publisher immer öfter das klassische Produkt haben wollen, das Käufer etwa als Geschenkartikel unter den Weihnachtsbaum legen können. Gefragt sind dazu Aktivitäten im Onlinebereich – wobei nicht immer ganz klar ist, welche genau. Der Trend gehe aber auf den Konsolen immer weiter in Richtung Triple-A-Großproduktion, sagte Hacker. Publisher täten sich mittlerweile sehr schwer mit Investitionen in Projekte, bei denen nicht mindestens zwei Millionen verkaufte Exemplare so gut wie sicher seien.

Wolfgang Duhr, Chef von Bitcomposer Games(öffnet im neuen Fenster) , kann der aktuellen Situation ein paar positive Aspekte abgewinnen: "Ich bin froh, dass es mal heißt 'Die Konsole in der Krise' und nicht schon wieder 'Der PC ist tot'" . Duhr berichtete vom klassischen PC-Markt, in dem die digitale Distribution derzeit mit Macht den klassischen Handel verdrängt. Teilweise erzielen PC-Spiele über 40 Prozent ihres Umsatzes über Portale wie Steam. Dennoch hat sein Unternehmen seit kurzem einen Ableger – für die Produktion von Browsergames(öffnet im neuen Fenster) .


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