Apple und iTunes
Ungeliebte Radio-Apps (Update)
Apple lässt keine neuen Radio-Apps mehr im iTunes Store zu, wenn sie nur auf den Empfang eines Radiosenders ausgelegt sind und wie Klone voneinander aussehen. Streaming-Apps der Radiosender werden dann mit Spam und Pupsgeräusch-Apps verglichen.
Apple hat ein Problem: Der iTunes-App-Store wird vor lauter Apps immer unübersichtlicher. Als Gegenmaßnahme wird kritischer geprüft, was aufgenommen wird, und das trifft nun auch Radiobetreiber, die ihre Streams, Nachrichtentexte, Fotos, Hörspiele und Konzertinformationen über Apples mobile Geräte bereitstellen wollen. Nun wurden in den USA die ersten Radio-Apps zurückgewiesen, sie dürfen nicht über den iTunes Store angeboten werden.
Getroffen hat es auch einen US-amerikanischer App-Entwickler, der darüber in einem Gastkommentar bei Radiomagonline.com berichtet. Alle von seiner Firma bei Apple eingereichten neuen Apps für einzelne Radiostationen wurden kürzlich mit der Begründung abgelehnt, dass sie Spam entsprächen und auf einer Stufe mit albernen Furzapplikationen stünden.
Künftig werde Apple nur noch Radioanwendungen zulassen, die hunderte von Stationen beinhalteten, sagte Jim Barcus, Chef von Digitaljukebox.com und DJBapps.com. Apple betrachte die Radio-Apps für einzelne Sender nicht als Bereicherung für die Nutzer, sondern als unnütz.
"Damit zwingen sie im Grunde nun alle Radiostationen in eine App, unabhängig vom Genre, Altersbeschränkungen und so weiter", klagt Barcus. Auf das Argument, dass Radiostationen einer Stadt nicht in dieselbe App gepackt werden wollten, habe Apple geantwortet: "Pech gehabt".
Warum werden Radiostationen dazu gezwungen, mit ihren Konkurrenten die App zu teilen, fragt sich Barcus nun. Immerhin untersage es Apple ja selbst, Konkurrenten zur iOS-Plattform in Metadaten zu erwähnen.
Radio-Apps waren Apple schon seit längerem ein Dorn im Auge. Auch in Deutschland wurden Entwickler wegen der nur auf einen Sender ausgelegten, technisch weitgehend identischen Radio-Apps bereits seit Monaten dazu gedrängt, mehrere Radiosender in den Radio-Apps zu bündeln. Das stieß jedoch nach Informationen von Golem.de selbst bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten auf wenig Gegenliebe. Immerhin unterscheiden sich Sender inhaltlich, versuchen über die Apps Hörer an sich zu binden und ihnen Zusatzdienste zu bieten.
Es ist nicht das erste Mal, dass Apple für seine als sehr restriktiv geltenden App-Store-Regeln kritisiert wird. In Apps von Zeitungs- und Magazinverlagen hatte Apples iTunes-Team Inhalte gefunden, die es für im weitesten Sinne anstößig hielt, und hatte damit Empörung ausgelöst und Zensurvorwürfe laut werden lassen. Es ist nicht auszuschließen, dass Apple in Zukunft auch die Zahl der Zeitungen und Magazine in App-Form zu beschränken versucht.
25. November 2010, 15:56 Uhr
Wie Golem.de aus iPhone-Entwicklerkreisen erfahren hat, geht es Apple vor allem um Entwickler, die für ihre Kunden hunderte von Radio-Apps einstellen, die sich nur durch den abgerufenen Audiostream unterscheiden und ansonsten identisch sind. In solchen Fällen könne Apple keinen Mehrwert für den Nutzer erkennen, während eigenständige, mit zusätzlichen Inhalten und Diensten angereicherte Player keine Probleme machen. Eine Rolle spielt seitens Apple auch der anfallende Aufwand für die Überprüfung jeder einzelnen App - viele weitgehend identische und auch noch kostenlose Apps stören und verursachen unnötige Kosten. Wenn also eine Radio-App kein Klon einer anderen ist, soll sie auch weiterhin problemlos in den iTunes Store aufgenommen werden. Zudem gelte die strengere Regelung nur für neue Radio-Apps, nicht für Updates älterer.
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