Abrechnung: SAP-Chef wirft alter Führung Versagen vor

SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe hat massive Kritik an der früheren Konzernführung geübt und damit den neuen Hewlett-Packard-Chef angegriffen. "Irgendwann haben wir den Kunden etwas aus den Augen verloren. Wir dachten, wir kennen alle Probleme und haben dafür Lösungen entwickelt – auch am Kunden vorbei. Aber das hat sich jetzt geändert" , sagte Snabe der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) . In der Vergangenheit sei SAP "vielleicht sogar mal" arrogant gewesen, räumte Snabe ein.
Snabe-Vorgänger Léo Apotheker wurde im Februar 2010 abgelöst. An seine Stelle trat bei dem deutschen Hersteller von Unternehmenssoftware eine neue Doppelspitze, bestehend aus Bill McDermott und Snabe. SAP-Gründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner erklärte später, Apotheker habe das Vertrauen der Belegschaft und der Kunden verspielt . Apotheker wurde am 30. September 2010 Vorstandschef von Hewlett-Packard .
Die neue SAP-Führung habe "Bürokratie und Hierarchien abgebaut und den Mitarbeitern wieder mehr Verantwortung gegeben" , sagte Snabe. Früher hätten die Beschäftigten intern viel Energie verbraucht. Doch "viele Mitarbeiter leben noch in zwei Welten, in der alten und in der neuen. Da läuft nicht sofort alles reibungslos" , erklärte Snabe die Schwierigkeiten beim Umbau des Unternehmens.
Die neue Konzernführung beurteilte er dagegen durchweg positiv: Seitdem die neue Doppelspitze installiert wurde, habe die Aktie um 20 Prozent zugelegt. "Das Vertrauen bei den Kunden ist wieder da. Wir haben gezeigt, dass wir wieder zweistellig wachsen können und werden unsere innovativen Produkte in Zukunft schneller auf den Markt bringen. Es geht aufwärts." Im letzten Quartal steigerte SAP zwar den Umsatz um 20 Prozent, der Gewinn stieg jedoch nur um 9 Prozent auf 501 Millionen Euro und verfehlte damit die Analystenprognose.