Gedankensteuerung: BCI wird multitaskingfähig
Wissenschaftler von der Eidgenössischen Technischen Hochschule im schweizerischen Lausanne (Ecole Polytechnique Federale de Lausanne, EPFL) haben eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (Brain-Computer-Interface, BCI) entwickelt, mit der Patienten einen Rollstuhl steuern sollen. Das Besondere an dem BCI ist, dass es multitaskingfähig ist, was es dem Patienten ermöglicht, sich neben der Steuerung des Rollstuhls noch auf etwas anderes zu konzentrieren.
Drei Kommandos
Ein typisches BCI verstehe drei Kommandos, erklärt Projektleiter José del R. Millán(öffnet im neuen Fenster): rechts, links, kein Kommando. Letzteres ist dabei ein Zustand zwischen links und rechts, der beispielsweise dafür gebraucht wird, dass ein damit gesteuerter Rollstuhl weiter geradeaus fährt. Diesen Zustand zu halten, erfordere eine hohe Konzentration und sei für den Nutzer jedoch recht anstrengend.

Das von Millán entwickelte BCI jedoch kann die Kommandos rechts und links von dem dritten Zustand unterscheiden und lernt, wann er eines der beiden statt des Kein-Kommandos aussendet. Die Bedienung des BC wird dadurch weniger anstrengend, der Nutzer kann dabei sogar anderen geistigen Tätigkeiten nachgehen, etwa Lesen.
Gedankenlesen
Dafür lernen die Wissenschaftler das BCI zunächst auf den Nutzer an: Dieser soll sprechen sowie laut oder leise lesen und dabei gleichzeitig an so viele der drei Steuerkommandos wie möglich denken. Mit Hilfe eines auf Wahrscheinlichkeitstheorie beruhenden Auswertungsprogramms, das die Wissenschaftler entwickelt haben, können sie verschiedene Kommandos unterscheiden. Das bedeutet, der Computer erkennt die Absichten des Nutzers.
Die Wissenschaftler haben ihre Entwicklung auf der Jahrestagung(öffnet im neuen Fenster) der wissenschaftlichen Gesellschaft der USA, der American Association for the Advancement of Science (AAAS), vorgestellt. Die Konferenz findet aktuell in der US-Hauptstadt Washington statt. Sie endet am 21. Februar.


