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Tunesien: Jasmin-Revolution tritt IT-Welle los

Tunesien

Jasmin-Revolution tritt IT-Welle los

Kurz vor und während der Jasmin-Revolution in Tunesien ist die Anzahl der Facebook- und Twitter-Nutzer dramatisch angestiegen. Die Menschen nutzen die Freiheiten, die ihnen im Alltag verwehrt blieben, im Internet. Jetzt soll eine E-Revolution folgen.

Obwohl die zurückgetretene Regierung dem Volk jahrzehntelang einen Maulkorb verpasst hat, war den Tunesiern die Bedeutung der Informationstechnologie bewusst: Sie sahen darin eine Freiheit, die ihnen im Alltag verwehrt wurde. Die Kommunikation über das Internet spielte eine gewichtige Rolle in der Jasmin-Revolution.

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  • Facebook-Fanseiten zu Tunesien
Facebook-Fanseiten zu Tunesien

In den sechs Monaten vor der Revolution stieg die Anzahl von tunesischen Facebook-Nutzern um 25 Prozent, während der einmonatigen Revolution nochmals um 20 Prozent. Insgesamt sind über zwei Millionen Tunesier in dem sozialen Netzwerk unterwegs, die meisten zwischen 18 und 35 Jahre alt. Insgesamt 41 Prozent davon sind weiblich.

Slim Amamou ist tunesischer Internetaktivist und Blogger. Schon vor der Revolution setzte er sich gegen die staatliche Zensur ein, bloggte über eine geplante Demonstration und wurde verhaftet. Auch während der Revolution verbrachte er mehrere Tage im Gefängnis, ihm wurde vorgeworfen, für die DoS-Angriffe gegen die Regierungsrechner verantwortlich zu sein. Am Abend vor dem Rücktritt des tunesischen Diktators Ben Ali wurde er freigelassen und ist nun Staatssekretär für Jugend und Sport in der neuen Interimsregierung.

Tunesien unterstützte auch die Umwälzungen im benachbarten Ausland tatkräftig, verbreitete die Nachricht, Google biete seinen Voice-to-Twitter-Dienst in Ägypten an.

Nach der Jasmin-Revolution soll nun die E-Revolution folgen. Zuerst zog Google mit einer eigens für Tunesien erstellten Startseite in das Land ein. Inzwischen pflegt das tunesische Innenministerium eine von mehreren Tunesien-Fanseiten bei Facebook.

Das Momentum der digital gestützten Revolution wollen die Tunesier nutzen, um E-Commerce zu fördern und IT-Investoren ins Land zu locken - bereits mit kräftiger Unterstützung der Interimsregierung, die seiner Bevölkerung Tipps und Werkzeuge auf seiner Webseite bereitstellt. Schon nach einem Monat stieg der mit E-Commerce generierte Umsatz im Land um 36,4 Prozent. Davon macht das E-Booking in Frankreich für Reisen nach Tunesien den größten Anteil aus und wird vom Tourismusministerium aktiv gefördert. Die neue tunesische Regierung sieht vor allem Wachstumsmöglichkeiten in E-Health und E-Energy. Auf der Cebit 2011 warb das Land für Investitionen in die IT-Infrastruktur.

So hoffen die Tunesier, nach Ablegen ihres bislang staatlich verschleierten Blicks, endlich in Freiheit auch am Marktplatz Internet teilnehmen zu können. [von Werner Pluta und Jörg Thoma]


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Charles Marlow 01. Mär 2011

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