Openleaks.org: Neues Whistleblower-Projekt vorgestellt

Domscheit-Berg betont, dass das Openleaks.org-Projekt nicht nur von ihm stamme, es werde von vielen weiteren Menschen getragen. Er sagte, es brauche keine zentrale Figur für das Konzept einer Veröffentlichungsplattform, denn diese biete einerseits eine zu große Angriffsfläche und störe so die eigentliche Arbeit, andererseits sei das nicht die Grundlage einer breiten, offenen Plattform, für die Openleaks.org stehe.
Der Grund, warum es nur wenige Veröffentlichungsplattformen gibt, sei vor allem die rechtliche Grauzone. Auch seien die technischen Aspekte äußerst kompliziert. Zudem sei der Erfolg einer Veröffentlichung von der kompletten Verfügbarkeit aller entsprechenden Dokumente abhängig und das ziehe bei der Eigenrecherche auch mögliche Repressalien für die Quelle und den Redakteur nach sich. Eine einzige zentrale Plattform solle es nicht geben.
Optimierte Plattform
Die einzelnen Schritte von der Abgabe bis zur Veröffentlichung von geheimen Dokumenten seien komplex und vielfältig. Sie alle unter einen Hut zu bringen sei schwierig. Verschiedene Schritte erfordern verschiedene Mitarbeiter. Das erschwere die Skalierung der verschiedenen Arbeitsschritte. Openleaks.org will diese Bottlenecks vermeiden.
Zudem sei der Effekt (Impact) der Veröffentlichungen unterschiedlich. Domscheit-Berg führte aus, dass Dokumente, die eher auf lokale Probleme hinwiesen, über globale Plattformen nicht an die Stellen gelangen würden, an denen sie relevant seien. Openleaks.org wolle auch länderspezifische oder regionalspezifische Dokumente verwalten. Außerdem seien global relevante Dokumente äußerst schwierig zu redigieren.
Keine rein kommerzielle Lösung
Die neu gegründete Organisation habe bereits verschiedene Konzepte durchdacht, so Domscheit-Berg. Eine rein kommerzielle Lösung beispielsweise sei nicht sinnvoll, denn zu dem Konzept des Whistleblowing und der Plattform gehöre viel Idealismus. Zudem wolle man vermeiden, dass die Veröffentlichung von Dokumenten eine monetäre Grundlage bekommt. Außerdem biete eine kommerzielle Lösung auch eine zu große Angriffsfläche.
Openleaks.org will eine Hybridlösung bieten: Openleaks soll nur eine Dienstleistung sein und dadurch seine Neutralität behalten. Die Aktivisten wollen sich nur um den Schutz der Quellen und der sicheren Einreichung von Dokumenten kümmern. Openleaks.org sei eine technische Lösung, nicht mehr, so Domscheit-Berg. Es sollen beispielsweise Werkzeuge bereitgestellt werden, mit denen Dokumente bereinigt werden können.
Wissen, Eingeben und Säubern
Die Konzepte wurden auf drei Basiskomponenten reduziert: Wissen, Eingabe und Säubern. Openleaks.org will zum einen eine umfangreiche Knowledgebase in einem Wiki zur Verfügung stellen. Das Wiki soll in erster Linie die rechtlichen Aspekte und mögliche Konsequenzen des Whistleblowing weltweit zusammenfassen.
Für die Einreichung von Dokumenten soll die Plattform zwar die entsprechenden Werkzeuge bieten, die Dokumente selbst sollen aber bei verschiedenen Organisationen eingehen und von diesen publiziert werden. Als Beispiel nannte Domscheit-Berg Greenpeace, die sicherlich mit möglicherweise veröffentlichten Dokumenten von BP weit mehr anfangen könnten als andere Organisationen. Letztlich entscheide die Quelle, an wen seine Dokumente gelangen.
Openleaks.org wolle vor allem bei der Anonymisierung von Dokumenten helfen. Dazu will die Organisation entsprechende Werkzeuge entwickeln. Danach sollen die Dokumente bedenkenlos weitergeben werden können.
Halbdemokratische Mitgliederwahl
Die Mitglieder der Organisation will Openleaks.org zur Hälfte selbst auswählen und rekrutieren. Die andere Hälfte soll von der Community gewählt werden, die um die Organisation entstehen soll. Mitglieder sollen weltweit rekrutiert werden und nicht nur aus Vertretern der Presse oder NGOs bestehen. Benutzer sollen Openleaks.org einen finanziellen Obolus beisteuern, größtenteils soll die Plattform aber kostenlos nutzbar sein.
Die Webseite des Projekts soll noch im Januar 2011 veröffentlicht werden. Gleichzeitig soll eine erste geschlossene Testphase mit ausgewählten Organisationen starten. Eine Betaphase ist für April oder Mai 2011 geplant. Letzte Korrekturen wollen die Entwickler bis zum Chaos Camp im August 2011 einpflegen. Dort sollen das Konzept und die Werkzeuge vorgestellt und der Hackergemeinde zur Prüfung übergeben werden. Danach ist der offizielle Start der Plattform geplant.
Letztendlich will Openleaks.org kein Wikileaks-Klon werden, sondern ein eigenes Konzept verfolgen. Die Organisation sei nur eine Schnittstelle, so Domscheit-Berg.



