Roger Ebert: US-Filmkritiker erklärt den 3D-Film für tot

Zwei Koryphäen der US-amerikanischen Filmlandschaft sind sich einig: So wie 3D-Film heute funktioniert – also mit Brillen und Stereoskopie(öffnet im neuen Fenster) -, kann das Prinzip eigentlich nicht erfolgreich sein. Angestoßen hat die Debatte Roger Ebert(öffnet im neuen Fenster) mit seiner Kritik des 3D-Films "Green Hornet" . Ebert besitzt in den USA für Filme annähernd den Status, den Marcel Reich-Ranicki in Deutschland in der Literaturwelt genießt.
Wie Reich-Ranicki auch, ist Ebert ein Freund deutlicher Worte. Eines seiner Bücher heißt etwa "Your movie sucks" , frei übersetzt: "Dein Film ist Mist" . Und nur mit einer Fußnote in der Kritik zu Green Hornet(öffnet im neuen Fenster) , bei der er 3D als einen Weg bezeichnete, "um für ein dunkles Bild extra abkassiert zu werden" , rief Ebert den Schnittexperten Walter Murch(öffnet im neuen Fenster) auf den Plan.
Cutter von "Der englische Patient" stimmt zu
Murch, der für Sounddesign und Filmschnitt mehrere Oscars erhielt(öffnet im neuen Fenster) , stimmte Ebert in einem Brief(öffnet im neuen Fenster) zu, den Ebert veröffentlicht hat. Darin fasst er zwar nur zusammen, was Kritiker bei 3D-Filmen ohnehin schon lange bemängeln – anstrengend und zu dunkel -, aber Murch erklärt auch anschaulich, warum das so ist.
Was auch Verteidiger von 3D-Filmen anerkennen(öffnet im neuen Fenster) , sind die Gewohnheiten des menschlichen Sehapparates. Dieses komplexe Zusammenspiel von Augen und Gehirn sieht unter anderem den Effekt der Schärfentiefe(öffnet im neuen Fenster) vor: Das, worauf der Betrachter seinen Blick richtet, ist scharf, was vor oder hinter diesem Schärfepunkt liegt, wird unscharf. In den Sehgewohnheiten sind also Schärfe und Distanz verknüpft.
Kopfschmerzen durch 3D
Heutige 3D-Filme, so führt Walter Murch aus, zwingen dem Zuschauer aber eine Entkoppelung von Schärfe und Distanz auf. Der vor allem im klassischen Kino beliebte Effekt der geringen Schärfentiefe wird durch 3D nicht aufgegeben, aber die Filmemacher können nicht wissen, wohin der Zuschauer gerade blickt. Konzentriert er sich beispielsweise während einer Dialogszene – bei der die Protagonisten scharf gestellt sind – auf den Hintergrund, ist das für den Sehapparat sehr anstrengend.
Die eigene Zuordnung von Schärfe und Distanz ist durch das vorgegebene Bild nicht mehr möglich, denn sonst müssten bei diesem Beispiel die miteinander sprechenden Personen unscharf werden und der Hintergrund scharf. Die beiden Bilder des stereoskopischen 3D zwingen dem Zuschauer aber scharfe und unscharfe Bereiche sowie Entfernungen von Bildelementen zueinander auf.
Technikfans widersprechen
Walter Murch schließt sein Schreiben an Ebert mit den Worten: "Also: dunkel, flimmernd, Kopfschmerzen verursachend und verstörend. Und teuer. Die Frage ist: Wie lange dauert es, bis die Leute das bemerken und der Sache überdrüssig werden?" . Roger Ebert hält dies für die letzten Worte zum Thema 3D und schreibt: "Der Fall ist abgeschlossen."
Eher technisch orientierte Beobachter widersprechen natürlich. So hält das Blog Crunchgear die Texte der beiden Filmexperten für eine " fehlgeleitete Verteufelung(öffnet im neuen Fenster) " . Auch Crunchgear erkennt dabei aber das Problem von vorgegebener Schärfe und Distanz an, meint jedoch, dies liege am falschen Einsatz von 3D. In den letzten zwei Jahren habe 3D große Fortschritte gemacht, aber die Filmemacher verwendeten es noch nicht immer richtig, steht in dem Blog. Letztendlich würden die Nachteile des Verfahrens nur bei "schlechten Filmen" sichtbar, schreibt Crunchgear.
Hier sind sich Blogger und Cutter sogar einig: Walter Murch hält eine "gute Story" weiterhin für das Wichtigste, um den Zuschauer zu fesseln. Dieser Meinung war schon vor Jahrzehnten ein anderer Großer des Films, Alfred Hitchcock. Eines der berühmtesten Zitate(öffnet im neuen Fenster) des Regisseurs lautet: "Um einen tollen Film zu machen, braucht man drei Dinge: das Drehbuch, das Drehbuch und das Drehbuch."



