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Tablets: Google zeigt Vorschau auf Android 3.0 alias Honeycomb

Google hat eine Vorschauversion seines auf Tablets optimierten Betriebssystems Android 3.0 alias Honeycomb zusammen mit dem zugehörigen SDK veröffentlicht. Das ursprünglich für Smartphones entwickelte Betriebssystem verfügt in der Version 3.0 über ein neues Userinterface, das Google als "holographisch" bezeichnet und wurde von Grund auf für Geräte mit größerem Display entwickelt.
/ Jens Ihlenfeld
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Noch ist Android 3.0 nicht fertig, Google stellt aber jetzt schon eine Vorschauversion des Android 3.0 SDK zum Download bereit. Die Entwickler weisen explizit darauf hin, dass sich die APIs noch ändern können. Aber schon jetzt bietet Honeycomb zahlreiche Neuerungen.

Google zeigt Android 3.0 für Tablets
Google zeigt Android 3.0 für Tablets (01:32)

Dazu zählt zunächst einmal das neue "holographische" Userinterface, das auf 3D-Effekte setzt und die Inhalte in den Mittelpunkt stellen soll. Einige der Neuerungen hinsichtlich Interaktion, Navigation und Anpassung sollen auch älteren Android-Applikationen zur Verfügung stehen. Einige der neuen UI-Objekte, Grafikeffekte und Mediafunktionen können aber nur mit Applikationen genutzt werden, die für Android 3.0 entwickelt wurden.

System- und Aktionszeile

Unter anderem bietet Android 3.0 eine in allen Applikationen vorhandene Systemzeile (System Bar), die Statusinformationen und Benachrichtigungen zeigt. Sie befindet sich am unteren Rand des Bildschirms und enthält auch einige Knöpfe zur Navigation. Bei Vollbilddarstellungen, beispielsweise beim Abspielen von Videos, wird sie ausgeblendet.

Zudem steht in allen Applikationen die sogenannte Aktionszeile (Action Bar) am oberen Bildschirmrand als Aufklappmenü zur Verfügung, über die kontextbezogene Optionen, die Navigation, Widgets und andere Inhalte zur Verfügung stehen. Die Aktionszeile ist immer präsent, wenn eine Applikation verwendet wird. Inhalt und Aussehen werden aber von der Applikation und nicht vom System gesteuert.

Nutzer können insgesamt fünf Home-Bildschirme an ihre Bedürfnisse anpassen und dort Widgets, Verweise auf Apps und Hintergründe festlegen. Visuelle Hinweise und Schatten sollen die Sichtbarkeit verbessern, während das Layout angepasst wird. Zudem enthält jeder Home-Bildschirm einen Applikationsstarter (Launcher), der Zugriff auf alle installierten Applikationen sowie eine Suchbox gewährt.

Bessere virtuelle und Standardapplikationen

Über die Systemzeile wird eine Liste kürzlich verwendeter Applikationen zur Verfügung gestellt, über die zwischen mehreren offenen Applikationen gewechselt werden kann. Dabei wird jeweils eine kleine Vorschau auf die offenen Apps angezeigt.

Die virtuelle Androidtastatur wurde überarbeitet, um die Texteingabe schneller und akkurater zu machen. Dazu wurde die Form der Tasten verändert und neue Tasten hinzugefügt, beispielsweise eine Tabulatortaste. Zudem können mehrere der virtuellen Tasten gleichzeitig gedrückt werden, um beispielsweise Sonderzeichen einzugeben. Über einen Knopf in der Systemzeile kann zwischen der Eingabe per Tastatur oder Spracherkennung umgeschaltet werden. Wird längere Zeit auf ein Wort getippt, wird es markiert. Über Schieber kann diese Auswahl angepasst werden, um Texte zu kopieren, ähnlich wie es bei Apples iOS der Fall ist.

Motorola Xoom in Aktion auf der CES 2011
Motorola Xoom in Aktion auf der CES 2011 (02:29)

Neue Funktionen gibt es auch zur Verbindung mit anderen Geräten: So können Mediadateien wie Fotos automatisch mit einer per USB angeschlossenen Kamera synchronisiert werden (Media/Picture Transfer Protocol, MTP/PTP), ohne dass ein Massenspeichergerät gemounted werden muss. Tastaturen können per USB oder Bluetooth angeschlossen werden. Ein "Komboscan" soll dafür sorgen, dass drahtlose Netzwerke schneller gefunden werden. Zudem wird Tethering per Bluetooth unterstützt.

Browser mit Tabs

Auch die in Android enthaltenen Standardapplikationen wurden auf große Displays angepasst. So unterstützt der mitgelieferte Browser nun Tabs und einen "Inkognito-Modus" zum anonymen Surfen. Bookmarks und Verlauf werden in einer einheitlichen Ansicht gezeigt und verwaltet. Bookmarks können zudem mit Google Chrome synchronisiert werden, wenn entsprechende Accountinformationen hinterlegt werden. Dann kann sich der Browser auch automatisch bei Google-Seiten anmelden.

Multitouchfunktionen stehen über ein Javascript-API nun auch Webapplikationen zur Verfügung. Ein neues Zoom- und Viewport-Modell sowie Overflow-Scrolling und Unterstützung für feste Platzierungen sollen das Surfen auf normalen Webseiten verbessern, die nicht für mobile Geräte optimiert wurden.

Standardapplikationen an große Displays angepasst

Die Kameraanwendung gewährt schnellen Zugriff auf Funktionen wie Belichtung, Fokus, Blitz, Zoom und die nach vorne gerichtete Kamera. Die Bildergalerie zeigt Alben und Bildersammlungen im Vollbild mit kleinen Vorschaubildern auf andere Fotos.

Die Kontaktapplikation wurde um eine zweispaltige Ansicht und eine Schnell-Scroll-Funktion erweitert. Sie soll zudem internationale Telefonnummern besser darstellen und stellt Kontaktdaten in einem Visitenkartenlayout dar.

Auch die E-Mail-Applikation nutzt ein zweispaltiges Layout, ermöglicht über die Aktionszeile das Verschieben in einen anderen Ordner und lädt auf Wunsch Anhänge für die Offlinenutzung herunter. Über neue E-Mails informiert ein Widget auf dem Home-Bildschirm.

Neues in Android 3.0 für Entwickler

Entwickler erhalten mit Android 3.0 ein neues UI-Framework. Sie können Aktivitäten ihrer Applikationen in Fragmente genannte Subkomponenten zerlegen und auf neue Art zusammensetzen. So sollen sich anpassbare Multipane-UIs erzeugen lassen. Auf diese Weise können Applikationen auch so angepasst werden, dass sie auf kleinen und großen Displays gut funktionieren und jeweils ein entsprechendes Interface zeigen.

Zudem stehen neue UI-Widgets zur Verfügung, darunter ein 3D-Stack, eine Suchbox, Popup-Menüs sowie eine Auswahlbox für Daten, Zeiten und Zahlen. Auch die Aktionszeile können Entwickler an ihre Applikation anpassen. Darüber hinaus stehen umfangreichere Benachrichtigungen zur Verfügung.

Neu ist zudem ein Animationsframework, mit dem sich UI-Elemente animieren lassen. Auch steht ein neuer, hardwarebeschleunigter OpenGL-Renderer zur Verfügung. Dieser soll viele häufig genutzte 3D-Grafikeffekte beschleunigen. Für 3D-Applikationen steht das Renderscript genannte Framework zur Verfügung. Darüber kann auch die Datenverarbeitung mittels Hardware beschleunigt werden.

Als erste Androidversion wurde Honeycomb für Multicore-Prozessoren ausgelegt. Dazu wurden unter anderem Veränderungen an der Dalvik VM und der Bionic-Bibliothek vorgenommen. Von den Optimierungen sollen auch Single-Threaded-Applikationen profitieren, da beispielsweise der Dalvik-Garbage-Collector auf dem zweiten Kern läuft.

Das Mediaframework von Android unterstützt in der neuen Version HTTP-Live-Streaming einschließlich adaptiver Bitraten. Zudem gibt es ein erweiterbares DRM-Framework und weitere unterstützte Bluetooth-Profile. Für den Einsatz in Unternehmen werden erweiterte Regeln und die Verschlüsselung von Daten unterstützt. Ältere Applikationen lassen sich mit minimalen Änderungen in das neue holographische UI integrieren.

Die Vorschau auf das Android 3.0 SDK steht ab sofort unter developer.android.com(öffnet im neuen Fenster) zum Download bereit.


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