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Daniel Domscheit-Berg
Daniel Domscheit-Berg

Lieblingsfeind USA

Nach "Collateral Murder" holte Wikileaks zum nächsten großen Schlag aus, den die Organisation als "Afghan War Diaries" bezeichnete. Die Veröffentlichung von Militärprotokollen sollte erstmals unter langfristiger Einbindung mehrerer renommierter Medien erfolgen. Domscheit-Berg wirft Assange vor, die Pläne torpediert zu haben.

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Er selbst habe sorgfältig geplant und den Journalisten sogar einen "voll verschlüsselten Laptop" sowie ein abhörsicheres Telefon zur Verfügung gestellt, schreibt Domscheit-Berg. Es gab jedoch Probleme: Die Zusammenarbeit mit den Medien konnte nicht so eng ablaufen wie geplant, es war unklar, welche Dokumente überhaupt veröffentlicht werden sollten. Unter anderem war es nicht möglich, aus allen 90.000 Dokumenten die relevanten Namen zu entfernen. Assange habe die Mitarbeiter per Chat weiter mit ganz anderen Aufgaben unter Druck gesetzt, klagt Domscheit-Berg: "Es herrschte Chaos". Das sei aber in den Medien damals noch nicht sichtbar geworden.

Auch von außen geriet Wikileaks mit der Veröffentlichung stärker unter Druck, da die USA das Projekt nun endgültig als feindlich einstuften. Das beruhte ganz auf Gegenseitigkeit: Domscheit-Berg, der selbst die USA als unseren "Lieblingsfeind" bezeichnet, unterstellt Assange anhand dieser Veröffentlichung "Antiamerikanismus". Dieser beruhe auf der Einmischung der USA in internationale Politik.

Auf einer Pressekonferenz rückte Domscheid-Berg von diesem Vorwurf allerdings ab: Assange suche sich mächtige Gegner, an die sich keiner herantraue und daher seien die USA zum Ziel von Wikileaks geworden. Dass sich alle großen Leaks des Jahres 2010 auf die USA beziehen, hat dem Autor zufolge auch einen ganz trivialen Grund: Das gesamte Team sprach gut Englisch.

Beziehungskrisen

Die Vorarbeit zur Veröffentlichung der Kriegstagebücher und die mangelnde Absprache dabei verschärften den Konflikt mit Assange. Über eine andere Mitarbeiterin ließ Assange Domscheit-Berg ausrichten, dass er zu viel Geld ausgebe. Außerdem soll er eine "Übernahme" von Wikileaks durch Domscheit-Berg befürchtet haben. Die Vermittlerin, die Assange später auch zu direkten Gesprächen schicken sollte, bat den Australier mehrfach, sich mit Domscheit-Berg zu treffen und die Zwistigkeiten zu klären.

Ob eine weitere Aktion des Autors - wie zu vermuten ist - die Gräben zwischen den beiden vertieft hat, erklärt Domscheit-Berg nicht. Die verschlüsselte Datei "insurance.aes256", die Wikileaks im Netz verteilte, hatte der Deutsche auch auf USB-Sticks mit einem Begleitschreiben an ihm vertrauenswürdig erscheinende Personen verschickt, darunter an Politiker der Partei "Die Grünen". Domscheit-Berg gibt an: "Auch ich wusste nicht genau, was in der Datei gespeichert wurde." Mehr Andeutungen macht er nicht. Nach Wikileaks' bisheriger Darstellung ist das Material so brisant, dass es die Organisation und deren Mitarbeiter schützt. Werden sie angegriffen oder beispielsweise verhaftet, sollen die Informationen zur Entschlüsselung veröffentlicht werden.

Im Herbst 2010 überschlugen sich die Ereignisse: Am 26. Juli wurden die "Afghan War Diaries" veröffentlicht, am 30. Juli die Insurance-Datei ins Netz gestellt. Und schon am 20. August erließ Schweden einen ersten Haftbefehl gegen Assange wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung.

 Spektakuläre VeröffentlichungenDie Ereignisse überschlagen sich 

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ChaosGeek 17. Feb 2011

""Defective by design"" - Es werden jetzt hoffentlich neue Plattformen kommen. Besser...

ChaosGeek 15. Feb 2011

Aller Kriterien eines Stalkertrolls vorhanden. Weiter so CS. Zumindest habe ich dir die...

samy 15. Feb 2011

Richtig das fließen Geld zu einer Stiftung die angeblich Wikileaks unterstützt, dann...

Charles Marlow 15. Feb 2011

Ja, Dir schon. ;) Na, das war jetzt bösartig. Ich denke mal, Golem will sich - im...

CommonSense 14. Feb 2011

Du sagst das ja so als ob es etwas schlimmes wäre



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