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Spieletest Disney Micky Epic: Comicmaus, Kultdesigner - und Kameraprobleme

Es soll der zuletzt eher müden Figur Micky Maus neues Leben einhauchen: Disney Micky Epic. Kultdesigner Warren Spector gelingt das mit viel Atmosphäre und tollen Ideen fast – wären da nur nicht ein paar grundlegende technische Mängel.
/ Thorsten Wiesner
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Die ruhmreichen Zeiten von Micky Maus liegen lange zurück, der einstige Disney-Star hat über die Jahre viel an Popularität verloren. Ausgerechnet der Spieldesigner Warren Spector , der sich seinen Kultstatus vor allem mit den Hardcore-Rollenspielen der Ultima-Reihe und mit Deus Ex erarbeitet hat, sollte das allzu brave Maskottchen nun mit Micky Epic auch von einer dunkleren, erwachseneren Seite zeigen. Und mit einer Mischung aus kreativem Jump-and-Run, Adventure und Rollenspielelementen für Spaß auf der Wii sorgen.

Disney Micky Epic – deutscher Trailer von der Gamescom 2010
Disney Micky Epic – deutscher Trailer von der Gamescom 2010 (04:25)

Das Spiel beginnt mit einem tragischen Fehler: Ohne es zu wollen, hat Micky großes Unheil angerichtet und die einst wunderschöne Comicwelt Wasteland in eine trostlose Düsternis verwandelt. Nun will er die Missetat wiedergutmachen – mit Hilfe eines magischen Pinsels, der Leben in die Level bringt und mit dem die Welt aktiv gestaltet werden kann. Mit diesem mächtigen Werkzeug kann der Spieler Farbe "schießen" und so die Welten verändern. Triste Wege und Gegenstände verwandelt er in knallbunte und infolgedessen auch hilfreiche Objekte, er zaubert mit der Tinte neue Plattformen herbei, dreht böse Helferlinge um und rekrutiert sie für seine Zwecke. Oder Micky erzielt mit Verdünner den gegenteiligen Effekt und entledigt sich so aggressiver Kontrahenten, schwieriger Situationen und kniffliger Rätsel. Dieser Mix aus dem Erschaffen und Zerstören von Gegenständen macht einen Großteil des Spielspaßes aus.

Faszinierend an Micky Epic ist aber auch, auf welche Art und Weise unterschiedlichste Disneyfiguren und Welten miteinander zu einem großen Spieleuniversum und Themenpark verschmelzen. Von schwarz-weißen klassischen Cartoonwelten über Disneyland-Szenerien, einen Besuch bei Captain Hook bis zu einem Treffen mit einem durchgeknallten Hasen erlebt der Spieler sowohl bekannte als auch fast vergessene Figuren. Warren Spector hat die Möglichkeit, in den Disney-Archiven zu graben, extensiv genutzt – und überdeckt durch die mal sehr erwachsene und düstere, mal sehr liebevolle und charmante Gestaltung einige Schwächen. Bei den Plattformpassagen orientiert er sich an Titeln wie Mario oder Banjo & Kazooie, ohne deren Klasse zu erreichen.

Guter oder böser Nager

Disneys Micky Epic ist kein lineares Abenteuer, sondern gibt der Maus ständig Wahlmöglichkeiten: einfärben oder verdünnen, Figur retten oder Schatz abgreifen, nett vorgehen oder böse? Neue Welten und Plattformen erschaffen und Charaktere durch buntes Anmalen auf seine Seite ziehen – oder doch gleich mit Verdünner auf den Bösewicht losgehen und die Welt noch etwas trister machen? Komplett unterschiedliche Vorgehensmöglichkeiten wie teils in Fable sind zwar nicht möglich. Abweichende Entwicklungen sind aber an mehreren Stellen des Spiels möglich, ebenso verschiedene Schlusssequenzen – was den Wiederspielwert deutlich erhöht.

Optisch ist Micky Epic mal beeindruckend, mal enttäuschend. Wunderschöne und fantasievoll designte Welten wechseln sich mit eher blassen, detailarmen Plattformlevels ab. Auch sonst ist nicht alles beeindruckend: Einige Plattformsequenzen, aber auch Quests sind eher uninspiriert. Vor allem aber geben Bedienung und Kamera immer wieder Grund zur Klage. Insbesondere bei kniffligen Sprungpassagen oder Kämpfen gegen größere Kontrahentengruppen löst die ungünstige Sicht immer wieder Frust aus.

Das Programm ist exklusiv für Wii, kostet etwa 50 Euro und hat eine USK-Freigabe ab sechs Jahren erhalten. Die Spieldauer beträgt zwischen 13 und 20 Stunden – je nachdem, wie ausführlich der Spieler die Welten erforscht und wie viele Nebenquests er annimmt.

Fazit

Nicht unbedingt episch, aber trotzdem fesselnd: Mit Micky Epic gelingt es Warren Spector und seinem Team tatsächlich, der Maus neues Leben einzuhauchen. Technische Mankos, insbesondere die teils schlechte Kameraführung, und stellenweise etwas uninspirierte Jump-and-Run-Plattformen werden zumindest zum Teil durch viel Charme wettgemacht. Das kreative Verwenden von Farbe und Verdünner lässt Raum für Entscheidungen, die der Spieler in einem Plattformtitel in dieser Form normalerweise nicht treffen kann. Nebenbei dürfte die Verwendung vielfältiger Disney-Szenarien aus den letzten Jahrzehnten nicht nur bei Comic- und Cartoonfans viel Wiedersehensfreude auslösen. Trotzdem, mit besserer Steuerung und weniger Kameraärger wäre deutlich mehr drin gewesen.


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