Cybermobbing

"Die Schmähungen sind wie ein Tattoo"

Warum machen sich Schüler gegenseitig im Netz nieder? Der Internetforscher Urs Gasser kennt Mobbing aus eigener Erfahrung - und erklärt, was heute anders ist als früher.

Artikel veröffentlicht am ,
Mobbing auf iShareGossip.com
Mobbing auf iShareGossip.com

Schüler beleidigen andere auf Lästerseiten im Internet, alles anonym, manchmal bis zur Eskalation. Ein Junge, der offline schlichten wollte, wurde zusammengeschlagen, in Berlin verabredeten sich 20 Jugendliche zu einer Schlägerei nach gegenseitigen Beleidigungen im Netz. In Frankfurt ermittelt die Staatsanwaltschaft, die Politik wird tätig - und lässt die Pöbelwebsites indizieren. Hilft das?

Inhalt:
  1. Cybermobbing: "Die Schmähungen sind wie ein Tattoo"
  2. Opfer werden zu Tätern

DIE ZEIT: Herr Gasser, Sie haben den Begriff der "Digital Natives" geprägt, der jungen Generation, die mit dem Internet aufwächst. Wie waren Sie denn als Junge?

Urs Gasser: Ich war strebsam und zerbrechlich, beim Fußball nicht der Robusteste. An meiner Grundschule wurde ich deswegen von einer Bande von Jugendlichen gehänselt und sogar angegriffen. Einmal haben sie mein Fahrrad demoliert und in den Fluss geworfen.

ZEIT: Sie wurden gemobbt?

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Gasser: Ja, und das war sehr schlimm. Ich wurde oft krank und bin zu Hause geblieben. Es war schwierig, meinen Eltern zu erklären, was auf dem Schulweg geschah, da es quasi unsichtbar war.

ZEIT: Stellen Sie sich vor, es hätte damals schon Websites gegeben, auf denen Schüler anonym über andere Schüler herziehen können.

Gasser: Nun, einerseits hätte es die strafrechtliche Verfolgung der Bande an meiner Schule einfacher gemacht, weil es dadurch mehr Indizien gegeben hätte. Andererseits hätte es mir den Wechsel von meiner alten Schule an die neue erschwert: Dieser Schulwechsel war wie ein Neuanfang, aber heutzutage wäre das nicht so möglich. Wenn man auf Websites mit Kommentaren bloßgestellt wird, begleitet es einen die gesamte Schulzeit. Es ist wie ein Tattoo.

ZEIT: Wie wichtig ist die Identität im Netz für junge Schüler?

Gasser: Sie trennen nicht zwischen Online und Offline, Schulhof und Internet verschränken sich. Untersuchungen zeigen, dass die Opfer von Cybermobbing auch Opfer von Mobbing im echten Leben sind. Und dass 80 Prozent der Cybermobbing-Opfer die Täter persönlich kennen.

ZEIT: Das Hauptproblem bei den Lästerseiten ist also gar nicht die Anonymität?

Gasser: Genau. Die Anonymität im Netz reduziert zwar die Hemmschwelle, aber Cybermobbing basiert darauf, dass die Opfer identifiziert werden können. Das sind gezielte Äußerungen, die ein gezieltes Publikum erreichen sollen, und das lebt nicht 5.000 Kilometer entfernt, sondern im direkten Umfeld des Opfers. Sonst wäre das Ganze ja witzlos.

ZEIT: Die Kommentare auf Hetzseiten sind zum Teil sehr aggressiv und beleidigend. Beleidigender als Pöbeleien auf dem Pausenhof, oder?

Gasser: Vielleicht kompensieren die Jugendlichen beim Posten im Internet rhetorisch, dass der körperliche Kontakt wegfällt, das Herumbalgen.

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Opfer werden zu Tätern 
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chrulri 13. Apr 2011

Indem ich mir meine Leistungen belohnen lasse (in diesem Falle also einen Job bekomme...

zipper5004 13. Apr 2011

Ich finde nicht, dass man Seiten wie SchülerVZ oder ka was es da nicht noch gibt, mit der...

Anglizismus 12. Apr 2011

Trotzdem ist der Anglizismus scheiße und beschreibt den Zustand des Psychoterrors...

Aro 12. Apr 2011

Kommt auf die Schulart an. An meinem Gymnasium gab es keine Prügeleien. Solche Leute...



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