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Spieletest Dead Space 2: Ich bin Ingenieur, holt mich hier raus!

Allen Widerständen des bayerischen Sozialministeriums zum Trotz: Auch in Deutschland darf Isaac Clarke zum zweiten Mal das Böse bekämpfen. Wie der Vorgänger setzt das Actionspiel Dead Space 2 auf Schockeffekte, Action und ganz viel Blut.
/ Thorsten Wiesner
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Der Ingenieur Issac Clarke ist kaum zu beneiden: Seine Frau ist tot, seine drei Jahre zurückliegenden Kämpfe gegen die bösen Necromorphs im ersten Dead Space haben ihn traumatisiert. Mysteriöse Stimmen und Wahnvorstellungen trüben seinen Verstand und seinen Tagesablauf. Ein Ende des Horrors ist aber nicht abzusehen, denn kaum erwacht Clarke auf einer riesigen Raumstation namens The Sprawl aus dem Koma, sind die Probleme schon wieder da – und die Necromorphs erneut kurz davor, alles und jeden zu vernichten.

Dead Space 2 – Test
Dead Space 2 – Test (02:27)

Es dauert somit nicht lange, und der Spieler muss erneut zu den Waffen greifen, so lange noch etwas zu retten ist. Dabei stellt sich für Kenner des ersten Teils schnell ein vertrautes Gefühl ein – Dead Space 2 schließt in vielen Punkten nahtlos an den Vorgänger an. Allerdings wird früh deutlich, dass die Entwickler von Visceral Games sowohl den Actionanteil als auch die Gegnerzahl erhöht haben und dabei eine bessere Balance aus ruhigeren Passagen und Kampforgien gefunden wurde. Ähnliches gilt für die Story, die einige Überraschungen zu bieten hat und nachvollziehbarer und stringenter erzählt wird als im ersten Teil.

Aber nicht nur die Geschichte ist besser, auch die Identifikation mit Isaac fällt diesmal leichter – weil schon bald sein Gesicht zu sehen, seine Stimme zu hören ist. Blieb er im ersten Teil noch seltsam blass, sind seine inneren Konflikte diesmal nachvollziehbar, sein persönlicher Alptraum auch für den Spieler ein Wechselbad der Gefühle.

Nur für nervenstarke Spieler

An Schock- und Horrormomenten herrschte schon im ersten Teil kein Mangel. Dead Space 2 schafft es, das Nervenkostüm des Spielers noch stärker zu belasten. Immer wieder deuten kleine Geräusche auf versteckte Monster hin, immer wieder springen ihn plötzlich finstere Mutanten an, stürzen sich hinter einem Pfeiler oder aus einer sicher geglaubten Wand hervor oder jagen im Pulk. Gut, dass Isaacs Waffenarsenal wie im ersten Teil einige Hilfsmittel bietet, um sie zu stoppen – etwa die Möglichkeit, die Gegner mit Stasis-Pistole erst in eine Schockstarre zu versetzen und dann zu erledigen, oder Plasmaschneider und Schusswaffen zu nutzen, um einzelnen Extremitäten abzuhauen.

Beim Waffeneinsatz ist durchaus etwas Taktik gefragt – oft sind mehrere Vorgehensweisen möglich, aber längst nicht alle gleich gut geeignet. Gut, dass im Spielverlauf Upgrades für Isaac und seine Waffen das Leben erleichtern und beispielsweise Lebensenergie, verursachter Schaden oder Schussfrequenz nach und nach an Werkbänken verbessert werden.

Die Motivation fällt ohnehin nie ab – allein schon, weil das Spiel gespickt ist mit denkwürdigen Momenten und dank der riesigen Raumstation bei den Schauplätzen auch mehr Abwechslung bietet als der erste Teil. Mal ist Isaac in einer von Verwüstung gezeichneten Stadt, einem Einkaufszentrum oder in Wohnquartieren unterwegs, dann wieder in den bekannten düsteren, labyrinthartigen Gängen im Untergrund – oder er muss im rasend schnellen fahrenden Zug mit einem ganzen Abteil voller blutrünstiger Gegner fertig werden, lebensgefährlicher Sprung von Zugabteil zu Zugabteil inklusive.

Die spielerischen Veränderungen zum ersten Teil sind marginal: Es gibt ein paar Momente im schwerelosen Raum, eine Art Jetpack, um kurzzeitig zu fliegen, und ein paar Geschicklichkeitsaufgaben, die Isaacs eigentliche Ausbildung als Ingenieur verdeutlichen sollen – da gilt es dann etwa, Technik zu reparieren oder sich in Systeme zu hacken, indem der Analogstick gedreht und im richtigen Moment eine Taste gedrückt wird. Das Ganze hat eher Minispielcharakter, passt sich dennoch aber recht stimmig ins Gesamtbild ein.

Grafik vom Feinsten

Technisch ist auch Dead Space 2 wieder ein Meisterwerk. Trotz meist dunkler Welten und Gänge ist der Detailgrad von Umgebung, Maschinen oder Necromorphs beachtlich, das Licht- und Schattenspiel hervorragend. Ähnliches gilt für die Soundkulisse: Den Entwicklern gelingt es immer wieder, durch ein leises Pochen, ein Knarzen oder Scheppern Panik auszulösen – und den Spieler zu täuschen. Auch abgebrühte Actionprofis werden hier nicht regungslos die einzelnen Abschnitte der Raumstation durcharbeiten können.

Dead Space 2 – The Sprawl – Trailer
Dead Space 2 – The Sprawl – Trailer (01:50)

Wer sich bereits im ersten Teil an den Gewalt- und Blutorgien störte, wird an Teil 2 noch weniger Gefallen finden: Metzeln und das gezielte Abschlagen von Körperteilen sind auch diesmal wieder Kernbestandteile des Spiels. Trotz Widerständen des bayerischen Sozialministeriums darf das Spiel trotzdem in Deutschland erscheinen – mit der USK-Kennzeichnung "Keine Jugendfreigabe".

Einen Unterschied zur internationalen Version gibt es allerdings: Es existiert kein Friendly Fire, Verbündete lassen sich somit nicht verletzen. Aufgrund dieser Änderung ist ein Onlinespiel für deutsche Spieler auch nur mit anderen deutschen Spielern sinnvoll. Unabhängig davon ist der Multiplayerpart eine gelungene Ergänzung des Horrortrips, zumal man auch die Necromorphs steuern kann. Als Puker oder Spitter gilt es dann, Jagd auf Menschen zu machen und sie daran zu hindern, im Team Missionen zu lösen und etwa Gegenstände von einem Ort zum anderen zu transportieren.

Dead Space 2 ist für Playstation 3, Xbox 360 und Windows-PC erhältlich und kostet 60 Euro (Konsole) beziehungsweise 50 Euro (PC). Während das Spiel international am 27. Januar 2011 in den Handel kommt, steht die deutsche Version erst am 3. Februar 2011 im Laden.

Fazit

Schneller, blutiger, gruseliger: Dead Space 2 spielt sich über weite Strecken wie der Vorgänger, hat aber von allem ein bisschen mehr zu bieten – und beseitigt ein paar Schwächen des ersten Teils gekonnt. Wer keinen kompletten Neustart, sondern eine konsequente Fortsetzung erwartet, wird begeistert sein. Ein besseres Survival-Horror-Actionspiel für Erwachsene ist derzeit kaum zu bekommen.


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