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Garantiefälle: Riskante 2-TByte-Festplatten und SSD-Rückläufer

Je größer und schneller eine Festplatte ist, desto unsicherer sind die Daten gelagert. Zu dieser Einschätzung kommt die französische Webseite hardware.fr, die Zugriff auf eine Rücknahmedatenbank eines großen Händlers hat. Hochinteressant ist auch der Vergleich mit flashbasierten SSDs .
/ Andreas Sebayang
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Die französische Webseite hardware.fr hat Daten zur Zuverlässigkeit(öffnet im neuen Fenster) von Festplatten und vor allem auch von SSDs veröffentlicht. Festplatten sind über alle Modelle hinweg recht zuverlässig, so das Ergebnis. Maxtor kommt mit einer Ausfallrate von etwa einem Prozent derzeit recht gut davon. Solche Zahlen können sich aber sehr schnell ändern.

Schon ein neues Modell eines Herstellers kann deutliche Auswirkungen auf die Gesamtausfallrate haben. Die von hardware.fr genannten Zahlen sind also nicht für zukünftige Entscheidungen geeignet. Sie zeichnen vielmehr ein detailliertes Bild eines typischen Technikproblems: der Komponentenausfall, der mitunter allerdings auch ein falscher Garantiefall auf Kulanzbasis sein könnte.

Hardware.fr betont aber, dass es generell nur wenig offizielles Zahlenmaterial gebe. Die Herstellerinformationen wären unglaubwürdig. Um die Erhebung von hardware.fr valider zu machen, würden nur Produkte berücksichtigt, die mindestens 100-mal verkauft wurden. Für die Herstellerwertung müssten mindestens 500 Einheiten verkauft worden sein.

Die Zahlen von hardware.fr kommen von einem großen französischen E-Tailer, der ungenannt bleibt. Die Webseite hat eigenen Angaben zufolge direkten Zugriff auf die Datenbank. Die Produkte wurden zwischen dem 1. Oktober 2009 und dem 1. April 2010 verkauft und bis zum 1. Oktober 2010 hat hardware.fr Daten zu den Rücknahmen. Die Produkte waren also maximal ein Jahr in Betrieb.

Auf dem ersten Platz befindet sich den Daten zufolge Maxtor. Seit der Übernahme durch Seagate werden unter dieser Marke nur noch Low-End-Festplatten verkauft; bewährte Technik also – und geringe Kapazitäten, die gerade einmal 1 TByte erreichen. Platz 2 geht an Western Digital mit 1,5 Prozent Rücknahmen. Einige deutliche Ausreißer im 2-TByte-Segment mit neuen Produkten machen eine sonst gute Wertung zunichte. Die Plätze 3 und 4 belegen Seagate und Samsung. Der letzte Platz mit 3,4 Prozent geht an Hitachi. Das zeigt besonders deutlich, wie schnell neue Modelle die Situation ändern können: Hitachi belegte in der letzten Hardware.fr-Auswertung vom April 2010 noch den ersten Platz.

Schnelle 1-TByte-Festplatten auf den hinteren Rängen

Aus den Zahlen geht hervor, dass 1-TByte-Festplatten eigentlich recht zuverlässig sind. Western Digital gelingt es, zwei 1-TByte-Modelle zu positionieren, deren Rückläuferquote zwischen 1,4 und 1,6 Prozent liegt. Dabei ist das Modell mit 7.200 U/min (WD1001FALS) sogar zuverlässiger als das Modell mit 5.400 U/min (WDEADS). Interessant ist der Umstand, dass das Modell mit Advanced Format (WD10EARS) mit 2,4 Prozent schlechter abschneidet. Hier könnten Probleme mit den neuen Sektorgrößen die Statistiken verfälschen. Nicht jedes Betriebssystem kann mit den neuen Festplatten umgehen und so könnten durchaus Garantiefälle in die Statistik eingeflossen sein, die gar keine sind.

Hitachi hat mit zwei seiner Deskstar-Festplatten gerade genug Pech, um die eigene Gesamtwertung herunterzuziehen. Die Deskstar 7K1000.B und -.C haben Ausfälle von 5,8 beziehungsweise 5,2 Prozent. Alle anderen betrachteten Modelle der Konkurrenz liegen weit darunter.

Die Seagate-Tochter Maxtor hat laut hardware.fr mit seiner Diamondmax 23 das zuverlässigste Festplattenmodell (1,2 Prozent) und ist damit deutlich besser als die Seagate-Festplatten, die je nach Modell zwischen 2,1 und 3,7 Prozent liegen.

2 TByte eher unzuverlässig

Mit fast zehn Prozent Rückläufern kommt Western Digitals Caviar Black (WD2001FASS) besonders schlecht weg. Gleichzeitig hat Western Digital aber auch die zuverlässigste Festplatte im 2-TByte-Segment zu bieten; die Caviar Green WD20EADS liegt bei rund drei Prozent. Auffallend: Mit fast fünf Prozent Rückläufern bewegt sich mit der Caviar Green WD20EARS wieder eine Advanced-Format-Festplatte deutlich oberhalb des verwandten Modells mit kleinen Sektoren.

Die Rücknahmen bei Festplatten von Samsung (4,2 Prozent), Seagate (4,4 Prozent) und Hitachi (6,9 Prozent) bewegen sich zwischen den WD-Platten. Hardware.fr kommt zu dem Schluss, dass der Anwender Daten einer 2-TByte-Festplatte lieber nicht ohne Sicherungsverfahren anvertrauen sollte. Außerdem sind 7.200er Platten weniger vertrauenswürdig als Festplatten mit 5.400 oder 5.900 U/min. Die Kombination aus hoher Speicherkapazität und hoher Rotationsgeschwindigkeit ist anscheinend besonders herausfordernd für Festplattenhersteller.

SSDs: wenig Platz, aber dafür zuverlässig

SSDs haben keine mechanischen Teile. Festplattenköpfe, die auf die Platter aufschlagen könnten, gibt es nicht. Und statt der Platters befinden sich nur Chips in dem Gehäuse. Das schließt vor allem Schäden durch Stöße weitestgehend aus. Dennoch fallen auch SSDs aus. Einige SSD-Hersteller haben sogar schlechtere Werte als Festplattenhersteller.

Intel ist den Zahlen von hardware.fr zufolge der einzige SSD-Hersteller, der besser dasteht als Festplattenhersteller. 0,6 Prozent beträgt die Ausfallrate. Die vier anderen SSD-Spezialisten (Kingston, Crucial, Corsair, OCZ) befinden sich im Bereich zwischen 2 und 3 Prozent und damit im Mittelfeld der Festplattenhersteller. Leider werden einzelne SSD-Modelle nicht getrennt betrachtet. Auch eine Betrachtung von MLC- oder SLC-Speicher gibt es nicht. Zudem ist zu beachten, dass ein SSD-Nutzer eventuell mehr als eine SSD einsetzt, der begrenzte Speicherplatz macht dies notwendig.

Backups bleiben wichtig

Ein Fazit, welches sich aus den Zahlen von hardware.fr herauslesen lässt: Auch wer eine SSD besitzt, sollte sich nicht zu sicher sein und auf keinen Fall auf Backups verzichten. Wie bei Festplatten sollte eventuell zusätzlich über ein RAID 1 nachgedacht werden, wenn keine Auszeit riskiert werden soll. Notebooknutzer können darauf aber nur selten zurückgreifen. Sie müssen sich erst recht auf sinnvolle Backups verlassen. Die Zahlen schließen nicht aus, dass es Ausreißermodelle gibt, die besonders häufig ausfallen. Intels Ausfallraten sind aber erfreulich niedrig.

Ein Problem bei Flashspeichern ist im Desasterfall die Datenrettung. Während es bei Festplattenschäden spezialisierte Anbieter gibt, die die Daten trotzdem für viel Geld retten, sieht es bei Flashspeichern noch ziemlich schlecht aus.

Der vollständige Artikel 'Les taux de pannes des composants'(öffnet im neuen Fenster) betrachtet zudem Ausfallraten von Netzteilen, Motherboards und Grafikkarten. Außerdem hat hardware.fr vorläufige Zahlen von Produkten, die in den letzten sechs Monaten verkauft wurden.


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