Opfer werden zu Tätern

ZEIT: Und wann schlägt Cybermobbing in echte Gewalt um?

Gasser: Aggressive Inhalte - Videos, Rap-Songs, Kommentare - können zu einer Art Aufladung führen, die sich bei entsprechender Disposition in echter Gewalt entladen kann. Aber die Aggressionsforschung geht auch davon aus, dass es keine direkte Kausalität gibt.

ZEIT: Können Jugendliche denn einschätzen, was sie mit Hetzkommentaren bei anderen anrichten?

Gasser: Jugendliche denken nicht immer sorgfältig darüber nach, was sie tun und was gefährlich ist. Ihr Frontalkortex ist noch nicht voll ausgeprägt, deshalb ist ihre Risikoanalyse und -bewertung nicht so wie bei Erwachsenen. Daher sind wahrscheinlich viele Hetzkommentare spontan und unüberlegt dahingeschrieben.

ZEIT: Und die Opfer wehren sich, indem sie zurückschreiben.

Gasser: Ja, das ist ein interessanter Befund: Opfer von Cybermobbing werden überdurchschnittlich häufig zu Tätern, die dann andere mobben. Sie haben gelernt, wie solche Attacken funktionieren, und schlagen in einer Art Blitzableiter-Handlung zurück. Sie spiegeln die Aggression und geben sie an andere weiter, um sich nicht länger schwach zu fühlen. Ich kann die Motivation aus eigener Erfahrung nachvollziehen.

ZEIT: Welche Folgen hat Cybermobbing für die Opfer?

Gasser: Sie bleiben der Schule öfter fern und haben schlechtere Schulnoten. Sie weisen häufig depressive Symptome auf und leiden unter Einsamkeit, Angst oder Scham. Neue Studien behaupten auch, dass sie häufiger Suizidgedanken haben, das ist schon sehr ernst zu nehmen.

ZEIT: Die Symptome von Cybermobbing klingen ähnlich wie die, unter denen Sie als Kind zu leiden hatten.

Gasser: Ich glaube, dass Cybermobbing keine quantitative Steigerung von Mobbing ist, sondern es nur sichtbarer macht im Vergleich zu früher. Aber natürlich gibt es nun internetspezifische Faktoren, die es verstärken: Es vergrößert die Angriffsfläche auf das Opfer, weil im Netz ja persönliche Daten und Fotos vorhanden sind. Es ist mehr Material da, mit dem man angegriffen werden kann.

ZEIT: Was bringt es denn, Lästerseiten auf den Index zu setzen, wie es in Deutschland kürzlich geschehen ist?

Gasser: Für die betroffenen Täter und Opfer hat es einen geringen Effekt. Es kann sein, dass potenzielle Täter die Seite schwieriger finden, weil sie nicht mehr über eine Suchmaschine abrufbar ist und Websites normalerweise darüber aufgerufen werden. Die Indizierung ist vor allem ein gesellschaftliches Signal. Politik, Lehrer, Eltern und Schüler müssen sich jetzt mit diesem Thema beschäftigen, was wichtig ist. Aber die Seite an sich besteht weiter. [von Khuê Pham/Zeit Online]

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 Cybermobbing: "Die Schmähungen sind wie ein Tattoo"
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chrulri 13. Apr 2011

Indem ich mir meine Leistungen belohnen lasse (in diesem Falle also einen Job bekomme...

zipper5004 13. Apr 2011

Ich finde nicht, dass man Seiten wie SchülerVZ oder ka was es da nicht noch gibt, mit der...

Anglizismus 12. Apr 2011

Trotzdem ist der Anglizismus scheiße und beschreibt den Zustand des Psychoterrors...

Aro 12. Apr 2011

Kommt auf die Schulart an. An meinem Gymnasium gab es keine Prügeleien. Solche Leute...



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