Spieletest Inazuma Eleven
Das Pixelige muss ins Eckige
Fußballegende Sepp Herberger wäre verwirrt von der neuen Schöpfung der Macher von Professor Layton. Pixelige Fußbälle, Tornado-Schüsse und die Hand Gottes im Tor - dabei spielte Maradona doch im Mittelfeld. Es ergibt aber alles einen Sinn, zeigt der Golem-Test.
Ein Rollenspiel mit einem Fußballspiel zu kreuzen, ist eine irre Idee. Aber genau das haben die Entwickler von Level 5 getan und herausgekommen ist Inazuma Eleven. Die Handlung wurde nach der Erstveröffentlichung des Spiels in Japan 2008 bereits als Manga und Anime wiederverwertet. Den Charme des Originals erreichen aber beide Recyclingversuche nicht.
Nintendo hat das DS-Spiel vorbildlich mit deutscher Sprachausgabe, eigenem Intro und übersetzten Spielgrafiken lokalisiert. Abgesehen von ein paar Aussetzern wie "Fauste die Schwäche aus dem Torraum" im Introsong ist an der deutschen Fassung wenig auszusetzen. Eine Mischung aus modernem Jugendslang und gebräuchlichem Fußballdeutsch vermittelt eine gute Atmosphäre, die zuweilen besser ist als die im aktuellen Anime-Angebot des deutschen Fernsehens. Grafik und Sound erinnern an die Final-Fantasy-Remakes von Square Enix. Fußbälle sind eckig und pixelig und in der RPG-Ansicht werden Emotionen mit Ausrufe- oder Fragezeichen statt mit Mimik verdeutlicht.
Der Spieler übernimmt die Kontrolle über Mark Evans, einen fußballnärrischen Achtklässler, der im Verlauf der jugendgerechten Handlung als Kapitän sein Schulteam zum Sieg in der Meisterschaft führt. Wer schon mal Kickers oder Captain Tsubasa gesehen hat, weiß, was ihn erwartet. Obwohl sich die in Kapitel eingeteilten Ereignisse zeitlich gut dosiert entfalten, ist die Handlung nicht die größte Stärke von Inazuma Eleven.
Am meisten Spaß bereiten die Partien auf dem Rasen. Die Mannschaften treten entweder im Modus 4 gegen 4 oder 11 gegen 11 an. Gesteuert wird ausschließlich mit Stylus und Touchscreen. Das Spielfeld wird von oben präsentiert, ähnlich wie im Amiga-Klassiker Sensible Soccer. Spieler zeichnen Laufwege für die Kicker auf den Touchscreen und tappen für Pässe in den freien Raum. Immer dann, wenn zwei Kontrahenten aufeinandertreffen oder das Tor in Sichtweite ist, pausiert das Spiel und über ein Menü werden Spezialmanöver wie präzise Todesdribblings, Tornado-Torschüsse oder die Hand Gottes für den Torwart ausgewählt.
Zwischen den Saisonspielen kümmern sich Spieler um den Erwerb neuer Spezialfähigkeiten, rekrutieren neue Talente und trainieren die Truppe. Die sonst in japanischen Rollenspielen üblichen Zufallskämpfe werden durch kleine Miniduelle gegen die anderen Sportclubs der Schule ersetzt. In diesen Miniduellen muss der Spieler schnell das erste Tor schießen oder den Ball erobern, um an Erfahrungspunkte zu gelangen. Eine Angelegenheit, die selten mehr als eine halbe Minute verlangt und kurzweilig ist.
Genau deshalb ist Inazuma Eleven so gelungen. Das Aufleveln der eigenen Spieler bereitet Freude und bietet viele Möglichkeiten zum Experimentieren, ohne dabei in zu viel Tiefgang zu versinken. Inazuma Eleven ist keine Sportsimulation und obwohl Spieler Aufstellung und Formation editieren können oder Abseits simuliert wird, ist es beispielsweise keine Konkurrenz zur DS-Version von Pro Evolution Soccer.
Inazuma Eleven ist für den Nintendo DS erschienen und kostet circa 40 Euro. Von der USK ist es ab sechs Jahren freigegeben.
Fazit
Inazuma Eleven spielt in der Topliga auf dem Nintendo DS ganz weit oben mit. Der Mix aus Fußball- und Rollenspiel spielt sich rund und nutzt die Vorteile der Touchscreens gelungen. Der RPG-Teil beschränkt sich auf das Wesentliche, ist linear und erzählt eine spannende Geschichte. Nur wenige DS-Module bieten zudem so schicke Videoschnipsel, Sprachausgabe und Zwischensequenzen. Während der Fußballmatches ist es die flüssige Steuerung, die am meisten Spaß bringt. Die flotten Eingaben, gepaart mit einer Prise Taktik beim Timing der Spezialmanöver, spielen sich so neuartig, dass Inazuma Eleven jedem Spieler ans Herz zu legen ist, der sich nicht durch die japanische Präsentation abschrecken lässt und kein Fußballhasser ist.
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Naja... es war ein "Zeichentrick" oder auch "Trickfilm" wie man das damals noch nannte...