Ägypten: Amnesty kritisiert Vodafone wegen Netzabschaltung

Amnesty International hat kritisiert, dass Vodafone sein Mobilfunknetz in Ägypten teilweise heruntergefahren hat. "Vodafones Bereitwilligkeit, das eigene Netz abzuschalten, ist einfach unglaublich" , sagte Generalsekretär Salil Shetty dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) . "Die Abschaltung ist nicht nur ein Betrug an den Kunden, sondern entlarvt auch eine schockierende Geringschätzung der Meinungsfreiheit von einem der weltweit führenden Telekommunikationsunternehmen" , sagte Shetty. Vodafone habe der ägyptischen Regierung und ihrem Unterdrückungsapparat damit direkt in die Hände gespielt.
Der indische Dokumentarfilmer Parvez Sharma, der in Ägypten gearbeitet hat, sagte dem US-Fernsehsender CNN(öffnet im neuen Fenster) , SMS und Handyanrufe seien für die Organisation der Proteste in dem Land entscheidend.
Die ägyptische Regierung hatte angeordnet, dass alle Mobilfunkbetreiber des Landes in bestimmten Regionen ihr Netz abschalten sollen . Vodafone Egypt hatte erklärt: "Nach ägyptischer Gesetzgebung haben die Behörden das Recht dazu, und wir sind verpflichtet, uns daran zu halten." Weitere Betreiber sind Mobinil und Etisalat.
Zudem hat die Regierung die vier großen Internet Service Provider des Landes Link Egypt, Vodafone/Raya, Telecom Egypt und Etisalat Misr angewiesen, das Land vom Internet abzuschneiden. Nur der Provider und Netzwerkbetreiber Noor Group(öffnet im neuen Fenster) , der viele internationale Konzerne im Land als Kunden hat, ist weiter aktiv und versorgt auch die ägyptische Börse. Zu den Kunden gehören Coca-Cola, Microsoft, Mitsubishi, Pepsi, Pfizer, Exxon Mobile, Canon und Fedex.
Albrecht Hofheinz, Islamwissenschaftler an der Universität Oslo, sagte dem Deutschlandfunk(öffnet im neuen Fenster) : "Die Bedeutung des Internets für diese Ereignisse in Ägypten ist nicht zu unterschätzen, das zeigt ja auch die Reaktion der Regierung." Auf Facebook wurden Informationen ausgetauscht, wie man sich bei Tränengasangriffen zu verhalten habe und wo Polizeiansammlungen besonders zu fürchten seien, sagte Hofheinz. Die gestrige Demonstration sei nicht in erster Linie über Facebook-Gruppen organisiert worden. Die Facebook-Gruppe, die zu den Demonstrationen aufgerufen habe, sei am Dienstag gestartet worden und habe eine Mobilisierungsfunktion gehabt, sagte Hofheinz.



