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Ägypten: Regierung kappt Internetverbindung

Ägyptens Präsident Mubarak hat die vier großen Internetprovider des Landes angewiesen, ihre Dienste einzustellen. Analysten sprechen von einem historisch einmaligen Blackout.
/ Achim Sawall
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Proteste in Ägypten (Bild: Video von Demonstranten)
Proteste in Ägypten (Bild: Video von Demonstranten)

Ägyptens Präsident Husni Mubarak hat die Internetverbindungen des Landes praktisch lahmlegen lassen. Für den heutigen Tag werden weitere Massenproteste erwartet, die oft über das Internet organisiert werden. Wie die Analysten von Renesys(öffnet im neuen Fenster) erklärten, hat die Regierung offenbar die vier großen Internet Service Provider des Landes angewiesen, alle internationalen Verbindungen herunterzufahren. Jedes Geschäft, jedes Unternehmen, jede Bank, Website, Schule, Botschaft oder Regierungsstelle ist demnach vom Internet abgeschnitten.

Dieses Blackout sei ein "beispielloser Akt in der Geschichte" , erklärte James Cowie von Renesys. Link Egypt, Vodafone/Raya, Telecom Egypt und Etisalat Misr seien nicht erreichbar. Nur die Noor Group habe noch verfügbare BGP-Routen, so dass unter anderem die ägyptische Börse noch erreichbar sei, allerdings nur unter einer von vier IP-Adressen.

Weltweit seien praktisch keine ägyptischen Internetadressen erreichbar. Die Änderung der BGP-Routen an zentraler Stelle komme somit staatlichem Vandalismus gleich.

Neue Wikileaks-Dokumente belasten Mubarak

Unterdessen hat Wikileaks angefangen, Dokumente über Ägypten aus dem Fundus der diplomatischen US-Depeschen zu veröffentlichen. Diese Dokumente geben beispielsweise Einblick in die Menschenrechtslage in dem arabischen Land, wie der US-Fernsehsender CNN(öffnet im neuen Fenster) berichtet.

Mubarak habe Polizei und Geheimdienst angewiesen, die Oppositionellen unter Kontrolle zu halten, berichtete Margaret Scobey, die 2009 US-Botschafterin in Ägypten war, in die Heimat. Sie kommentierte, Mubarak sei niemand, dem die dabei angewandten Methoden den Schlaf raubten.

Insgesamt mache das Land bei den Menschenrechten und der Pressefreiheit nur sehr schleppende Fortschritte. Trotzdem sei das Thema sehr heikel, erklärte Scobey: Mubarak nehme es sehr persönlich und reagiere sehr gereizt, wenn es zur Sprache gebracht werde.

Dennoch betrachten die USA Ägypten nach wie vor als wichtigen Verbündeten. So vertritt Mubarak eine harte Linie gegen den Iran, den er genau wie die USA und Israel als bedeutenden Unruheherd in der Region betrachtet. Zudem präsentiert sich Ägypten gegenüber den USA als einziges Land in der arabischen Welt, das zwischen Israel und den Palästinensern vermitteln kann.

[von Achim Sawall, Nico Ernst und Werner Pluta]


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