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iOS 4.3 im Test: Neues Betriebssystem mit WLAN-Hotspot und Home Sharing

Mit iOS 4.3 gibt es wenige, aber dafür um so brauchbarere Neuerungen. Das iPhone 4 wird zum handlichen WLAN-Router, das iPad bekommt die ursprüngliche Funktion des Schiebeschalters zurück und die Privatfreigabe erspart zuweilen lästiges Synchronisieren von iOS-Geräten.
/ Andreas Sebayang
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Selbst generiertes Passwort des WLAN-Hotspots
Selbst generiertes Passwort des WLAN-Hotspots

Apple hat iOS 4.3 veröffentlicht. Das neue Betriebssystem für iPad, iPhone 3GS/4 und iPod touch (3. und 4. Generation) bietet zwar nur wenige Neuerungen, diese sind aber umso praktischer. Vor allem im Bereich der Vernetzung tut sich etwas.

Das iPhone 4 wird zum akkubetriebenen UMTS-Router

Mit iOS 4.3 bekommt das iPhone 4 eine neue Möglichkeit, die dem alten 3GS-Modell verwehrt bleibt. Wer will, kann nun ein WLAN aufspannen, um damit mehrere Geräte mit einem mobilen Internetzugang auszustatten.

iOS 4.3 – Angetestet
iOS 4.3 – Angetestet (01:33)

Viel einstellen lässt sich dabei nicht. Die Kanalwahl erfolgt beispielsweise automatisch und es wird 54 MBit/s auf 2,4 GHz unterstützt. Auch die SSID lässt sich nicht ändern und orientiert sich am Gerätenamen. Es empfiehlt sich also, sein Smartphone entsprechend eindeutig zu bezeichnen, damit es nicht zu Verwechslungen unterwegs kommt. Das geht allerdings nur mit iTunes. Sollte der kabelgebundene Internetzugang einmal ausfallen, kann der iPhone-Nutzer nun eine weitere Verbindung im Haushalt aufbauen. Allerdings beschränkt sich das auf drei Netzteilnehmer. Der vierte kommt nicht mehr auf die Verbindung.

Android-Nutzer kennen diese Funktion schon recht lange. Seit Version 2.2 unterstützt Android das Aufspannen eines WLAN . Auch HPs WebOS-Smartphones lassen sich mit einer kostenlosen Zusatzanwendung schon lange als WLAN-Hotspot verwenden. Die Reichweite des iPhones ist dabei groß genug, um eine Wohnung oder auch unsere gesamte Redaktion gut abzudecken. Das Golem.de-Büro in Berlin ist L-förmig(öffnet im neuen Fenster) und rund 400 qm groß. Auf die Positionierung mussten wir allerdings achten. Da die Außenscheiben bei uns WLAN-Signale stark blockieren, kam zwischen den beiden Endpunkten auf diagonalem Weg keine Verbindung zustande, als alle Türen geschlossen waren. Das iPhone 4 musste also in dem Knick der L-Form positioniert werden.

Googles Nexus One oder HPs Palm Pre Plus verhalten sich ähnlich. Das Palm Pre Plus ist als WLAN-Hotspot etwas schwächer als die beiden anderen Geräte. Das Nexus One sollte nicht mit der Rückseite auf einen Tisch gelegt werden, sonst verschlechtert sich das WLAN-Abstrahlverhalten geringfügig.

WLAN-Hotspot: Die Konkurrenz erlaubt mehr

Die Konkurrenz erlaubt deutlich mehr Verbindungen als Apple. Während es beim iPhone nur drei sind, kann ein WebOS-Smartphone maximal fünf Verbindungen versorgen. Bei unserem Nexus One haben wir bei sieben Geräten mit dem Experimentieren aufgehört, vermutlich geht noch mehr. Allerdings ist dem Nexus One anzumerken, dass es mit so vielen angemeldeten Geräten sehr gefordert und der mobile Internetzugang ausgebremst wird.

Hier wie dort wird dabei aus dem Smartphone ein kleiner portabler 54-MBit-WLAN-Router mit WPA2 (2,4 GHz) und großem Akku. Die Funktion ist eigentlich auch für das iPhone nicht neu. Die hierzulande nicht verfügbare CDMA-Version des iPhone 4 beherrschte die Funktion schon seit dem US-Verkaufsstart Mitte Februar 2011.

Der Akku im iPhone 4 hält als Hotspot rund 5 Stunden und 30 Minuten mit einer Ladung durch. Wir haben das mit einem aktiv genutzten Windows-Notebook (HP 2740p) sowie den passiv verbundenen Tablets Galaxy Tab und iPad ausprobiert. Das iPad war nur die Hälfte der Zeit im iPhone-Netzwerk. Während des Tests wurde das iPhone auch ab und zu genutzt. Zum Vergleich, ein von uns getestetes Google Nexus One (Android 2.2.1) kam mit zwei Clients auf knapp über 4,5 Stunden. Bluetooth war bei beiden Geräten abgeschaltet.

Das iPad lässt sich wieder per Schalter blockieren

Nutzer eines iPads werden sich darüber freuen, dass Apple endlich nachgegeben hat, was das Sperren der Bildschirmrotation angeht. Wer will, kann in den Einstellungen nun festlegen, ob der seitliche Schiebeschalter das Gerät stummschalten oder ob damit eine Rotation verhindert werden soll.

Privatfreigabe

Per Privatfreigabe (Home Sharing) können Anwender von iPad, iPhone oder iPod touch nun direkt auf iTunes-Freigaben zugreifen. Bisher war das Apple TV der zweiten Generation das einzige Gerät mit so einer Funktion. Wer die 4 bis 5 GByte großen HD-Filme auf seinem iPad schauen will, muss fortan das Material nicht erst synchronisieren. Nur ein iTunes-Dienst mit aktiver Privatfreigabe sollte in der Nähe sein. Die Freigabe funktioniert recht zuverlässig im WLAN. Nettodatenraten von 1 bis 2 MByte pro Sekunde sollte der Anwender allerdings haben, damit die Wartezeiten für den Cache nicht zu lange sind. Das gilt vor allem für das Anschauen von HD-Videos.

Schnelleres Javascript

Mit der neuen iOS-Version hat Apple den Browser überarbeitet. Unter anderem wurde die Javascript-Engine drastisch beschleunigt, was wir in einem kurzen Test mit zwei iPhone-4-Geräten und zwei iPads auch nachvollziehen konnten. Ein iPhone 4 mit iOS 4.2.1 erreicht im Sunspider-0.9.1-Benchmark(öffnet im neuen Fenster) rund 10.090,9 Millisekunden. Unter iOS 4.3 sind es 4.039,6 ms. Beim iPad mit iOS 4.2.1 sind es 8.185,8 ms und 3.235,8 ms mit dem neuen iOS.

Ergebnisse mit Googles V8-Benchmark oder Mozillas Kraken waren nicht erreichbar. Die beiden Benchmarks stoppten auf Apples Geräten einfach. Futuremarks Peacekeeper hingegen lieferte Ergebnisse. Da Futuremark offiziell mobile Browser nicht unterstützt, sollten die Zahlen nicht überbewertet werden. Das iPad steigt von 408 auf 473 Punkte.

Airplay auch für Drittentwickler

Eine weitere Neuerung betrifft Airplay, also das Streamen von Inhalten von einem iOS-Gerät an das Apple TV der zweiten Generation. Apple öffnet diese Möglichkeit nun auch Drittentwicklern. Außerdem wurde mit iOS 4.3 ein Problem mit dem Game Center beseitigt. Es zeigt nun Ranglistenplätze nicht mehr nur beim ersten Eintrag an, sondern bei allen Punktewertungen.

Die Version 4.3 von iOS steht ab sofort über die Updateroutine von iTunes bereit. Vor dem Update sollte iTunes 10.2 installiert werden. IOS 4.3 ist kompatibel mit dem iPhone 3GS und 4, dem iPod touch der dritten und vierten Generation sowie den iPads. Allgemeine Informationen zum Update finden sich auf Apples iOS-Webseite(öffnet im neuen Fenster) . Derartige Updates schließen in der Regel auch zahlreiche Sicherheitslücken. Informationen hierzu werden nachgetragen, sobald sie bekannt sind.

Fazit

IOS 4.3 bietet nur sehr wenige Änderungen. Zudem wurde das iPhone 3G aus dem Support von Apple genommen, so dass nur noch Nutzer des 3GS und 4 von dem Update profitieren. Doch die Neuerungen, die Apple eingebaut hat, werden die Nutzer sehr zu schätzen wissen: den Schiebeschalter für iPad-Nutzer, der nun auf Wunsch wieder den Bildschirm blockiert, und die Privatfreigabe, die vor allem bei knappem Speicherplatz lästiges Synchronisieren vermeidet.

Am besten hat uns allerdings die Routerfunktion gefallen, auch wenn diese sich leider nur auf das iPhone 4 bezieht. Nach WebOS- und Android-Nutzern können auch iPhone-4-Nutzer auf einen handlichen WLAN-Router mit Akku zurückgreifen. Das ist unterwegs oder bei einem ausgefallenen Netzzugang praktisch.

Vor allem Mac-Nutzer profitieren von einfach zu bedienenden Routern, da Apple weiterhin kein Notebook mit integriertem Mobilfunkmodem anbietet. Das bleibt eine Spezialität von Windows-Notebooks.

Nachtrag vom 9. März 2011, 23:35 Uhr

Apple hat mittlerweile Informationen zu den Sicherheitsproblemen veröffentlicht, die iOS 4.3 beseitigt. Im Knowledge-Base-Artikel HT4564(öffnet im neuen Fenster) werden zahlreiche Sicherheitslücken in den Komponenten Webkit und Image IO sowie im Safari-Browser selbst genannt. In den meisten Fällen ist es bei älteren iOS-Versionen möglich, Schadcode auszuführen, wenn beispielsweise der Browser eine entsprechend manipulierte Webseite oder Datei aufruft. Eine weitere Sicherheitslücke beschreibt ein Problem mit der WLAN-Komponente. Ein Angreifer, der sich im selben Netzwerk wie das Angriffsziel befindet, kann bei iOS-Geräten einen Geräte-Reset durchführen. IOS 4.3 behebt auch dieses Problem.

Außerdem hat Apple nun die Anzahl der Geräte, die ein iPhone 4 gleichzeitig mit einer Internetverbindung versorgen kann, spezifiziert. Per WLAN und Bluetooth sind jeweils bis zu drei Verbindungen möglich. Per USB ist eine Verbindung möglich. Insgesamt können in Kombination maximal fünf Geräte mit dem iPhone verbunden werden.


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