Julian Assange: Wikileaks ist Aktivist für die freie Presse

Wikileaks hat kein politisches Programm. Das hat Gründer Julian Assange in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CBS(öffnet im neuen Fenster) erklärt. Die Mitglieder der Organisation beschrieb er als "Aktivisten für die Pressefreiheit" .
Informationen für Meinungsbildung
Es gehe nicht darum, die Wale zu retten, sondern darum, die Informationen bereitzustellen, die die Menschen brauchen, um für oder gegen Walfang zu sein. Das sei die Grundzutat für eine gerechte Gesellschaft, ohne die die Bürger im Dunkeln tappten. Assange wandte sich gegen die häufig erhobenen Vorwürfe, die Veröffentlichung geheimer US-Dokumente sei unrechtmäßig gewesen. Wikileaks halte sich an die Regeln und agiere wie ein normaler Verleger in den USA.
Wikileaks hege auch keine Ressentiments gegen Amerika. Im Gegenteil fühle sich die Organisation den Prinzipien der amerikanischen Revolution verpflichtet. Wikileaks vertrete die gleichen Werte wie Thomas Jefferson und James Madison. Ersterer war einer der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, Letzterer hat entscheidend an der Verfassung der USA mitgewirkt.
Verschlüsselte Dokumente
Sollte eine Reihe von Wikileaks-Mitarbeitern festgenommen oder getötet werden, werde die Organisation dennoch nicht handlungsunfähig, bekräftigte Assange. Dann würden die Daten freigegeben, mit denen derzeit noch verschlüsselte Dokumente lesbar gemacht werden können. Diese seien inzwischen tausendfach über das Internet verteilt. Mit dem Schlüssel könnten andere an ihrer Stelle weitermachen, sagte Assange.
Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die sogenannte Versicherungsdatei , deren Existenz Wikileaks im August 2010 bekanntgegeben hatte. Sie ist 1,4 Gigabyte groß und soll mit dem Standard AES-256 verschlüsselt sein. Über den Inhalt wird seither gerätselt. Kürzlich hatte Assange in einem Interview bekanntgegeben, dass die Versicherungsdatei Botschaftsdepeschen über Medienunternehmen enthalte, darunter auch zu News Corporation, dem Konzern seines Landsmanns Rupert Murdoch.
Kein Kommentar
Zu den internen Dokumenten einer US-Großbank wollte sich Assange im CBS-Interview nicht äußern. Deren Veröffentlichung hatte er für Anfang 2011 angekündigt .
Auch zu den Sexualdelikten, die ihm in Schweden zur Last gelegt werden, gab Assange keinen Kommentar ab. Im Oktober 2010 hatte er ein Interview mit dem US-Sender CNN abgebrochen , als die Journalistin darauf bestand, danach zu fragen. Assange hält sich derzeit in Großbritannien auf, wo er unter behördlicher Aufsicht steht. In der kommenden Woche wird über eine Auslieferung Assanges an Schweden verhandelt .



