Roaming: EU findet Mobilfunkbetreiber weiter zu gierig

Die EU-Kommission bezeichnet die Mobilfunk-Roamingpreise weiterhin als deutlich zu hoch und sucht über eine Konsultation nach Lösungen. Die Betreiber setzten die Roamingpreise "knapp unter den regulierten Höchstpreisen fest und erzielen mit Roamingdiensten ungerechtfertigt hohe Gewinnspannen" , erklärte die EU-Kommission am 8. Dezember 2010 in Brüssel.
Neelie Kroes, die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission, sagte: "In einem echten EU-Binnenmarkt ist kein Platz für gewaltige Unterschiede zwischen Inlands- und Roamingentgelten. Wir müssen die Ursache der heutigen Probleme angehen, nämlich den unzureichenden Wettbewerb, und dafür eine dauerhafte Lösung finden. In Bezug darauf, wie diese Lösung im Einzelnen funktionieren könnte, sind wir aber offen."
Mit den seit dem 1. Juli 2010 geltenden Preisen darf EU-weit ein ausgehender Roaminganruf nur noch 39 Cent pro Minute plus Mehrwertsteuer kosten. Die Roamingverordnung von 2009 gilt bis zum 30. Juni 2012. Bis 2015 soll der Unterschied zwischen Roaming- und Inlandstarifen ganz verschwinden, so die bisherige Planung.
Die Entgelte, die die Betreiber für Datenroamingdienste untereinander abrechnen, wurden von 1 Euro auf 80 Cent pro Megabyte im Upload und Download gesenkt. Doch ein Wettbewerb habe beim Sprachroaming immer noch nicht eingesetzt, stellte die EU-Kommission schon im Juni 2010 fest. Denn noch immer fehlten Tarife, die deutlich unter den EU-Höchstpreisen lägen.
Verbraucher, Unternehmen, Telekommunikationsbetreiber und Behörden können nun im Rahmen einer öffentlichen Konsultation ihre Stellungnahmen(öffnet im neuen Fenster) zum EU-Mobilfunk-Roamingmarkt abgeben. Die Konsultation läuft bis zum 11. Februar 2011 und soll zur Klärung beitragen, welche Art der Regulierung oder Politik am besten geeignet ist, um kurz-, mittel- und langfristig den Wettbewerb auf dem Markt zu intensivieren, und in welchem Maße technologische Entwicklungen zu einem besseren Funktionieren der Märkte für Sprach-, SMS- und Datendienste beitragen können.