Oracle: Tochterunternehmen wegen Codediebstahls angeklagt

Dem Unternehmen Passlogix(öffnet im neuen Fenster) wird in der Anklageschrift(öffnet im neuen Fenster) vorgeworfen, gegen eine Vereinbarung zu verstoßen, laut der es ihm untersagt wurde, Quellcode für die Entwicklung weiterer eigener Produkte zu verwenden. Die Vereinbarung zwischen den Unternehmen stammt aus dem Jahr 2006 und gewährte Passlogix Zugang zu Quellcode der Firma 2FA(öffnet im neuen Fenster) , um ihn in einem eigenen Produkt zu verwenden. Zudem hatte sich Passlogix verpflichtet, keine Produkte zu entwickeln, die mit denen von 2FA konkurrieren.
Oracle hatte im Oktober 2010 Passlogix samt seiner Single-Sign-On-Software erworben. Zuvor hatten die beiden Unternehmen drei Jahre lang zusammengearbeitet. Passlogix entwickelt die Produktlinie v-GO Access-Accelerator, eine Plattform, die sich einfach in unterschiedliche Software- und Hardwarelandschaften einfügen lassen soll. Unternehmensangaben zufolge wurden für v-GO rund 21 Millionen Lizenzen verkauft. Passlogix hat Kunden im Gesundheitswesen und Einzelhandel, bei Regierungsorganisationen, Kommunikationsunternehmen und Finanzdienstleistern. Die Technologie wurde mit einer ersten Unternehmenslösung für die Einmalanmeldung im Jahr 1996 auf dem Markt eingeführt. Passlogix unterhält Niederlassungen in den USA, Großbritannien, Frankreich und den asiatischen Staaten.
Streitpunkt Single-Sign-On
Das Unternehmen 2FA hatte sich auf die Entwicklung starker Authentifizierung und der Verwaltung von Zugangsberechtigungen (Credentials) über Smartcards konzentriert.
Laut Anklage hat Passlogix die Authentifizierungstechnik in mehrere seiner Produkte integriert, unter anderem in v-GO SSO, v-GO AM, v-GO SM und später in v-GO UAM und somit gegen die Vereinbarung verstoßen. Zudem habe Passlogix auch Technik aus der Verwaltungssoftware in seinen Produkten verwendet. Oracles Enterprise Single Sign-on enthält ebenfalls Code aus v-GO UAM.
Von Passlogix beziehungsweise dem jetzigen Besitzer Oracle verlangt 2FA wegen Beihilfe und Verschwörung jeweils zehn Millionen US-Dollar plus Zinsen sowie eine Entschädigungssumme von insgesamt 100 Millionen US-Dollar. Laut 2FA hat Oracle für Passlogix etwa 42 Millionen US-Dollar bezahlt.
Kippt Oracle das Lustre-Dateisystem?
Gleichzeitig tauchten Gerüchte auf, dass Oracle die Entwicklung des Lustre-Dateisystems einstellt. Laut der Webseite InsideHPC(öffnet im neuen Fenster) wurde Lustre-Entwicklern vor Weihnachten 2010 nahegelegt, sich für andere Stellen innerhalb des Konzerns zu bewerben. Eine Umfrage in der Open-Source-Community hat laut InsideHPC ergeben, dass auch dort die Gerüchte bekannt waren.
Oracle besitzt seit der Übernahme von Sun die Rechte am objektbasierten Dateisystem für Linux, dessen Quellcode aber von einigen Communitys gepflegt wird, etwa der European-Open-Filesystem-Gruppe, zu der unter anderem das Forschungszentrum in Jülich sowie die Universitäten in Zürich und Paderborn gehören. Einige der Oracle-Entwickler sind laut InsideHPC(öffnet im neuen Fenster) zu der Firma Whamcloud übergelaufen, ein Startup-Unternehmen, das 10 Millionen US-Dollar in die Weiterentwicklung und Bereitstellung von Diensten rund um das Clusterdateisystem investieren will.