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Politik und Spiele: Ballern im Bundestag

Nachhilfe in Computerspielen für Politiker: Bei einer Veranstaltung im Bundestag konnten Abgeordnete aller Parteien mal ausprobieren, wie das mit Counter Strike und anderem vermeintlichem Teufelszeug tatsächlich so ist.
/ Peter Steinlechner
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Nein: Kanzlerin Merkel wurde nicht beim Ballern, Verteidigungsminister zu Guttenberg nicht beim Cheaten erwischt. Und auch sonst hat kein anderer der ganz prominenten Politiker bei der ersten LAN-Party im Deutschen Bundestag mitgespielt. Trotzdem war die Veranstaltung – die nicht im Plenarsaal, sondern auf der sogenannten Fraktionsebene stattgefunden hat – mit rund 50 Abgeordneten gut besucht. Auf Initiative der Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Jimmy Schulz (FDP) und Manuel Höferlin (FDP) hatten sich Politiker aller Parteien zusammengefunden, um populäre Games selbst in Augenschein zu nehmen. Ziel der Informationsveranstaltung, die vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU(öffnet im neuen Fenster)) und der Electronic Sports League (ESL(öffnet im neuen Fenster)) unterstützt wurde, war die Sensibilisierung der Parlamentarier für das Thema Games.

1. Politiker-LAN im Reichstag – Reportage
1. Politiker-LAN im Reichstag – Reportage (02:54)

"Computerspiele sind für die meisten Kinder und Jugendlichen selbstverständliche Realität geworden. Vielen Erwachsenen, auch Politikern, bleibt diese Tür bisher leider verschlossen. Das zu ändern, liegt mir am Herzen", sagte Jimmy Schulz (FDP) anlässlich der LAN-Party. Sein Kollege Manuel Höferlin (FDP) ergänzte: "Kinder und Jugendliche haben immer schon gespielt und sich im Wettkampf gemessen, auf der Straße, im Fußballverein – heute verlängern sie dieses Verhalten eben auch in die digitale Welt." Dorothee Bär (CSU) verlangte, dass Medienkompetenz eine größere Rolle im Schulunterricht spielen sollte: "Medienkompetenz ist der Jugendschutz im 21. Jahrhundert!" Außerdem konnte sie sich im Gespräch mit Golem.de vorstellen, dass es eine zweite Auflage der Politiker-LAN geben wird.

Auf der Veranstaltung konnten die Abgeordneten an rund 30 Spielstationen einen Einblick in die Welt der interaktiven Unterhaltungssoftware erhalten. Dazu standen etwa Titel wie das berühmt-berüchtigte Counter Strike bereit, ebenso wie Red Dead Redemption, Homefront oder Just Dance. Die Abgeordneten durften auch im Multiplayermodus gegeneinander antreten, und zwar in den Genres Denkspiele, Rennspiele, Bewegungs- und Sportspiele sowie Egoshooter. Die E-Sportler von der ESL zeigten in mehreren Matches, was Profizocker mit Maus und Tastatur auf dem Kasten haben.

 
Video: 1. Politiker-LAN im Reichstag – Rundgang (live)

Im Vorfeld hatte es auch Kritik an der LAN-Party für Politiker gegeben. "Wozu soll ich lernen, wie man ein Killerspiel wie Counter Strike spielt?", fragte etwa Hans-Peter Uhl, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Und Mechthild Dyckmans, die Suchtbeauftragte der Bundesregierung, wollte vor Ort "über die wachsenden Gefahren der Online-Spielsucht aufzuklären" versuchen. Auch um mit solchen Einwänden umzugehen, fand zusätzlich ein medienpädagogisches Vortragsprogramm statt.

Der BIU hat die Politiker-LAN genutzt, um einen neuen Anlauf zum Jugendschutz im Internet einzufordern. "Nachdem sich die Länder nicht auf einen gemeinsamen Staatsvertrag einigen konnten, wäre ein neuer Anlauf unter Führung des Bundes wünschenswert", sagte Olaf Wolters, Geschäftsführer des Verbands. "Die freiwillige Möglichkeit zur Kennzeichnung von Online-Spielen bei der USK wäre einer der wichtigsten Schritte für einen wirksameren Kinder– und Jugendschutz." Konkret könne die USK nach dem Prinzip der gestützten Selbstklassifizierung Alterskennzeichen vergeben, die von entsprechenden Jugendschutzprogrammen ausgelesen werden. Die Vorarbeiten für eine solche Regelung wurden nach Angaben von Wolters bereits geleistet.


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