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Radeon HD 6990: AMD startet Versteckspiel mit 400-Watt-Grafikkarte

Cebit 2011
Statt drei Radeon HD 6990 gibt es in Hannover nun nur noch zwei Exemplare von AMDs kommender Grafikkarte mit zwei GPUs. Einem Hersteller wurde das Muster wieder entzogen – weil er es offen zeigte.
/ Nico Ernst
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Zwei 8-polige Stromports
Zwei 8-polige Stromports

AMDs seltsame PR-Strategie für den kurz bevorstehenden Marktstart der Radeon HD 6990 geht bisher nicht auf. Das Unternehmen hatte am Vortag der Cebit erste Fotos der Grafikkarte im Referenzdesign freigegeben – die aber den interessantesten Teil des Geräts nicht zeigten. Abbildungen der Stromports waren nicht zu sehen. Diese legen jedoch über die Zahl ihrer Pins fest, wie viel elektrische Leistung die Karte aufnehmen kann: Jeder 6-polige Port liefert laut Spezifikation maximal 75 Watt, jeder 8-polige 150 Watt, und der PCIe-Slot selbst 75 Watt.

Inzwischen steht aber fest, dass die 6990 – sofern sich AMD noch an irgendeine der Spezifikationen hält – mindestens 375 Watt unter Last aufnehmen kann. Die von Gigabyte, MSI und Sapphire gezeigten Geräte verfügen über zwei 8-polige Ports. Auffällig ist dabei vor allem die MSI-Karte, die exakt den Bildern von AMD entspricht. Es dürfte sich also um das Referenzdesign handeln.

AMD kassiert 6990 von Gigabyte ein

Zum Beginn des ersten Messetages der Cebit hatten Gigabyte, MSI und Sapphire ihre Muster der Radeon HD 6990 noch zeigen können. Bei MSI steht die Karte am Nachmittag des 1. März 2011 noch offen am öffentlich zugänglichen Stand, bei Sapphire ist sie nur nach Einladung zu sehen. Und Gigabyte ist seine 6990 schon wieder los: AMD forderte das Ausstellungsstück zurück. Das ist besonders unverständlich, da Gigabytes Stand sich im nur für Fachbesucher zugänglichen Bereich "Planet Reseller" der Messe befindet.

Getrennte GPUs und zwei Kühlkörper

Doch damit nicht genug. Von anderen als den bisher genannten Unternehmen ist zudem auf der Cebit zu hören, dass die Radeon HD 6990 unter bestimmten Bedingungen zwischen 400 und 500 Watt aufnehmen kann. Das würde nicht nur die Spezifikationen für eine PCI-Express-Karte überschreiten – als solche dürfen sich nur Geräte mit maximal 300 Watt bezeichnen – sondern auch noch die der Kabel und Steckverbinder.

Solche Grafikkarten gab es in der Vergangenheit schon unter anderem von Asus und Gigabyte mit eigenen Designs. Ein Referenzdesign eines GPU-Herstellers mit solchen mehr als extremen Anforderungen wäre aber ein Novum. Immerhin herrscht anhand der ausgestellten Karten nun aber Klarheit über die Konstruktion der 6990.

Bisher waren AMDs Dual-GPU-Modelle mit zwei dicht beieinandersitzenden GPUs versehen, die über einen Lüfter am Ende der Karte gekühlt wurden. Der Großteil der Abwärme – aber durch andere Kühlkörper und die Rückseite bei weitem nicht alles – wurde über das Slotblech abgeführt.

Wie die Rückseiten der 6990, die nun in Hannover zu sehen sind, zeigen, sitzen die Grafikprozessoren weit voneinander entfernt an den beiden Enden der Karte. In der Mitte sitzt der Lüfter, der zwei getrennte Kühlkörper bedient. Die Hitze einer der beiden GPUs wird dabei vollständig ins Gehäuse geführt, das folglich noch besser als bei früheren Dual-GPU-Karten in AMDs Referenzdesigns belüftet werden muss.

Bisher erinnert der Auftritt von AMDs schnellster Grafikkarte ein wenig an Nvidias Fermi-Versteckspiel auf der letzten Cebit. Nur hatte Nvidia seinen Partnern damals genaue Vorgaben gemacht, was diese zeigen durften und wie sie es zeigen durften. Genutzt hat auch das nichts: Noch während der Cebit 2010 gab es Bilder der zerlegten Karten und Benchmarks.


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