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Spieletest Portal 2: Versuchskaninchen im Shooter-Puzzle (Update)

Größerer Umfang, mehr Charaktere und ein Koop-Modus: Mit Portal 2 will Valve den Überraschungserfolg des einst als Nebenprojekt konzipierten ersten Teils wiederholen – und beeindruckt erneut mit knackigen Rätselaufgaben und viel Humor.
/ Thorsten Wiesner
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Es ist vermutlich kein angenehmes Gefühl, ein menschliches Versuchsobjekt in einer Forschungsanstalt zu sein – auch, wenn man dabei den lieben langen Tag Öffnungen in Wänden und Decken schießen darf wie im ersten Portal . In Portal 2 kommt es aber noch dicker: Als der Spieler aus einem viel zu langen Tiefschlaf erwacht, erfährt er, dass sich eine Katastrophe ereignet hat. Nur Augenblicke später gleicht sein Zimmer in der Anstalt einer Bruchbude, die Forschungseinrichtung ist weitgehend zerstört. Gut, dass es zumindest der zuständige Begleitroboter mit Humor nimmt – und dem Spieler gleich zu verstehen gibt, dass er trotz der hoffnungslosen und eigentlich völlig ausweglosen Situation doch bitte gleich mit seinen Testaufgaben anfangen möge.

Portal 2 – Test der PC-Version im Einzelspieler und Koop-Modus (keine Spoiler)
Portal 2 – Test der PC-Version im Einzelspieler und Koop-Modus (keine Spoiler) (03:08)

Die ersten Level erinnern sehr an das erste Portal: In überschaubaren Räumen gibt es jeweils einen Ausgang, der erreicht werden muss, was auf direktem Wege aber nie möglich ist. Der Proband wider Willen muss also erst einen Würfel aufheben und auf einem Schalter ablegen, damit sich eine Treppenkonstruktion öffnet und Zugang zur nächsten Plattform gewährt. Schon nach wenigen Minuten wird dem Spieler zudem die Portal-Kanone in die Hand gedrückt, das eigentliche Herzstück des Spiels. Mit ihr schießt er Dimensionstore in Wände, Boden oder Decke – und kommt nach Durchschreiten des Tores bei einem zweiten Portal wieder heraus. Das sorgt zunächst für einfache Aufgabenstellungen, etwa wenn direkt neben den unerreichbaren Ausgang ein Tor geschossen wird, das der Spieler erreicht, indem er das andere und frei zugängliche Portal durchschreitet.

Schon nach kurzer Zeit nimmt die Geschichte aber Fahrt auf, taucht ein alter Erzfeind wieder auf und steigt der Schwierigkeitsgrad steil an – Portal 2 verlangt unglaublich viel Einsatz von Gehirnschmalz. Die Bereiche werden immer komplexer, die Interaktionsmöglichkeiten größer. Da gilt es dann, mehrere Schalter gleichzeitig zu drücken, diverse Konstruktionen zu aktivieren, mit möglichst viel Schwung oder möglichst steil durch die Portale zu springen, Strahlen durch Spiegel zu beeinflussen, Katapulte, Barrieren oder Flüssigkeiten zu nutzen und vieles mehr. Immer wieder kommt es zu mal motivierenden, mal frustrierenden "Das kann doch gar nicht gehen!"-Momenten. Eine echte Hilfefunktion in ausweglosen Situationen gibt es nicht.

Zu zweit im Koop-Portalwahn

Mit der Kampagne ist der Spieler mindestens zehn Stunden beschäftigt, aufgrund der vielen Trial-and-Error-Passagen und Denkaufgaben gegebenenfalls auch deutlich länger. Schon das Hauptmenü zeigt allerdings noch die wohl wichtigste Neuerung von Portal 2: Neben dem Einzelspielermodus ist hier auch gleich die Koop-Kampagne auswählbar. Die wird mit zwei sympathischen und manchmal ganz schön albernen Robotern namens Atlas und P-Body gespielt und ist keine einfache Ergänzung der Solokampagne, sondern eine komplett eigenständige Spielerfahrung – dank doppelt so vieler Portale und zahlloser Möglichkeiten für die Spieler, sich gegenseitig zu unterstützen, Tipps zu geben und die immer kniffliger werdenden Aufträge zu erledigen. Allerdings sollten die Spieler sich unbedingt mündlich austauschen können, sonst entsteht im Wirrwarr der Portale schnell Chaos.

Portal 2 – die ersten zehn Minuten der PC-Version
Portal 2 – die ersten zehn Minuten der PC-Version (10:36)

Technisch ist Portal 2 keine deutliche Weiterentwicklung – die metallischen Areale der Forschungseinrichtung hätten durchaus ein paar zusätzliche Details vertragen können; erstklassig wirken immerhin viele der Animationen. Portal 2 macht dieses kleine Manko allerdings durch unglaublich charmante und stimmige Charaktere, eine sehr atmosphärische Soundkulisse und eine auch im Deutschen erstklassige Sprachausgabe wett – vor allem aber mit ganz viel Humor: Während viele Spiele krampfhaft versuchen, witzig zu sein, gibt es hier andauernd wirklich Grund zu lachen – egal ob er sich über Lautsprecheransagen in der Anstalt oder die Balgereien der Roboter amüsiert, der Spieler bekommt das Grinsen kaum aus dem Gesicht.

Portal 2 ist für Windows-PC, Mac OS, Playstation 3 und Xbox 360 erhältlich; die Konsolenfassungen kosten rund 60 Euro, die beiden anderen rund 50 Euro. Valve Software hatte im Vorfeld die Playstation-3-Variante als beste Konsolenversion bezeichnet – wohl vor allem, weil auch PS3-Spieler einige Services des Downloaddienstes Steam nutzen können. So ist ein Koop-Modus zwischen PS3- und Mac- und Windows-PC-Nutzern möglich, zudem können Käufer der PS3-Variante das Spiel auch kostenlos auf einem Mac oder PC installieren; dazu befindet sich in der Verpackung ein separater Code. Der Titel hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten.

Fazit

War der erste Teil noch ein außergewöhnliches, aber viel zu kurzes Experiment, ist Portal 2 ein herausragend gutes Spiel geworden. Bedienung, Rätseldesign und Lernkurve sind vorbildlich, die Story gelungen, der Humor grandios. Trotz manchmal frustrierend schwieriger Aufgaben dürfte es kaum einen Spieler geben, der nicht gerne bis zum Ende als Versuchskaninchen mitmacht.

Nachtrag vom 19. April 2011, 18:17 Uhr

Wir haben den Test nachträglich noch um das Testvideo der PC-Version erweitert. Das Video enthält keine wichtigen Sequenzen der Geschichte des Spiels, sondern ausschließlich erste Rätsel aus dem Einzelspieler- und Koop-Modus.

Portal 2 – Test der PC-Version im Einzelspieler und Koop-Modus (keine Spoiler)
Portal 2 – Test der PC-Version im Einzelspieler und Koop-Modus (keine Spoiler) (03:08)

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