Test: Opensuse 11.4 sorgt für Stabilität
Opensuse(öffnet im neuen Fenster) enthält in Version 11.4(öffnet im neuen Fenster) eine Vielzahl von aktualisierten Paketen und kleine Änderungen im System. Vor allem fällt der komplette Verzicht auf die Hardwareabstraktionsschicht HAL auf. Ersatz bieten stattdessen Udev, Upower und Udisks. Für die Softwareverwaltung kommt Zypper 1.5.3 zum Einsatz. Dadurch soll die Aktualisierung der Pakete beschleunigt werden und Zypper kann nun auf die systemweiten Proxy-Einstellungen zugreifen.
Mit der Laufzeitumgebung Wine 1.3.14 können auch Windows-Programme unter Opensuse verwendet werden. Die Datenbanken Postgresql 9.0.3 und Sqlite 3.7.5 wurden in den aktuellen Versionen zu den Standardpaketquellen hinzugefügt. Der kompakte Webserver Nginx 0.8.53 sowie der E-Mail-Server Dovecot 2.0.9 sind in die Repositories aufgenommen worden. Um Opensuse als Host einer virtuellen Maschine zu benutzen, steht Oracles Virtualbox 4.0.4 bereit. Auch Xen wurde aktualisiert und KVM unterstützt das Virtual-Desktop-Protokoll Spice von Red Hat.
Der Linux-Kernel 2.6.37 bildet die Basis des Systems. Damit können aktuelle WLAN-Chips wie der Broadcom 43225 oder Atheros AR9170 in Betrieb genommen werden. Der freie Nouveau-Treiber unterstützt den Geforce-320M-Chipsatz von Nvidia. Sowohl der Radeon-Treiber für Grafikchips von AMD als auch der Nouveau-Treiber sollen eine annehmbare 3D-Beschleunigung bieten. Auch Apple-Hardware wird besser unterstützt, so kann Bluetooth in bestimmten Macbooks und sogar Apples Magic Mouse verwendet werden. Als Grafikserver wird der X-Server 1.9 benutzt.
Einfache Installation
Die Installation von der DVD oder über den Live-Installer der Live-CDs ist auch für Einsteiger oder Windows-Umsteiger keine Hürde. Nach nur wenigen Klicks startet die Installation und dann die automatische Konfiguration des Rechners. Für versierte Benutzer bieten sich genügend Eingriffsmöglichkeiten. So kann das Dateisystem Btrfs genutzt werden. Mit einem Warnhinweis wird aber auf dessen noch experimentellen Einsatz hingewiesen.
Das Dateisystem kann bis auf die Boot-Partition komplett verschlüsselt werden. Die Basis dafür bildet die Verschlüsselung einer LVM-Gruppe im Partitionierungswerkzeug. Die Auswahl an standardmäßig installierter Software ist groß. So wird bei Opensuse beispielsweise der Samba-Server mitinstalliert, im Gegensatz etwa zu der Ubuntu-Desktop-Version. Dies passiert nach der Installation von der Live-CD mit der ersten Aktualisierung nach einem Neustart. Der während der Installation laufenden Diashow fehlen einige Übersetzungen.
Vielzahl an Oberflächen
Das Opensuse-Team setzt viel daran, eine möglichst große Nutzergemeinde anzusprechen. Dies wird unter anderem an der Vielfalt von Desktops deutlich. So stehen neben Gnome und KDE SC noch die Leichtgewichte Lxde und Xfce bereit. Dabei setzen die Entwickler auf ein eigenes dunkelgrünes Theme, das in KDE fehlt. Weder für Lxde noch für Xfce stehen Live-CDs zur Verfügung, allerdings können diese Desktops im Installer der DVD ausgewählt werden.
Seit seiner Einführung in Opensuse 11.3 hat der Desktop LXDE nur kleine Änderungen und Bugfixes erfahren, die die Oberfläche stabiler machen sollen. Opensuse 11.4 liegt in der Version 0.5.6 bei. Der schlanke LXDE-Desktop belegt weniger als 150 MByte im Arbeitsspeicher.
Der modular aufgebaute Desktop Xfce wird in der aktuellen Version 4.8 ausgeliefert und spart wie Lxde jede Menge Ressourcen. Optisch hat sich auch hier nicht viel verändert. Viele der Neuerungen, die mit Xfce 4.8 offiziell eingeführt wurden, sind nun auch in Opensuse integriert. Der Dateimanager Thunar 1.3.0 unterstützt nun die virtuellen Dateisysteme von Gnome. Damit kann auf Netzlaufwerke zugegriffen werden, die via SFTP, FTP, Webdav oder Samba erreichbar sind. Selbst Wechseldatenträger können nun über ein Icon direkt ein- oder ausgehängt werden.
Zu dem Panel können Anwendungsstarter per Drag-and-Drop hinzugefügt werden. Ebenso können Verzeichnismenüs in der Leiste abgelegt werden. Diese können per Knopfdruck im Terminal geöffnet werden. Das Anwendungsmenü wirkt sehr übersichtlich und aufgeräumt. Aufgefallen sind auch hier noch fehlende Übersetzungen der Menüpunkte im Einstellungsmenü.
Versteckte Multimediaunterstützung
Der KDE-Desktop liegt in Version 4.6.0 vor. In dem beiliegenden Mediaplayer Amarok 2.4 ist es jetzt möglich, Musikdateien per Mausklick in ein anderes Format zu konvertieren. Hierfür steht ein Dialogfenster bereit, in dem der gewünschte Codec ausgewählt werden kann. Allerdings ist darin nach der Installation noch kein Codec verzeichnet.
Ähnlich verhält es sich mit dem Brennprogramm K3B. Beim Start wird darauf hingewiesen, dass die Bibliothek libmad nicht vorhanden ist. Dadurch ist es nicht möglich, den Inhalt von Audio-CDs in das MP3-Format zu konvertieren. Die notwendigen Bibliotheken und Codecs können aber aus dem Fremd-Repository Packman nachgerüstet werden. Dieses muss in Yast hinzugefügt werden, hingewiesen wird darauf nicht. Nach dem Hinzufügen der neuen Paketquelle ist auch das De- und Encodieren von patentbehafteten Codecs kein Problem mehr.
Systemeinstellung neu gestaltet
In der neuen Version von KDE sind die Systemeinstellungen übersichtlicher als bei Opensuse 11.3. Zwei grundlegend neue Menüpunkte haben in Opensuse 11.4 Einzug gehalten. So ist es nun möglich, im Modul SSL-Einstellungen die Zertifikate der Distribution anzusehen. Gegebenenfalls können auch einige aussortiert oder eigene Zertifikate hinzugefügt werden.
Der Softwareverwaltung Packagekit haben die Entwickler eine KDE-Oberfläche spendiert. Damit sollen sich neue Programme einfacher installieren und das System leichter aktualisieren lassen als mit dem Softwaremodul inyast. Bei Kpackagekit bleibt jedoch das Fenster der Passwortabfragen durch Policykit im Hintergrund und muss über die Taskleiste aktiviert werden. Außerdem ist es nicht möglich, die Paketquellen darin zu bearbeiten.
Gnome Shell als Option
Der Gnome-Desktop wird in Version 2.32 benutzt. Das ist die letzte Version von Gnome 2. Der Nachfolger Gnome 3 wird voraussichtlich im April 2011 veröffentlicht. Das Opensuse-Team hat sich für die nicht ganz aktuelle Version von Gnome entschieden, da die Gnome Shell aus Gnome 3 noch zu instabil ist. Experimentierfreudige Nutzer können diese aber bereits ausprobieren und sich selbst ein Urteil bilden. Das Gnome-Team von Opensuse plant eine Live-CD samt Installer nach dem offiziellen Erscheinen von Gnome 3.
Die Veränderungen im Gnome-Desktop seit der Vorgängerversion 2.30 fallen eher gering aus. Der Dokumentenbetrachter Evince unterstützt fortan die laufende Synchronisierung eines PDF-Dokuments, das aus einer Tex-Quelldatei kompiliert wird. Der Screenreader Orca kann in Evince geöffnete Dokumente lesen. Als Musikanwendung liegt Banshee in der Vorabversion 1.9.3 bei. Verbessert wurden an dem Programm die Interaktion mit verschiedenen mobilen Geräten und das integrierte Browser-API. Auch das Plugin für den Amazon-MP3-Store ist von Haus aus aktiviert. Die darüber generierten Einnahmen gehen komplett an die Gnome-Foundation – anders als bei Ubuntu 11.04 , das im April erscheint.
Einfache Bedürfnisse
Als Webbrowser kommt Firefox 4 in der zwölften Betaversion zum Einsatz. Die neue Version des Mozilla-Browsers wurde optisch überarbeitet und auch die zugrundeliegenden Engines sind neu geschrieben. Das sorgt für einen spürbaren Geschwindigkeitszuwachs. Die finale Version soll nach dem Erscheinen als Update nachgereicht werden. Es stehen aber auch weitere Browser zur Verfügung, etwa Googles quelloffener Chromium, der KDE-Browser Rekonq, der Gnome-Browser Epiphany oder auch Opera 11. Sämtliche genannten Browser unterstützen HTML5 und den freien Videocodec VP8.
Für Büroanwendungen installiert Opensuse 11.4 die Suite Libreoffice 3.3.1. Mit den Programmen können Microsofts XML-Formate, etwa .docx oder .pptx, geöffnet, bearbeitet und gespeichert werden – anders als bei Openoffice.org, dem diese Funktion fehlt. Etwas mehr als eine Millionen Zeilen unterstützt die Tabellenkalkulation Calc. Die Präsentationssoftware Impress und das Zeichenprogramm Draw können Vektorgrafiken im SVG-Format und PDF-Dateien importieren. Mit Draw können PDFs auch bearbeitet werden.
Zudem liegt die Desktop-Publishing-Software Scribus 1.4 bei. Damit lassen sich ganze Bücher setzen, aber auch interaktive PDF-Dokumente erstellen, die Formulare enthalten.
Opensuse für Entwickler und als Server
Auch für Entwickler hat das neue Opensuse viel zu bieten. So enthält der Editor Kate Plugins für die Arbeit mit SQL und dem Debugger GDB. Auf die neuen Frameworks GTK3 und Horde kann ebenso zugegriffen werden wie auf die aktualisierten Bibliotheken Libqt 4.7.1 und Mono-core 2.10. Programme, die auf Qt basieren, können mit dem Qt-Creator 2.1 erstellt werden und für den freien .NET-Nachbau Mono kann auf die IDE Monodevelop 2.4.2 zurückgegriffen werden. Die IDE Eclipse fehlt bislang in den Paketquellen.
Wer Opensuse als Serverbetriebssystem benutzt, kann Webyast verwenden. Über dieses von Novell entwickelte Webfrontend können viele Funktionen der Serververwaltung aus der Ferne über den Browser gesteuert werden. So lassen sich Updates mit wenigen Mausklicks einspielen. Aber auch Systemdienste können individuell gestartet oder gestoppt werden. Die Firewall lässt sich konfigurieren und selbst eine Statusanzeige des Systems ist vorhanden, um die Auslastung von RAM und CPU zu überprüfen.
Anwender, die ein ständig aktuelles Betriebssystem nutzen möchten, können ab sofort auf das Repository Tumbleweed zugreifen. Dieses bietet Rolling-Releases an und soll mit Opensuse 11.4 als Basis ohne Konflikte zwischen Softwarepaketen benutzbar sein. Im Unterschied zum schon lang etablierten Entwicklungszweig Factory beinhaltet Tumbleweed aber nur stabile und ausreichend getestete Pakete. Der Bootloader Grub2 und der Initialisierungsdaemon Systemd sind in den Repositories als Testversionen vorhanden. Der offizielle Einsatz der beiden Programme in Opensuse wurde verschoben, um dessen Stabilität nicht zu gefährden.
Fazit
Umwerfend ist Opensuse 11.4 nicht. Aber die Entwickler setzen auf ein möglichst stabiles Betriebssystem. Daher wurden gegenüber dem Vorgänger hauptsächlich aktuelle Anwendungen und Systemkomponenten verändert. Mit Firefox 4, Libreoffice 3.3.1 und Webyast setzt das Opensuse-Team auf neue Programme, die die Verwendung von Opensuse attraktiver machen sollen. In unserem Test fielen keine schwerwiegende Probleme auf.
Dank der leichtgewichtigen Desktops Lxde und Xfce läuft Opensuse 11.4 trotz der Fülle an installierten Paketen auch auf langsamer Hardware und Netbooks. Für Netbooks steht auch die optisch ansprechende Plasma Netbook Oberfläche des KDE-Projektes zur Verfügung, der erst aktiviert werden muss.
Abbilder der Installations-DVD und der Live-CDs mit den Desktops Gnome und KDE stehen zum Download(öffnet im neuen Fenster) bereit – ebenso ein Minimalsystem zur Installation über das Netzwerk. Alle Images gibt es für 32-Bit- und 64-Bit-Systeme. Eine kostenpflichtige Version von Opensuse(öffnet im neuen Fenster) 11.4 ist ebenfalls erhältlich. Die Boxed-Edition besteht aus einer Installations-DVD, einer Live-DVD sowie einem Handbuch. Sie kostet 69,95 Euro und beinhaltet kostenlosen Installationssupport für 90 Tage.
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