Microsoft-Pakt: Proteste bei Nokias Symbian-Entwicklern

Über 1.000 Nokia-Beschäftigte im finnischen Tampere haben nach der Bekanntgabe des Bündnisses mit Microsoft spontan ihre Büros verlassen. Das berichtet Yleisradio(öffnet im neuen Fenster) , die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Finnlands. An dem Nokia-Standort mit 3.000 Mitarbeitern ist die Hälfte der Menschen mit Entwicklungsarbeiten für die Symbian-Plattform beschäftigt.
Nokia und Microsoft hatten zuvor eine enge Zusammenarbeit angekündigt . Nokia wird Microsofts Betriebssystem Windows Phone 7 als primäres Betriebssystem auf seinen Geräten einsetzen und seine Entwicklung auf Hardware, Anpassung von Software und Sprachunterstützung konzentrieren. Windows Phone 7 wird zur primären Plattform für Nokia-Geräte, Symbian soll nur noch als Franchise-Plattform weitergeführt werden. Auch Meego wird keine zentrale Rolle in Nokias Produkten spielen, sondern in ein Open-Source-Projekt umgewandelt.
Auch in der Finanzwelt wurde die Ankündigung nicht gut aufgenommen. Die Aktie verlor an der Börse in Frankfurt am Main zeitweise fast zehn Prozent. Der Titel erholte sich später jedoch wieder etwas.
Harri Törmänen, Projektmanager bei Nokia-Tampere, erklärte dem Radiosender, die Arbeitsniederlegung sei im Rahmen der flexiblen Arbeitszeitregelung erfolgt. "Diese Protestaktion ist die erste Reaktion auf die neuen Pläne von Nokia. Wir lassen etwas Dampf ab" , fügte er hinzu. Am kommenden Montag werde wieder normal gearbeitet, erklärte Törmänen, der selbst Entwickler ist.
Helsingin Sanomat(öffnet im neuen Fenster) , die größte Tageszeitung des Landes, berichtet, dass die Beschäftigten in der Großstadt Tampere mit einem massiven Stellenabbau rechneten. An einem weiteren Nokia-Standort in der nordfinnischen Stadt Oulu habe nach der Bekanntgabe betretene Stimmung geherrscht. Dort arbeiten 2.000 Menschen, 1.000 am Symbian OS und circa 600 an der Meego-Plattform.
Laut Wirtschaftsminister Mauri Pekkarinen hat Nokia seiner Behörde bereits eine Ankündigung für einen anstehenden Stellenabbau übermittelt. Arbeitsplätze in Oulu, Tampere, im Großraum Helsinki und in Salo, wo der Konzern 4.000 Beschäftigte, davon 1.600 Produktarbeiter, hat, seien betroffen. Genaue Zahlen nannte er nicht, es könnte aber ein massiver Schlag werden.