Schmalband: Ägypter nutzen das Internet per Modem (Update)

Für die ägyptische Volksbewegung gegen die Regierung hat sich die Kommunikationssituation während des Wochenendes offenbar wieder leicht verbessert. Seit Samstag, dem 29. Januar 2011, funktioniere die mobile Sprachtelefonie im Lande wieder, sagte Albrecht Hofheinz, Wissenschaftler für arabische Sprache und Kultur, Golem.de. Doch SMS funktioniere nur lückenhaft.
Die ägyptische Regierung hatte angeordnet, dass alle Mobilfunkbetreiber des Landes in bestimmten Regionen ihr Netz abschalten . Die vier großen Internet Service Provider des Landes, Link Egypt, Vodafone/Raya, Telecom Egypt und Etisalat Misr, mussten den Betrieb einstellen . Nur der Internet Provider und DSL-Netzwerkbetreiber Noor Group, der viele internationale Konzerne im Land als Kunden hat, ist weiter aktiv und versorgt auch die ägyptische Börse.
Bei verlängerter Ausgangssperre gingen auch in der Nacht zum Sonntag im Zentrum von Kairo die Proteste weiter. Seit sechs Tagen fordern die Demonstranten dort den Rücktritt von Präsident Husni Mubarak. Den neu ernannten Vizepräsidenten Omar Suleiman, der zugleich Geheimdienstchef ist, und Luftwaffengeneral Ahmed Schafik, der Ministerpräsident wurde, lehnen die Demonstranten ab.
Trotz aller Einschränkungen der Kommunikation gab es in Ägypten weiter die Möglichkeit, sich per Modem über das Telefonnetz einzuwählen, um den Rechner über einen Einwahlknoten mit dem Internet zu verbinden. Dieser schmalbandige Internetzugang werde von den Menschen auch genutzt, sagte Hofheinz. Eine Liste von Einwahlverbindungen findet sich hier(öffnet im neuen Fenster) . Hofheinz: "Wie viele Menschen derzeit Dial-up oder andere Möglichkeiten nutzen, wissen nur die jeweiligen Provider. Dazu ist meines Wissens nach noch nichts veröffentlicht worden."
Außer Einwahlverbindungen im Ausland gebe es auch noch einige Einwahlverbindungen in Ägypten selbst. "Der Internet Service Provider Noor bietet auch weiter DSL an." Daneben könnten die Menschen das Internet auch per Satellit nutzen, was aber in Ägypten weniger verbreitet sei. "Die ISPs haben angeblich Sonntagabend die Anweisung erhalten, sich bereitzuhalten, um das Internet jederzeit wieder anzuschalten. Für die Wirtschaft steht zu viel auf dem Spiel" , sagte Hofheinz.
Facebook-Gruppen seien wichtig, um aktuelle Informationen zu Entwicklungen auf Demonstrationen zu verbreiten. Eine davon heißt We are all Khaled Said(öffnet im neuen Fenster) . Khaled Said war ein junger Ägypter, der im Sommer 2010 laut Augenzeugenberichten in Alexandria auf der Straße von zwei Polizisten zu Tode geprügelt wurde. Eine weitere wichtige Gruppe sei El Sheikh Emam(öffnet im neuen Fenster) , erklärte Hofheinz.
Nachtrag vom 31. Januar 2011, 14:15 Uhr
Der englischsprachige Nachrichtensender Al Jazeera(öffnet im neuen Fenster) meldet, dass sechs seiner Reporter in Kairo vom Militär verhaftet wurden. Für den morgigen Dienstag sind weitere Großdemonstrationen und Proteste angekündigt worden, um Mubarak zu stürzen.