Spieletest Killzone 3: Letzte Schlacht gegen die Weltraumnazis

Direkt an den Vorgänger knüpft Killzone 3 an: Wieder geht es darum, die ebenso bösen wie außerirdischen Helghast im Kampf um den Planeten Helghan niederzuringen und so die Menschheit vor der Vernichtung zu retten. Der Helghast-Diktator Visari ist zwar tot, die Interplanetary Strategic Alliance der Menschen ihrem Sieg trotzdem kaum näher - im Gegenteil, nach einem Nuklearangriff toben die Gefechte heftiger denn je. Also muss der Spieler erneut als Special-Forces-Soldat Sev zu seinen großkalibrigen Waffen greifen.

Die Helghast und ihre Anführer wirken durch mehr Nazi-Anleihen als in Teil 2 sogar noch diabolischer. Dem Spiel tut das nicht unbedingt gut: Weil Handlung und Protagonisten sehr klischeehaft gezeichnet sind, gibt es kaum Überraschungen, entsprechend selten kommt Spannung auf. Immerhin ist das Spielgeschehen grandios mit vielen Zwischensequenzen inszeniert: Der finale Kampf der Menschheit ums Überleben, die sich nach und nach auflösende Welt Helghast und die immer stärker unter Beschuss geratenden und dezimierten Kameraden lassen ein derart intensives Spielgefühl entstehen, dass sich die stereotypen und oft etwas plumpen Akteure in den Storypassagen verschmerzen lassen.












Killzone 3 setzt mehr als die Vorgänger auf grafische Abwechslung bei den Szenarien, in denen der Spieler gegen die Helghast kämpft. Die aus den Vorgängern bekannten zerstörten Kriegslandschaften gibt es ebenso wie nuklear verseuchte Wüsten, verschneite Gebiete oder einen Dschungel. Auch bei Waffen, Extras und Vorgehensweise wird munter gewechselt: Vom Scharfschützengewehr über den Raketenwerfer bis zum Energiestrahler reicht der Mix aus bekannten und neuen Schießprügeln, hinzu kommen kurze Passagen an Geschütztürmen, in Fahrzeugen oder dank Jetpack Ausflüge in die Luft, um die verfeindeten Truppen von oben herab ins Fadenkreuz zu nehmen.
Abwechlsung auf dem Schlachtfeld
Wilde Gefechte auf offener Fläche gibt es ebenso wie Häuserkämpfe hinter Barrikaden, aber auch Nahkampfattacken und Schleichangriffe, bei denen es gilt, sich den Feinden lautlos von hinten zu nähern. An vielen Stellen kann der Spieler selbst entscheiden, wie er agiert: Ein kühner Frontalangriff kann genauso funktionieren wie ein verdeckter Angriff mit einem Scharfschützengewehr aus dem Hinterhalt. Diese spielerische Freiheit kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Killzone 3 wieder ein sehr lineares Vergnügen ist - im Grunde arbeitet sich Sev wieder nach und nach durch vollständig schlauchartige Level.












Dafür sind die Kämpfe grandios inszeniert, sie profitieren insbesondere von der gelungenen Gegner-KI. Die Helghast verhalten sich oft sehr schlau, nutzen geschickt Deckung, werfen sich auf den Boden oder treiben den Spieler immer wieder in die Enge. Dabei verhalten sie sich auch abhängig davon, ob Sev alleine oder im Team mit mehreren Kameraden in der Schlacht steckt.
Optisch hält Killzone 3 das, was die Videos vorab versprochen haben. Beeindruckende Kraterlandschaften, detailreich zerstörte Städte, düsterer Rauch, farbenfrohe Dschungel: Die Grafik ist durchgängig auf hohem Niveau und bleibt zudem meist flüssig, Ruckler sind im Vergleich zum Vorgänger deutlich seltener. Auch die Soundkulisse gefällt, einzig die deutsche Sprachausgabe lässt manchmal den nötigen Einsatz vermissen - da empfiehlt es sich, im Menü die englische Version auszuwählen.
Wer mag, spielt die Kampagne zu zweit im Offline-Koop-Modus. Spielerisch ist dieser gelungen, optisch wegen des Splitscreens und der reduzierten Details aber längst nicht so beeindruckend wie die Soloerfahrung. Hinzu kommen einige Onlineoptionen mit unterschiedlichen Modi, die abseits der knapp zehn Stunden langen Kampagne für zusätzlichen Spielspaß sorgen, allen voran der abwechslungsreiche Warzone-Modus.
Mit der Kunststoffknarre in den Kampf
Wer einen Move - und einen Navigation-Controller besitzt, kann sich auch damit durch Killzone 3 kämpfen. Eine weitere Alternative zur Standardsteuerung ist der für rund 70 Euro erhältliche Move Sharp Shooter von Sony: Das ist ein Plastikgewehr, das zusammen mit dem Move-Controller funktioniert. Spieler können dann mit Knarre in der Hand auf Helghast feuern - auf Dauer ist das etwas umständlich, als Gag für Zockerpartys aber durchaus vergnüglich. Außerdem unterstützt Killzone 3 das stereoskopische 3D der Playstation 3 : Mit aufgesetzter 3D-Brille und einem 3D-fähigen Fernseher wirken etwa herumfliegende Partikel noch spektakulärer.












Das von Guerrilla Games(öffnet im neuen Fenster) entwickelte Killzone 3 erscheint am 25. Februar 2011 exklusiv für Playstation 3. Im Handel sind drei verschiedene Versionen verfügbar: das Standardspiel für etwa 70 Euro, die Collector’s Edition mit Soundtrack und Retrokartenpaket für etwa 80 Euro sowie die Helghast-Edition für 190 Euro. Letztere kommt in aufwendiger Box mit Helmbüste, Steelbook, 100-seitigem Buch sowie der Figur eines Helghast-Scharfschützen von DC Unlimited. Das Spiel hat von der USK eine Freigabe ab 18 erhalten, die deutsche Version erscheint ungekürzt.
Fazit
Spielerisch ein sehr linearer Shooter, inhaltlich mit Klischees überbeladen: Killzone 3 ist nicht das erhoffte Über-Actionspiel geworden. PS3-Besitzer mit einem Faible für erstklassige Grafik können trotzdem ohne allzu große Bedenken zugreifen, denn kaum ein vergleichbarer aktueller Titel bietet ein so intensives und abwechslungsreiches Mittendringefühl, brennt ein derartiges Effektfeuerwerk ab und präsentiert sich technisch so überragend. Viel mehr Nervenkitzel und Adrenalin im außerirdischen Schlachtgetümmel geht kaum.



