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Spieletest Bulletstorm: Kugelhagel, Fußtritte und Peitschenhiebe

Abgetrennte Körperteile, ganz viel Blut, wüste Splattereffekte: Bulletstorm trieb schon Monate vor seiner Veröffentlichung Jugendschützer auf die Barrikaden. Jetzt ist das Spiel fertig – zumindest in der deutschen Version aber deutlich zahmer als erwartet.
/ Thorsten Wiesner
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Bulletstorm fackelt nicht lange – kaum ist das Spiel gestartet, steckt der Spieler auch schon mittendrin im Schlamassel. Und braucht vor lauter Szenenwechseln, Rückblenden und Explosionen erstmal einige Zeit, um Licht in die Geschichte zu bringen. Als Teil einer Söldnertruppe muss er in der Rolle von Grayson Hunt zunächst erfahren, dass er für seinen Arbeitgeber General Serrano unschuldige Menschen getötet hat – und nicht böse Kriminelle, wie eigentlich angenommen.

Bulletstorm – Eindrücke (Gameplay) von der Tokyo Game Show 2010
Bulletstorm – Eindrücke (Gameplay) von der Tokyo Game Show 2010 (03:03)

Die Erkenntnis kommt spät, der Wunsch, Rache zu nehmen, zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die eigene Truppe ist dezimiert, Kamerad Ishi ist dank einer komplizierten Notfalloperation nicht mehr er selbst, und das eigene Raumschiff ist auch schrottreif. Glück im Unglück: Dem Exchef geht es nicht viel besser – auch er muss auf einem unwirtlichen Planeten notlanden und wird ab diesem Zeitpunkt vom Spieler gehetzt.

Von Beginn an legen die Entwickler von People Can Fly ein beeindruckendes Tempo vor – neben den schnellen Wechseln von Szenerien und Zeit ist auch in den jeweiligen Welten für beständige Action gesorgt. Ständig explodiert irgendwo etwas, verschieben sich Objekte in den Levels, verändern Fallen den Untergrund, stürzen sich neue Kontrahenten auf den Spieler, müssen schnellstens die richtigen Knöpfe gedrückt werden, um einer brenzligen Situation zu entgehen.

Gut also, dass Grayson ein flinker Kerl ist, der laufen, rennen, springen, aber sich auch ducken oder Gänge herunterrutschen kann. Noch besser, dass er auch bei der Bearbeitung der Gegner eine gewisse Flexibilität an den Tag legt.

Natürlich gibt es zahlreiche Schusswaffen, von Pistolen über diverse Gewehre, aber auch Granaten, mit denen die Bösewichter erlegt werden können. Bulletstorm räumt dem Spieler aber deutlich mehr Möglichkeiten und Kreativität im Gefecht ein. Wichtiges Hilfsmittel dabei ist eine Peitsche – mit ihr lassen sich störende Gegenstände aus dem Weg räumen, vor allem aber auch Feinde anvisieren und dann mit einem beherzten Knopfdruck heranziehen oder auch gleich in eine tödliche Falle wie etwa Stacheldraht oder einen Abgrund stürzen. Ein anderer Knopf ermöglicht kräftige Tritte gegen den Angreifer – nach kurzer Übungszeit ist es also möglich, Feinde per Peitsche heranzuziehen, dann mit dem Fuß in die Luft zu befördern und schließlich mit einer Kugel zu erledigen – wahlweise auch in umgekehrter Reihenfolge.

Bulletstorm belohnt kreative Angriffe und Skillshots, bei denen auf bestimmte Körperteile gezielt oder besonders spektakulär vorgegangen wird, und vergibt dafür Punkte. Die ermöglichen wiederum komplexere Aktionen, mehr Munition und Skillshots, immer abhängig von Gegner, Waffen und Umgebung. Die eigenen Aktionen werden also immer aufwendiger und spektakulärer und gehen dank sehr direkt umgesetzter Steuerung leicht von der Hand. Die Spielmechanik der deutschen Version unterscheidet sich somit nicht von der internationalen Version, wohl aber die Darstellung – um eine USK-Freigabe zu erhalten, haben die Entwickler massiv nachgebessert. Blutfontänen gibt es ebenso wenig wie Splatter-Effekte oder Verstümmelungen, abgetrennte Körperteile und herumliegende Leichen. Die Level wirken so deutlich harmloser, das ganze Spielgeschehen weniger brutal als im Original. Dafür ist auch die deutsche Sprachausgabe teils recht derbe – Begriffe wie "Schwanzlutscher" sind auch in Actionspielen sonst eher die Ausnahme.

Insgesamt legt es Bulletstorm trotz aller Action vor allem auf Unterhaltung an: Story und Charaktere sind klischeehaft überzeichnet, die Sprüche plump und protzig, und zahlreiche kleine Details wie ein Totenkopflogo auf einem Raumschiff unterstreichen den Trash-Faktor nochmals – der Titel will kein düsteres Killzone sein, sondern steht mit seiner Comic-haften Gewaltüberzeichnung eher in der Tradition solcher Spiele wie Serious Sam oder bis zu einem gewissen Grad auch Duke Nukem.

Taktisches Vorgehen ist trotz aller möglicher Kreativität und der zahlreichen Skillshots kaum vonnöten, Bulletstorm setzt meist auf unkomplizierte Action. Auch wenn der Spieler meist von einem KI-Kameraden begleitet wird, ist wirkliches Teamplay kaum nötig, die Intelligenz der eigenen Kollegen ist ebenso wie die der Feinde nicht die allergrößte. Über mangelnde Herausforderungen muss sich aufgrund der zahllosen Fallen auf der Planetenoberfläche, knapper Munition und Gegnermassen trotzdem niemand Gedanken machen, zumal aus fünf verschiedenen Schwierigkeitsgraden gewählt werden kann – der niedrigste macht einen Durchmarsch auch für Actionneulinge problemlos möglich, der härteste ist selbst für Experten eine große Herausforderung.

Die verwendete Unreal-Engine garantiert größtenteils beeindruckende Szenerien – nicht nur dunkle Gänge, sondern auch die Außenszenarien wie unwirtliche Wüstenareale, Dschungel, Städte oder Gears-of-War-artige Schlachtfelder überzeugen mit vielen Details, sanften Animationen, ansehnlichen Bossgegnern und vielen Effekten wie Explosionen oder durch faszinierende Auswirkungen der unterschiedlichen Waffen. Die deutsche Sprachausgabe wirkt zu Beginn aufgesetzt – im Spielverlauf erschließt sich aber, dass die überzogenen und oft deutlich unter der Gürtellinie angesetzten Wortgefechte Teil des übertrieben-drastischen Konzepts sind.

Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad werden zwischen sieben und neun Stunden für die Kampagne benötigt. In mehreren, nicht sonderlich umfangreichen Multiplayermodi wie etwa "Anarchie" kann dann wahlweise im Team weiter auf die Jagd nach Skillshots und Extrapunkten in verschiedenen Szenerien gegangen werden – schade nur, dass es der ursprünglich geplante Koop-Modus nicht ins fertige Spiel geschafft hat.

Bulletstorm ist ab sofort für Windows-PC, Playstation 3 und Xbox 360 verfügbar, kostet 60 Euro (Konsolen) oder 50 Euro (PC) und hat von der USK keine Jugendfreigabe bekommen.

Fazit

Schnell, abwechslungsreich und völlig überzogen: Bulletstorm bietet eine der kurzweiligsten Shooterkampagnen der letzten Jahre – wer sich an der derben Inszenierung und der massiven optischen Beschneidung der deutschen Version nicht stört, bekommt ein wunderbar spielbares, technisch gelungenes und ungemein rasant inszeniertes Actionfeuerwerk geboten. So innovativ wie erhofft ist der Shooter vielleicht nicht; dafür aber gleichermaßen so überzogen und ironisch, dass es selten so viel Spaß gemacht hat, sich auf einem unwirtlichen Planeten einer Gegnerhorde in den Weg zu stellen.


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