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Crowdsourcing

Ushahidi dokumentiert Afghanistan-Wahl

Über die Informationsplattform Ushahidi sollten die Parlamentswahlen in Afghanistan dokumentiert werden. Der Organisator des Projekts, Mark Rendeiro, berichtet über Organisationsprobleme und unwillige Helfer. Sein Fazit: Für den Einsatz in einem Kriegsgebiet ist Ushahidi ungeeignet.

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Crowdsourcing: Ushahidi dokumentiert Afghanistan-Wahl

Wahlbeobachter und Helfer sollten per SMS von ihren jeweiligen Standorten aus über die Parlamentsahlen am 18. September 2010 in Afghanistan berichten. Die Informationen sollten per SMS an Rendeiro verschickt werden, der sie aufbereiten und an Helfer in den USA weitergeben sollte. Sie sollten die Informationen dann in eine Datenbank einpflegen und daraus eine interaktive Karte erstellen.

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Das Ushahidi-Projekt entstand vor drei Jahren während der Unruhen nach den Wahlen in Kenia. Das Projekt wollte Augenzeugenberichte über Gewalt sammeln und in einer interaktiven Karte eintragen. Initiatorin Ory Okolloh sowie Juliana Rotich, David Kobia und weitere Entwickler erweiterten das Kohana-Framework, das ein SMS-Gateway enthält und die APIs von Google Maps für das Geocoding verwendet. Für die Aufarbeitung von Daten verwendet Ushahidi das eigene Swiftriver-Framework. Unter dem Namen Crowdmap sind sämtliche Werkzeuge quelloffen verfügbar.

  • Ushahidi-Karte zur Parlamentswahl in Afghanistan 2010
Ushahidi-Karte zur Parlamentswahl in Afghanistan 2010

Einsatz in Krisengebieten

In Kenia war das Projekt durchaus erfolgreich. Augenzeugenberichte wurden per SMS oder E-Mail eingereicht und von den Projektmitgliedern redigiert und eingepflegt. Später entstanden mit Ushahidi weitere Projekte, etwa nach dem Erdbeben in Haiti.

Während Ushahidi in Kenia vor allem Dokumentationszwecken diente, sollte die Karte in Haiti Helfern vor Ort eine Informationsquelle bieten, über die Hilfe effektiver verteilt werden kann. Ushahidi war aber auch als Quelle für Journalisten gedacht, die fernab des Landes über die Wahlen oder Naturkatastrophen berichten wollten.

Ushahidi in Afghanistan

In Afghanistan sollten mit dem Ushahidi-Projekt die Parlamentswahlen dokumentiert werden. Initiatoren des Projekts waren die afghanische Presseagentur Pajwhok sowie die internationalen Wahlbeobachtungskomitees FEFA (Free and Fair Election Foundation of Afghanistan) und Democracy International.

Die einheimischen und internationalen Beobachter sollten während der gesamten Wahl nicht nur besondere Vorkommnisse, sondern auch den Ablauf der Wahlen dokumentieren und an die Blogger der Small World News (SWN) weitergeben.

Informationen von Wahlbeobachtern

Rendeiro - alias Bicyclemark - war als Vertreter der SWN in Afghanistan mit der Organisation, der Redaktion und der Weitergabe der Informationen an seine Kollegen in den USA betraut. Dort sollten die Informationen in nahezu Echtzeit in das Ushahidi-Framework eingepflegt werden.

Einer der wesentlichen Vorteile des Ushahidi-Projekts besteht aber laut Rendeiro darin, dass Informationen nicht mehr in Berichten zusammengefasst werden, sondern weitgehend unredigiert gesammelt werden, sie sollten lediglich auf den Wahrheitsgehalt geprüft werden.

Rendeiro sollte zunächst die Beobachter mit Mobiltelefonen auf Android-Basis ausstatten und ihnen erklären, dass sie als Teil des Ushahidi-Projekts Informationen darin eingeben sollten. Bereits hier stieß er auf Widerstand, denn er musste unter anderem erklären, dass sie anonym bleiben würden. Einige hatten Angst, ihre Namen würden im Internet auftauchen und ihren künftigen Aufenthalt in dem Land gefährden, falls die Taliban die Namen erführen.

Mangelnde Telekommunikation

Die Infrastruktur der Telekommunikation in Afghanistan war eine weitere Hürde; in zahlreichen Gebieten gibt es keinerlei Mobilfunknetz. In anderen Gebieten wird das Netz oft vorübergehend abgeschaltet, wenn Kämpfe stattfinden, um dem Gegner die Kommunikation zu erschweren. Die Telekommunikationsfirmen stellen sich als weitgehend unkooperativ heraus, so Rendeiro. Die Kommunikation per SMS fiel am Wahltag komplett aus.

Auch die Organisatoren wollten zumindest teilweise den Informationsfluss kontrollieren. Der Vorschlag der SWN, den Wählern zumindest einige grundlegende Fragen zu stellen, etwa ob sie an der letzten Wahl teilgenommen hatten, wurde von den Organisatoren verworfen. Zudem wollten sie Einblick in die Informationen bekommen, bevor sie in Ushahidi eingepflegt wurden, sagte Rendeiro. Sie waren besorgt, dass zu viele Informationen aus nur einem Gebiet veröffentlicht würden, die ein einseitig negatives Bild der Wahlen ergäben.

Die gesamte Kommunikation verlief über Internetverbindungen - sofern vorhanden. Auf den ausgeteilten Mobiltelefonen konnten Beobachter ihre Informationen eingeben und später bei einer vorhandenen Internetverbindung versenden.

Für den Einsatz in Krisengebieten, so Rendeiro, sei das Ushahidi-Projekt nicht geeignet. Die Teilnehmer eines solchen Projekts müssten willig und die Kommunikationsinfrastruktur zumindest halbwegs gewährleistet sein. Eines der Ziele des Ushahidi-Projekts weltweit ist das unabhängige Sammeln und Weitergeben von Informationen in Form von Crowdsourcing. Bei allen berechtigten Einwänden der Organisatoren und Teilnehmer wurden diese Ziele in Afghanistan nicht umgesetzt.

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