Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Kino ohne Kopfschmerz: 2D-Brille macht 3D-Filme platt

Was als Aprilscherz begann, ist nun ein Geschäftsmodell: Ein US-Blogger verkauft Brillen, die im Kino aus einem 3D-Film wieder 2D-Bilder machen. Das soll Kopfschmerzen und andere Nebenwirkungen vermeiden. Selbstbauen kann man die 2D-Brillen auch.
/ Nico Ernst
108 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Nur ein Bild für beide Augen (Bild: 2D-glasses.com)
Nur ein Bild für beide Augen (Bild: 2D-glasses.com)

Wer die Idee zuerst veröffentlicht hat, ist in der Welt der selbstreferenziellen Blogs nicht mehr klar auszumachen. Anfang Februar 2011 stellte jedoch Tested.com eine Videoanleitung(öffnet im neuen Fenster) ins Netz, die zeigt, wie aus zwei RealD-Brillen zwei Sehhilfen gebaut werden, die aus 3D-Filmen 2D-Filme machen. Dazu wird jeweils ein Glas getauscht: Die beiden linken Gläser kommen in den einen Brillenrahmen, und die beiden rechten in den anderen.

Im Ergebnis bekommen die Träger dieser "2D-Glasses" genannten Konstruktionen auf beiden Augen jeweils nur die Bilder zu sehen, die für ein Auge gedacht sind. Das klappt aber nur mit den Polarisationsverfahren, die bei Fernsehern verbreitete Shutter-Technik erlaubt den Trick nicht. Hier werden die Bilder abwechselnd gezeigt, im Kino – und bei manchen neuen Polarisationsfernsehern – werden die beiden Bilder gleichzeitig gezeigt.

Aufgegriffen wurde die Idee der 2D-Brillen am 1. April 2011 vom Onlineshop Thinkgeek. Dort stehen die "De-3D Cinema Glasses(öffnet im neuen Fenster)" noch immer – ein Klick auf den Bestellknopf führt jedoch zu einer Webseite, die das Produkt als Aprilscherz(öffnet im neuen Fenster) entlarvt. Ganz sicher war sich Thinkgeek aber auch nicht: Wenn man die Ent-3Disierer wirklich haben will, soll man dem Unternehmen eine E-Mail schreiben. Das gilt auch für das legendäre Einweckglas(öffnet im neuen Fenster), in dem man "Bonsai Kittens(öffnet im neuen Fenster)" aufwachsen lassen kann – einer der ältesten makaberen Scherze der Netzkultur.

Nicht um einen Scherz handeln soll es sich bei der Webseite 2D-glasses.com(öffnet im neuen Fenster). Sie wird vom Gründer des Blogs Ecogeek, Hank Green, betrieben. Dort verkauft der Unternehmer fertige 2D-Brillen zum satten Stückpreis von 7,99 US-Dollar – oder 9,99 Dollar inklusive Versand in den USA. Auch internationale Bestellungen sind möglich, bezahlt wird ausschließlich per Paypal. Die Brillen funktionieren wie die Selbstbauvarianten nur in RealD-Kinos und sehen auch aus wie die dort eingesetzten Geräte.

Da in den meisten deutschen Kinos RealD-Brillen – oft zwangsweise – für ein bis zwei Euro verkauft werden, lohnt sich der Import aber kaum, ebenso kann man aus zwei Originalbrillen wie bei Tested.com gezeigt selbst zwei 2D-Brillen bauen. Hank Green kam nach der Darstellung(öffnet im neuen Fenster) auf seiner neuen Webseite übrigens auf die Idee, weil seine Frau bei "Tron Legacy" im 3D-Kino Kopfschmerzen bekam. Da sich immer mehr Freunde für die 2D-Brillen interessierten, ließ er sie schließlich in Serie fertigen – die Entwendung von RealD-Brillen aus Kinos sei auf Dauer "unpraktisch" gewesen, sagt Green.


Relevante Themen