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Ambivalenz an der Elfenbeinküste

Nicht immer habe das Internet bei den aktuellen politischen Ereignissen in Afrika positiv gewirkt, schränkte Ulrich ein. An der Elfenbeinküste habe es "die beste und die schlimmste Rolle" gespielt. Zu Beginn der Auseinandersetzung zwischen dem abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo und dem Wahlsieger Alassane Ouattara etwa veröffentlichten die Anhänger beider Parteien Seiten auf Facebook, Fotos und Videos, die Folter und Mord an den jeweiligen Gegnern zeigten oder kommentierten sie positiv.

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Die gute Seite des Internets zeige sich in einem Angebot, das zwei nach Ghana Geflüchtete aufgesetzt haben: Dort können Menschen aus der Elfenbeinküste anrufen und beispielsweise melden, wenn Plünderer sich in ihrer Gegend befinden, wenn Leichen auf der Straße liegen oder sie einen Arzt brauchen. Die beiden Flüchtlinge schicken die Hilfegesuche dann über Twitter.

Zensurmaßnahmen unterschiedlich

Auch wenn viele Länder in Arabien und Afrika den Zugang zum Internet behinderten, gelte das nicht durchgängig, sagte Schadomsky: In Äthiopien etwa betreibe die Regierung großen Aufwand, traditionelle Medien zu zensieren. Das gehe so weit, dass das Radioprogramm der Deutschen Welle im Land gestört werde. Auch SMS seien schon einmal während Demonstrationen im Jahr 2005 komplett gesperrt worden.

Der Internetzugang hingegen ist in dem Land weitgehend frei. Allerdings ist das Netz auch in dem ostafrikanischen Land nicht sehr weit verbreitet: Die Internetpenetration liegt noch unter dem Durchschnitt der übrigen Länder im subsaharischen Afrika, der gerade mal zwei Prozent beträgt. Von den 80 Millionen Äthiopiern haben nur 0,2 Prozent ein Nutzerkonto bei Facebook.

Nachrichten per SMS

Vielfach helfen sich die Menschen mit SMS. Über diesen Dienst werden in den afrikanischen Ländern viele Neuigkeiten verbreitet, auch Informationen über die Jasminrevolution. SMS sind auch im Alltag ein wichtiges Kommunikationsmittel; auch Hochzeiten werden schon mal per Kurznachrichten arrangiert. Das wissen auch die Regierungen. Sie sperren den Dienst zuweilen, nutzen ihn aber auch für Propaganda. So verschickte in Uganda das staatliche Telekommunikationsunternehmen vor einer Wahl eine SMS, die besagte, wer für den amtierenden Präsidenten stimme und zudem die Nachricht an sieben Personen weiterleite, nehme an einer Verlosung von 100 US-Dollar teil.

Tatsächlich habe die Jasminrevolution die gesamte frankophone Welt zusammengebracht, sagte Ulrich: Früher seien die verschiedenen Blogosphären - vom französischsprachigen Teil Kanadas über Frankreich bis hin zu den französischsprachigen Ländern Afrikas - sehr auf sich bezogen gewesen. Das habe sich durch die Jasminrevolution verändert. Plötzlich, so erzählt Ulrich, nähmen sich die Blogger gegenseitig wahr, verlinkten einander, und es entstünden Beziehungen.

Internet, Bildung, Zivilgesellschaft

Einig waren sich Al Hussaini, Ulrich und Schadomsky darin, dass nicht das Internet allein die Aufstände in den arabischen Ländern ausgelöst hat. Dazu bedürfe es neben den Werkzeugen wie dem Internet einer Zivilgesellschaft und Bildung.

So habe sich die Jasminrevolution deshalb verbreiten können, weil es in den arabischen Ländern keine Sprachbarriere gebe, sagte Al Husaini. Außerdem lebten die Menschen in diesen Ländern in ähnlichen Situationen: in Diktaturen, deren Herrschende korrupt seien. Sie alle kennten Zensur und Polizeiwillkür. Gleichzeitig hätten diese Länder eine recht gut funktionierende Zivilgesellschaft.

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 Jasminrevolution: Es war nicht das Internet allein
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