Spieletest Test Drive Unlimited 2: Rennspielparty auf Ibiza
Spanien statt Hawaii: Im 2007 veröffentlichten ersten Test Drive Unlimited durften Spieler auf der lebendig dargestellten Onlinewelt im Pazifik rasen. Nun steht Ibiza im Mittelpunkt, und das bedeutet: Glitzernde Küstenstraßen und schöne Asphaltstrecken im Hinterland, aber auch Offroad-Pisten jenseits gepflasterter Wege laden zum Gasgeben ein.

Test Drive Unlimited 2 präsentiert sich viel umfangreicher als der Vorgänger. Laut dem Entwicklerteam Eden Games(öffnet im neuen Fenster) ist die frei befahrbare Spielwelt insgesamt zweieinhalbmal größer als die des ersten Teils – da ist die im späteren Verlauf zur Verfügung stehende Bonuswelt Hawaii allerdings schon mit eingerechnet. Auch der Fuhrpark ist umfangreicher, was aufgrund der größeren Streckenvielfalt vor allem an der Verfügbarkeit von Offroadkarossen und SUVs liegt. Autoliebhaber kommen ebenfalls auf ihre Kosten, zahlreiche Premiumfahrzeuge von Herstellern wie Ferrari, Aston-Martin, Audi, Lamborghini und vielen mehr sind verfügbar.
Zu Beginn kann sich der Spieler durchaus einige Zeit alleine vergnügen. Dank Story und Zwischensequenzen, kurzem Tutorial und zahlreichen Herausforderungen ist auch offline für Unterhaltung gesorgt. Die recht klischeehafte Geschichte vom Parkwächter, der zum bekannten Rennfahrer aufsteigen will, indem er die Rennserie Solar Crown gewinnt, verdient zwar keinen Kreativitätspreis – ist andererseits aber auch nicht uninteressanter inszeniert als bei der Rennspielkonkurrenz. Trotz anfänglichem Intermezzo im Ferrari warten somit zunächst Ausfahrten in kleineren Fahrzeugen wie einem Mustang oder Lotus, um dann nach und nach im Level aufzusteigen und so Zugang zu neuen Wettbewerben und Autos zu erhalten.
Um den eigenen Level zu steigern, gibt es mehrere Möglichkeiten, denn in vier unterschiedlichen Fähigkeitsgruppen wie Wettbewerb, Sammlung oder Entdeckung lassen sich allmählich durch zahlreiche Aktionen die eigenen Werte verbessern. Punkte gibt es etwa für Siege, größer werdende Besitztümer in Form von Autos und Häusern. Aber auch die Besichtigung und Erkundung der Gegend wird vom Spiel belohnt. Das eigene Budget wird zudem auch durch spektakuläre Fahrmanöver verbessert – Drifts, Sprünge oder riskantes Fahren am Gegenverkehr vorbei spülen Geld in die Kasse.
Auch bei den Modi bietet Test Drive Unlimited 2 Bekanntes: Neben Platzierungswettkämpfen gilt es etwa, innerhalb einer bestimmten Zeit eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen und zu halten, an Radarfallen mit viel Tempo vorbeizurasen oder im Eliminator-Wettkampf nicht als jeweils Letzter durch den Checkpoint zu gehen.
Trotz der Wettbewerbe und der Möglichkeit, auch alleine die Insel zu entdecken, ist der Multiplayermodus das eigentliche Herz des Spiels – zumal er neben den Wettkämpfen auch zahlreiche Möglichkeiten bietet, sich abseits der Strecke zu vergnügen. Das beginnt bei der Personalisierung des eigenen Avatars und des eigenen Fuhrparks inklusive Stickern und Tuning und reicht über Chats und Minispiele bis hin zu vielfältigen Gilden- und Ranglistenoptionen.
Spieler können ihre eigenen Teams und Autoclubs formen sowie immer wieder neue Herausforderungen auf offener Strecke durch Anblinken anderer Fahrer per Scheinwerfer annehmen. Test Drive Unlimited 2 erscheint dabei zwar überladen, weil nicht alle Möglichkeiten abseits der Piste wirklich überzeugend umgesetzt sind. Manches wirkt aufgesetzt, die Story- und Lifestyle-Momente mit ihren Partylocations zudem recht ungelenk. Aber das Spiel hat etwas zu bieten, woran so viele andere Onlinemodi aktueller Rennspiele kranken: Die Welt fühlt sich tatsächlich lebendig an – und nicht so steril und leer wie viele andere Racing-Szenarien.
Bei der Bedienung haben die Entwickler einen Mittelweg aus Simulation und Arcade gewählt: Test Drive Unlimited 2 setzt längst nicht so viel Einarbeitungszeit voraus wie ein Gran Turismo 5, verlangt auf dem höchsten der drei Schwierigkeitsgrade aber trotzdem einen vorsichtigen Umgang mit Gas- und Bremspedal und bietet auch spürbare Unterscheide je nach Fahrzeug. Trotzdem werden Rennspielpuristen nicht unbedingt begeistert sein von der teils etwas trägen und ungenauen Bedienung. Auch die Präsentation bietet Licht und Schatten: Wechselndes Wetter und der Tag-und-Nacht-Rhythmus überzeugen ebenso wie die abwechslungsreiche Musikkulisse. Der gelegentlich langsame Grafikaufbau trübt den Eindruck hingegen ebenso wie die lustlose deutsche Sprachausgabe.
Test Drive Unlimited 2 ist für PC, Xbox 360 und Playstation 3 erhältlich und kostet etwa 50 (PC) beziehungsweise 60 Euro (Konsolen). Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab sechs Jahren erhalten.
Fazit
Ambitioniert, vielseitig, lebendig: Den Entwicklern von Eden Games gebührt Respekt dafür, eine derart umfassende Rennspielwelt erschaffen zu haben. Test Drive Unlimited 2 profitiert von der schönen Szenerie und den zahlreichen Wettbewerben und Onlinekonkurrenten, kann allerdings auch nicht verbergen, dass es spielerisch an vielen Stellen noch Raum für Verbesserungen gibt. Der Rennspielthron bleibt so zwar außer Reichweite – ein faszinierender und dank zahlloser Levelaufstiege, Mehrspieleroptionen und kommender Downloadinhalte lange motivierender Inselausflug springt aber allemal heraus.
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