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Interaktives Schaufenster (Foto: wp)
Interaktives Schaufenster (Foto: wp)

Gestensteuerung

Blättern im Schaufenster

Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut hat ein interaktives Schaufenster entwickelt. Über das System können Nutzer mit Gesten im Katalog eines Geschäftes blättern oder nach Geschäftsschluss einkaufen.

Ein besonderes Schaufenster, in dem nicht nur Waren ausgestellt werden, sondern in dem Kunden nach Ladenschluss einkaufen können, hat das Berliner Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) auf der Cebit 2011 vorgestellt. Kunden können sich auf einem Display Produkte anzeigen lassen oder diese kaufen. Sie steuern das System mit Gesten.

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Kaufen nach Feierabend

Das interaktive Schaufenster sei ein Blickfang für Kunden, sagt Projektleiter Paul Chojecki im Gespräch mit Golem.de. Ziel sei, deren Aufmerksamkeit auf das Sortiment eines Geschäfts zu lenken: Über Gesten können sie das Angebot erkunden und sehen dabei mehr, als der Betreiber im Schaufenster ausstellen kann. Außerhalb der Geschäftszeiten können die Kunden über das System sogar einkaufen.

  • Das interaktive Schaufenster des Fraunhofer HHI (Foto: wp)
  • Geblättert wird über Wischbewegungen. (Foto: wp)
  • Durch eine Vorwärtsbewegung der Hand wird eine Produktseite angewählt. (Foto: wp)
  • Auf der wird mit dem Finger navigiert - hier wird gerade geklickt. (Foto: wp)
  • Das System zur Gestenerkennung (Foto: wp)
Das interaktive Schaufenster des Fraunhofer HHI (Foto: wp)

Mit Gesten navigieren die Nutzer durch den Katalog: Wischen sie nach links oder rechts, blättern sie zum nächsten oder zum vorhergehenden Produkt. Wollen sie darüber weitere Informationen abrufen, bewegen sie die Hand abrupt nach vorn. So kommen sie auf eine Produktseite, auf der sie Einzelheiten erfahren. Auf dieser Seite steht ihnen zur Bedienung ein Cursor zur Verfügung, der mit dem Finger bewegt wird, da das genauer ist. Wollen sie eine Schaltfläche bedienen, etwa um das Produkt zu kaufen, halten sie den Finger auf der entsprechenden Position. Es erscheint ein Ring. Hat dieser sich geschlossen, ist das ein Klick. Vorteil des Systems sei, dass es berührungslos funktioniere. Dadurch kommen auf die Scheibe keine Fingerspuren, während die Finger sauber bleiben.

Auf zwei Seiten der Scheibe

Das interaktive Schaufenster beruht auf Technik, die das HHI vor einigen Jahren entwickelt hat. Herzstück sind zwei Infrarotkameras, die die Bewegungen der Hände erfassen. Eine Software errechnet daraus die Position der Hand und wandelt sie in Steuerbefehle um. Neu sei, dass sich Nutzer und System nicht im gleichen Raum befänden, erklärt Chojecki: Das System ist hinter der Scheibe im Inneren des Geschäfts angebracht, während die Nutzer vor der Schaufensterscheibe stehen.

Die Hardware des Systems bestehe aus handelsüblichen Komponenten, berichtet Chojecki. Zur Steuerung wird ein normaler Computer eingesetzt. Die erforderliche Rechenleistung ist laut Chojecki nicht so groß. Für die Suche nach den Fingerspitzen beispielsweise reichen 400 MHz aus. Die Fraunhofer-Forscher haben das System für die Auswertung der Bilder, die Lokalisierung von Fingern und Händen sowie Algorithmen zur Erkennung von Bewegung entwickelt.

Spielen und Kochen

Eine frühere Anwendung des Systems war beispielsweise ein Computerspiel, das mit Gesten gesteuert wird. Im vergangenen Jahr präsentierten die Fraunhofer-Wissenschaftler ein Gestensteuerungssystem für die Küche: Über einen Wandbildschirm kann der Nutzer Informationen wie Rezepte abrufen, in Internet surfen oder Haushaltsgeräte bedienen. Das geht natürlich berührungslos, damit der Bildschirm nicht verschmutzt wird. Sternekoch Johann Lafer setzt ein solches System in seiner Kochschule ein. Für Operationssäle gibt es das System als kommerzielles Produkt, das bereits in einigen Krankenhäusern installiert ist. Der operierende Arzt kann darüber 3D-Scans rotieren oder Daten über die Krankengeschichte oder die Diagnose abrufen.


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AndyGER 08. Mär 2011

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