Cyberwar: Virtuelle Truppen sollen Meinungsmacht sichern
In den kürzlich von der Gruppe Anonymous veröffentlichten Dokumenten und internen E-Mails von HB Gary finden sich auch Pläne für ein neues Softwarewerkzeug, mit denen etwa Regierungen oder Unternehmen mit vergleichsweise wenig Aufwand das Meinungsbild beeinflussen könnten. HB Gary hatte versucht, die Aktivisten von Anonymous zu unterwandern und öffentlichkeitswirksam zu enttarnen – wurde dabei aber selbst, ohne es zu merken, ausspioniert.
Daily-Kos(öffnet im neuen Fenster)-Blogger "Happy Rockefeller" hat sich den entsprechenden E-Mail-Wechsel zwischen Mitarbeitern der Sicherheitsfirma genauer angesehen(öffnet im neuen Fenster). Darin geht es um die Entwicklung von gefälschten Personen, auch Sockenpuppe(öffnet im neuen Fenster) (Sock Puppet(öffnet im neuen Fenster)) genannt. Mit Software, VPNs und wechselnden IP-Adressen könnte es einfacher gemacht werden, wenig Personal in viele Rollen (engl. Persona) schlüpfen zu lassen.
So könne auch mit wenig Aufwand eine Armee an unechten Personen durch das Netz ziehen – wobei die Software und eine gute Bedienoberfläche dafür sorgen sollen, dass die paar echten Menschen hinter den vielen gefälschten in den verschiedenen sozialen Netzwerken, Blogs und Foren ihrer Rolle treu bleiben und sich nicht verraten. Unterstützt wird das durch automatisch erstellte Beiträge, passend zur Rolle.
Sorgen macht sich Happy Rockefeller, weil es hier nicht nur darum gehe, im Internet heimlich Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und Daten zu sammeln – sondern im großen Maßstab das öffentliche Meinungsbild zu beeinflussen und die Illusion eines Konsens zu liefern – oder Gegner einzuschüchtern und mundtot zu machen. Als Zulieferer multinationaler Anwaltskanzleien, der US-Regierung, des US-Verteidigungsministeriums, der NSA und der CIA sollte HB Gary nicht unterschätzt werden.
Einen Beweis für das staatliche Interesse an solcher Persona Management Software(öffnet im neuen Fenster) sieht der Blogger in einer offenen Ausschreibung der US-Airforce vom vergangenen Jahr. Benötigt würden 50 Nutzerlizenzen, pro Nutzer sollten zehn "Personas" verwaltet werden können – Happy Rockefeller vermutet, dass es dabei um den Einsatz im Ausland geht, etwa in Afghanistan und dem Irak. Unter den an der Ausschreibung interessierten Firmen ist auch HB Gary gelistet(öffnet im neuen Fenster). Dazu kommen fünf weitere, die offenbar ähnliche Lösungen bieten könnten oder bereits daran arbeiten.
Happy Rockefeller stellt sich nun die Frage, wie effektiv Angriffe mit Hilfe unechter Personen sein können und wie leicht sich andere durch so gestreute Gerüchte und virtuelle Mobs beeinflussen lassen werden.
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