Motorola Xoom angetestet: Schnelles 10-Zoll-Tablet mit Android 3.0

Motorola hat als Erster ein Gerät mit Googles neuer Android-Version 3.0 - alias Honeycomb - vorgestellt. Mit dem 10,1 Zoll großen Display im 16:10-Format bietet das Xoom reichlich Platz für geöffnete Anwendungen. Dank Dualcore-Prozessor verkraftet das Xoom auch einige parallel geöffnete Anwendungen. Trotzdem ist die Bedienung der Benutzeroberfläche teils ruckelig. Das Gerät ist etwas schwerer als das iPad 2.

Gutes Display mit viel Platz
Mit einer Auflösung von 1.280 x 800 Pixeln (16:10) bietet das Xoom angenehm viel Platz für Webseiten auf dem 10,1-Zoll-Display. In der Höhe sind sogar mehr Pixel vorhanden als bei so manchem Notebook. Dort ist der Trend zu 16:9-Displays sogar im Business-Bereich zu sehen . Das Xoom bietet deutlich mehr Platz als Apples iPad, dessen Display nur 1.024 x 768 Pixel auf einer Diagonalen von 9,7 Zoll hat.
Das Display ist blickwinkelstabil, der Anwender kann also von allen Seiten gut auf das Xoom schauen. Es unterscheidet sich damit von anderen Android-Tablets, bei denen auf günstige Displaytechnik gesetzt wurde, um die Preise zu drücken. Im direkten Vergleich mit dem iPad schneidet das Xoom-Display bei der Farbdarstellung etwas schlechter ab.
Schwerer als das iPad 2
Das Xoom wiegt etwas mehr als 700 Gramm und ist damit rund 100 Gramm schwerer als das iPad 2. Das erste Galaxy Tab von Samsung ist mit rund 380 Gramm zwar deutlich leichter, aber dafür auch nur 7 Zoll groß. Trotz seines Gewichts ist das Xoom handlich und fühlt sich mit seinen 13 mm nur im Vergleich zum iPad 2 dick an.
Das Xoom ist dafür konzipiert, quer gehalten zu werden. Das fühlt der Anwender sogar: Wer das Tablet im Hochformat hält, hat in jeder Hand ein anderes Material. Auch die App für den Android-Market macht deutlich, wie das Xoom gehalten werden soll; sie wird nur um Querformat angezeigt.
Hardwareausstattung und WWAN
Unser Testmuster hat 32 GByte internen Speicher. Dieser kann theoretisch per Micro-SD-Karte erweitert werden. Allerdings erkennt das Gerät noch keine SD-Karten; das soll sich erst mit einem späteren Update ändern. Problematisch ist zudem, dass die SIM-Karte entnommen werden muss, um den SD-Kartenschacht zugänglich zu machen.
Mit dem integrierten Mobilfunkmodem lässt sich weitgehend ortsunabhängig per WWAN surfen. Wer eine SIM-Karte einsetzt, muss das Tablet allerdings neu starten, damit die Mobilfunkeinheit aktiviert wird. Eine WWAN-Verbindung lässt sich übrigens weitergeben. Auch das Android-3.0-Tablet bietet die Möglichkeit, einen mobilen WLAN-Hotspot zu aktivieren. Andere Geräte teilen sich dann per WLAN die WWAN-Verbindung des Xooms.
Verbindungen mit einem WLAN kann das Xoom selbstverständlich auch aufnehmen. In Anbetracht des Preises missfällt allerdings der Umstand, dass das Xoom nur Single-Band-WLAN nach IEEE 802.11b/g/n unterstützt. Das Xoom ist also auf das häufig überfüllte 2,4-GHz-Band angewiesen. Andere Tablets, wie Samsungs Galaxy Tab 7 oder die iPads, beherrschen WLAN auch mit 5 GHz (802.11a/n). Seltsamerweise behauptet Motorola in dem uns zur Verfügung gestellten Datenblatt, dass das Xoom 5-GHz-WLAN-APs erkennt. Wir können das nicht bestätigen.
Des Weiteren bietet das Xoom Bluetooth 2.1. Anschlüsse gibt es für HDMI in der Miniausführung und für USB in der nicht ganz so geläufigen Micro-Ausführung. Motorola legt zumindest ein USB-Kabel bei. Leider ließ sich unser Xoom nicht per USB aufladen. Das Netzteil muss also im Zweifelsfall mitgenommen werden.
Erstes Tablet mit Android 3.0
Android 3.0 ist eine Neuentwicklung von Google und das Xoom ist das erste Tablet, das dieses System einsetzt. Durch die an Tablet-Anforderungen angepasste Oberfläche von Android 3.0 wirkt das Motorola Xoom eleganter und einladender als Android-2.x-Tablets.
Android 3.0 zeigt, wie wichtig eine gute Softwareunterstützung ist, die nicht für Smartphones, sondern für Tablets ausgelegt ist. Dementsprechend lässt sich das Xoom auf Anhieb gut bedienen.
Wo sind die Knöpfe?
Knöpfe sucht der Anwender beim Xoom fast vergeblich. Es gibt zwei Bedienelemente für die Lautstärke an der schmaleren Außenseite, die allerdings ein wenig schwerfällig in der Bedienung sind. Der Knopf zum An- und Ausschalten des Geräts befindet sich auf der Rückseite. Sogar das iPad hat mehr Schalter. Android 3.0 löst das Problem der fehlenden Knöpfe durch das Einblenden durchaus gelungener virtueller Schaltflächen. Unten links gibt es Bedienelemente für Zurück, Home und Multitasking. Rechts kommt der Anwender über die Uhrzeitschaltfläche sehr bequem an Einstellungen für das gesamte Gerät.
Verglichen mit älteren Android-2.x-Tablets wirkt das Konzept überraschend aufgeräumt und ist sehr leicht zugänglich. Multitasking ist sicherlich mit verantwortlich für zahlreiche Designentscheidungen in Android 3.0, und der Wechsel zwischen Anwendungen ist elegant und vor allem schnell. Es macht Spaß, mit mehreren Anwendungen zu arbeiten. Gegenspieler iOS ist hingegen anzumerken, dass das System als Single-Task-System aufgebaut wurde. Der Anwender konzentriert sich hier eher auf eine Anwendung.
Flashplayer im Android Market
Während Apple auf Adobes Flash verzichtet, bietet das Motorola Xoom eine Unterstützung für diese Technik, wenn auch eingeschränkt, denn die Hover-Funktion gibt es bei Tablets mit resistiver oder kapazitiver Technik grundsätzlich nicht. Für seinen Haupteinsatzzweck, nämlich das Abspielen von Videos, eignet sich der Flashplayer aber hervorragend.
Surfen mit dem Xoom
Das Xoom hat einen Zweikernprozessor. Es ist damit spürbar schneller als etwa Samsungs Galaxy Tab 7. Die Bildinhalte werden schneller bewegt, das Zoomen mit zwei Fingern ist angenehm flott. Beim Zoomen per doppeltem Antippen verzögert das Xoom leicht. Das ist aber eine Designentscheidung und soll elegant wirken.
Vor allem bei Flash-Inhalten kommt der schnelle Prozessor zum Tragen. Beim Galaxy Tab wird das Surfen mitunter sehr schwerfällig. Trotzdem, Flash-Banner oder -Videos belasten auch das Motorola Xoom sehr deutlich und die Bildinhalte ruckeln beim Scrollen. So flüssig wie mit dem Browser des iPads ist das Surfen mit dem Xoom deshalb nicht. Ob iPad oder iPad 2, bei beiden ist das Surfen nahezu verzögerungsfrei. Dem ersten iPad merkt der Anwender allerdings gerade beim Surfen auf mehreren Seiten den Mangel an Arbeitsspeicher an.
Beim Xoom ist das nicht zu spüren, dank 1 GByte RAM. Durch echte Tabs fürs Surfen, die in iOS und Android 2.x komplett fehlen, wirkt das Surfen flotter, wenn der Anwender viele Webseiten gleichzeitig offen hat. Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller auch bei Videowiedergabe mit 10 Stunden an.
Datenübertragung ist anders
Unter Windows meldet sich das Xoom als MTP-Gerät, anders als andere Tablets. Damit können Dateimanager wie der Total Commander nicht direkt auf das Xoom zugreifen, da es nicht als Wechseldatenträger eingebunden wird. Im Explorer taucht das Gerät aber als portables MTP-Gerät (Media Transfer Protokoll)(öffnet im neuen Fenster) auf. Damit klappt auch der Datentransfer und das Gerät kann direkt im Windows Media Player verwendet werden. Für Mac-Anwender heißt das, dass eine Software gebraucht wird. Diese kann aber leicht heruntergeladen(öffnet im neuen Fenster) werden. Linux-Nutzer müssen zunächst eine Udev-Beschreibung herunterladen(öffnet im neuen Fenster) und in das Verzeichnis /etc/udev/rules.d kopieren. Nach einem Neustart des Udev-Frameworks kann das Xoom über die MTP-Bibliothek angesprochen werden, etwa über die Software Gnomad2 für den Dateitransfer oder beispielsweise über den Musikplayer Rhythmbox.
Stereo-Tablet
Motorola verbaut auf der Rückseite zwei Lautsprecher. Anders als bei den iPads kommt der Ton deshalb zumindest im Querformat von beiden Seiten. Die Lautsprecher sind qualitativ recht gut für die Größe, mit dem Mono-Quäker des iPad 2 kann Motorola trotzdem nicht mithalten. Der ist nicht nur lauter, sondern liefert auch satteren Sound. Das Xoom klingt ein wenig blechern.
In dem Xoom sind gleich zwei Kameras verbaut. Auf der Rückseite befindet sich die Linse für eine Fünf-Megapixel-Kamera samt Blitz, auf der Vorderseite eine Zwei-Mega-Pixel-Kamera, die vornehmlich für die Videotelefonie mit Google Talk gedacht ist. Die dazugehörige App bietet Funktionen zum Weißabgleich, einige Farbeffekte sowie Einstellungen zum Bildmodus.
Intern hat Motorola noch einen Beschleunigungsmesser, einen Kreiselkompass und ein Barometer verbaut, die mit dem kürzlich veröffentlichten Android 3.0 Preview SDK(öffnet im neuen Fenster) für die Entwicklung weiterer Apps verwendet werden kann.
Verfügbarkeit und Fazit
Das Motorola Xoom wird vorerst ausschließlich über die Deutsche Telekom zu haben sein. Ohne Vertrag geht der Preis bei etwa 700 Euro los . Mit Vertrag senkt sich der Preis bis unter 300 Euro . Eine reine WLAN-Variante soll es erst später geben. Sie wird rund 630 Euro kosten.
Fazit
Bei der Konkurrenz von Apples iOS-Plattform tut sich etwas. Mit Android 3.0 liefert Motorola ein fähiges Betriebssystem und vor allem einen Marktplatz für Anwendungen, der leicht zugänglich ist und bereits zahlreiche Apps bereitstellt. Viele Kritikpunkte, die es an Android-2.x-Tablets gibt, gelten für das Xoom nicht mehr. Android 3.0 liefert Motorola die Grundlage für ein gutes Tablet. Der Hersteller muss das System nicht mehr mit großem Aufwand anpassen.
Beim Vergleich mit der Konkurrenz aus dem Hause Apple fällt auf, dass das Xoom etwas dicker, schwerer und klobiger ist als das iPad 2 und mitunter nicht so flüssig arbeitet. Außerdem ist die Auswahl an Anwendungen geringer. Hätte Motorola sein Gerät vor dem iPad2 veröffentlicht, stünde das Xoom deutlich besser da. Dennoch ist das Xoom keine schlechte Wahl, vor allem, wenn einem die Restriktionen von Apple im App Store nicht gefallen.
Motorola und Google sind allerdings mit dem Tablet offenbar nicht fertig geworden. Dass der SD-Kartenslot noch nicht funktioniert, verwundert zumindest. Da das Xoom 32 GByte internen Speicher hat, reicht das aber erst einmal. Optimierung bei der Darstellung würde dem Xoom auch guttun. Trotz des schnellen Prozessors ruckeln beispielsweise der Browser und das Interface stellenweise. Die Hardware des Xoom ist gut. Ein farblich gutes und vor allem blickwinkelstabiles Display ist für die Handhabung wichtig und Motorola bietet es. Zudem ist der Prozessor flott genug für mehrere Anwendungen im Multitaskingbetrieb und die fehlenden Hardwaretasten sind kein Nachteil dank der virtuellen Tasten von Android 3.0. Alles in allem ist das Xoom ein gutes Tablet, dessen Eindruck eigentlich nur durch die vorzeitige Vorstellung des iPad 2 leicht getrübt wird. [von Andreas Sebayang und Jörg Thoma]



