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Intel-Vize Mooly Eden: "Wir leben heute im Mittelalter"

Cebit 2011
Im Interview mit Golem.de nimmt Mooly Eden , Intels Chef der PC-Abteilung, Stellung zum Chipsatz-Bug bei Sandy Bridge , der neuen Schnittstelle Thunderbolt und der Zukunft des PC. Seiner Meinung nach müssen sich vor allem die Benutzerschnittstellen drastisch ändern.
/ Nico Ernst
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Mooly Eden
Mooly Eden

Shmuel Eden(öffnet im neuen Fenster) , von seinen Mitarbeitern "Mooly" genannt, ist einer der wenigen Intel-Manager, die es von der Chipentwicklung bis in die Spitze des Unternehmens geschafft haben. In den 1990er Jahren entwickelte Edens Team in Israel den Pentium mit MMX-Erweiterung. Mit dem Pentium M alias Banias kam von dieser Abteilung 2003 dann Intels Abkehr von immer höheren Takten und langen Pipelines. Das Banias-Design war der Grundstein für alle folgenden Prozessoren, bis zum heute aktuellen Core-i-2000 , Sandy Bridge.

Intel-Vize Mooly Eden im Interview auf der Cebit 2011
Intel-Vize Mooly Eden im Interview auf der Cebit 2011 (07:36)

Seit 2009 leitete Mooly Eden die PC Client Group bei Intel in Santa Clara. Wir treffen den Manager, der meist mit einer Mütze auftritt, auf der Cebit 2011. Er zeigt sich wenig überrascht von der ersten Frage nach Intels Umgang mit dem Chipsatz-Bug von Sandy Bridge und sagt: "Die Entscheidung lag bei den PC-Herstellern" .

Da einige nur die SATA-Ports 0 und 1 verwendeten, die von dem Problem nicht betroffen sind, gab es keinen vollständigen Rückruf. Das letzte Wort über die Austauschaktion, für die Intel rund eine Milliarde US-Dollar zurückstellen musste, lag Eden zufolge aber beim CEO Paul Otellini. "Das wurde im Endeffekt von Kunden und Presse gut aufgenommen" , sagt Mooly Eden.

Zugeknöpft zeigt er sich jedoch bei Fragen über die Zukunft der schnellen Schnittstelle Thunderbolt : "Ein anderer OEM" ist die einzige Auskunft über die Firmen, die nach Apples Vorstoß die Kombination aus PCI-Express und Displayport über ein Kabel verwenden wollen. Wie Apple sind diese anderen Unternehmen auf eigene Produktvorstellungen bedacht: "Man muss das respektieren" , sagt Mooly Eden, er erklärt aber noch, dass es "absolut mehr als einen" anderen Anbieter geben wird. Sony ist hier immer noch im Gespräch, was Eden aber nicht bestätigen wollte.

Wir stehen hinter Meego

Anders als das zögerliche Nokia gibt der Intel-Vize dem mobilen Linux Meego noch große Chancen: "Wir stehen weiter hinter Meego, und wir haben Kunden, die an Meego Interesse haben" . Dass Nokia sich auf Windows Phone 7 konzentriert, sei zwar bedauerlich, sagt Eden, aber es gebe ja immer noch andere große Anbieter: "Der Markt und unsere Kunden suchen nach einer offenen Lösung."

Den aktuellen Boom der Tablets hält Eden für vorübergehend: "Wir sind uns wohl alle einig, dass ein Tablet nicht die endgültige Lösung für ein Gerät von der Art eines Gadgets ist" . Nach der Touch-Bedienung muss sich nach Edens Meinung auch der Rest der Benutzerschnittstellen ändern: "Wenn man in fünf Jahren darauf zurückblickt, wie wir heute Computer bedienen, wird man glauben, wir wären im Mittelalter gewesen" .

Sprachsteuerung und Echtzeitübersetzung

Ein Kandidat für diese Änderungen ist die Sprachsteuerung, was für Eden aber nicht nur die Eingabe von Befehlen bedeutet: "Wenn die Software in der Lage ist, mein Englisch mit meinem Akzent in gute englische Grammatik zu verwandeln, dann haben wir eine gute Lösung" . Auch Echtzeitübersetzung sieht Eden als zwingend für einen Erfolg von Sprachsteuerung an.

Eden wird bisweilen nachgesagt, seine Blitzkarriere bei Intel habe auch mit seiner langjährigen Erfahrung als Offizier der israelischen Armee zu tun. Das sei aber nicht der ideale Weg, sagt Eden: "Ich hoffe eigentlich, dass nie wieder jemand zur Armee gehen muss" . Man lerne dabei aber etwas über Führung und das Management von Menschen, sagt Mooly Eden. "Manches davon kann man umsetzen, aber ich kenne auch viele tolle Manager, die keine Militärerfahrung haben."


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