SSL-Zertifikate

Weitere Einbrüche bei Comodo-Partnern

Die Affäre um gestohlene SSL-Zertifikate von Comodo weitet sich aus. Nach der ersten Attacke gab es Einbrüche bei mindestens einem weiteren Wiederverkäufer der Zertifikate, auch in Europa.

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Auch nach dem Rückruf von Comodo-Zertifikaten und entsprechenden Windows-Updates ist die Gefahr für das SSL-System noch nicht gebannt. Das Unternehmen bestätigte nun gegenüber Cnet, dass ein weiterer Wiederverkäufer der digitalen Urkunden am vergangenen Wochenende kompromittiert wurde. Wie schon bei den ersten Angriffen soll der Hacker versucht haben, sich ein Zertifikat für eine große Webseite ausstellen zu lassen, was aber gescheitert sein soll.

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Gegenüber IDG News hat der Hacker, der unter anderem mit dem Pseudonym "Ich Sun" auftritt, auch behauptet, einen weiteren Herausgeber von Zertifikaten (CA) geknackt zu haben, und zudem zwei weitere Wiederverkäufer. Belege oder bereits verbreitete Zertifikate gibt es dafür bisher noch nicht.

Einzelner iranischer Hacker?

Kurz zuvor hatte Ich Sun bei Pastebin eine Beschreibung seines ersten Angriffs auf Comodo veröffentlicht. Darin finden sich auch die genutzten Passwörter, die beim Comodo-Partner InstantSSL.it verwendet worden sein sollen. Es handelt sich um Klartextbegriffe, die durchgängig kleingeschrieben und nicht mit weiteren Maßnahmen wie Sonderzeichen versehen sind.

Comodo will sich nun laut Cnet mit technischen Mitteln gegen Zertifikatklau schützen. So sollen alle Wiederverkäufer nicht nur mit einer bestimmten IP, sondern auch nur über bestimmte Rechner Zugriff auf die Zertifikate haben. Das Unternehmen spricht dabei von "hardware based two-factor authentification", erläuterte das aber nicht näher. Denkbar ist die Bindung von Accounts an kaum fälschbare Systeme in den Chips eines PCs, wie das beispielsweise Intel seit kurzem anbietet.

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Der Hacker Ich Sun bezeichnet sich gegenüber US-Medien und in seiner Stellungnahme auf Pastebin als allein agierenden 21-Jährigen aus dem Iran. Die ersten Angriffe auf Comodo sollen nach Angaben des Unternehmens auch von iranischen IPs aus erfolgt sein - was aber kein Beweis für den Ursprung der Attacken ist. Comodo arbeitet nun mit der italienischen Polizei und dem FBI zusammen, um die Taten aufzuklären. Manche Security-Experten bezweifeln, dass die Angriffe von einer Einzelperson stammen können.

SSL ist noch sicher, der Handel damit aber nicht

Der Zugriff von Kriminellen auf SSL-Zertifikate rüttelt an den Grundfesten der Sicherheitsstrukturen des Internets. Browser und Betriebssysteme müssen für verschlüsselte Verbindungen, wie sie per https:// in der Adresszeile eines Browsers zu erkennen sind, den Zertifikaten blind vertrauen. Ist ein Zertifikat einmal als gültig akzeptiert, bleibt es das bis zu seinem Rückruf oder dem Ablauf einer Frist, die meist mehrere Jahre beträgt.

Zwar können Anwender auch selbst die Verwaltung der Zertifikate im Browser beeinflussen, fest eingebaute Zertifikate von den ursprünglichen Herausgebern, den CAs, werden in den Voreinstellungen der Programme aber in der Regel als vertrauenswürdig eingestuft. Das System selbst ist technisch durch die jüngsten Angriffe nicht geknackt, es zeigt sich jedoch, dass der Handel mit den digitalen Urkunden fehleranfällig ist.

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