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Spieletest Gray Matter: Die Gabriel-Knight-Autorin lädt nach Oxford

Ein Landhaus zwischen Oxford und London, ein zurückgezogen lebender Forscher, eine magiebegabte junge Studentin: Die Zutaten des Adventures Gray Matter sind ebenso klassisch wie vielversprechend. Für die Story war Jane Jensen zuständig - bekannt durch die Gabriel-Knight-Reihe.
/ Thorsten Wiesner
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Im Mittelpunkt von Gray Matter steht - zumindest anfangs - die junge Amateurzauberin und Studentin Sam Everett. Als deren Motorrad in dunkler und regnerischer Nacht eine Panne hat, flüchtet sie sich zu einem schlossartigen Gebäude. Dort wird sie im Adventure Gray Matter versehentlich für die neue Assistentin des Forschers Dr. Styles gehalten und herzlich willkommen geheißen. Zunächst plant Sam, sich am nächsten Morgen unbemerkt aus dem Staub zu machen, dann kommt alles ganz anders - und schon bald sind sie und der alte Herr des Hauses damit beschäftigt, mysteriöse Vorfälle aufzuklären. Die Handlung stammt von der Amerikanerin Jane Jensen, die hinter der in den 90er Jahren veröffentlichten, damals einigermaßen erfolgreichen Serie Gabriel Knight steckte.

Gray Matter - Trailer
Gray Matter - Trailer (01:46)

Was sich spannend anhört, braucht leider einige Zeit, um in Fahrt zu kommen. Vor allem die ersten Spielstunden sind kaum dazu angetan, Adventurefans zu motivieren. Das beginnt beim hektischen und unplausiblen Vorspann und setzt sich bei den ersten Rätseln fort, die leider mehrere Mängel der Adventure-Frühzeit wiederbeleben. Ein Beispiel: Wer etwa verpasst, sich auch wirklich alle Gemälde und Fotos an Wänden und auf Schreibtischen anzuschauen, kommt im Spiel nicht voran - erst nach Betrachten des letzten Bildes, das inhaltlich zunächst gar keine Relevanz hat, geht es weiter. An anderer Stelle lassen sich Gegenstände zwar anklicken, aber nicht aufnehmen. Erst wenn der Spieler ein Gespräch darüber geführt hat, darf er den Gegenstand ins Inventar stecken.

Auch an anderer Stelle macht sich bemerkbar, dass Gray Matter bereits seit Jahren in der Entwicklung und deshalb nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik ist - etwa bei den alles andere als femininen Bewegungen von Sam oder einigen anderen abgehackt wirkenden Animationen. Die Mausbedienung, das Aufnehmen und Kombinieren von Gegenständen, das Anzeigen aller Hotspots via Leertaste oder das Führen von Multiple-Choice-Gesprächen sind genretypisch gelöst.

Späte Spannung

Sind die ersten frustrierenden Rätsel und ermüdenden Einstiegsstunden überstanden, lässt Gray Matter allerdings doch Klasse aufblitzen - in einigen Punkten kann der Titel durchaus überzeugen. Die Handlung nimmt nach zähem Beginn Fahrt auf und hat einige geglückte Wendungen und Überraschungen zu bieten, die späteren Schauplätze sind gekonnt in Szene gesetzt und stimmig, schaurig-schöne Gänsehautmomente wie zu besten Gabriel-Knight-Zeiten gibt es auch.

Auch schön: Der Spieler kann neben Sam auch immer wieder Dr. Styles steuern. Und Sam kann nicht nur wie jeder andere Adventureheld Gegenstände aufnehmen, ins Inventar packen und kombinieren, sondern auch ein paar Zaubertricks anwenden. Auch wenn das schnell zu einer standardisierten Aktion wird, sind das Nachschlagen des gewünschten Tricks und das anschließende Zaubern eine nette Ergänzung.

Gray Matter ist neben der hier getesteten Version für Windows-PC auch in einer Fassung für Xbox 360 erhältlich und kostet etwa 40 Euro. Die PC-Systemanforderungen sind niedrig: Das Programm setzt einen Rechner mit einem 1,4-GHz-Prozessor voraus, der unter Windows XP mit 512 MByte und unter Vista und 7 mit 1 GByte RAM ausgestattet sein muss. Die Grafikkarte muss über 128 MByte RAM verfügen und Shader Model 2.0 unterstützen. Auf der Festplatte belegt Gray Matter rund 6,5 GByte. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten.

Fazit

Zäher Beginn, antiquierte Spielmechanik, Logiklöcher: Gray Matter macht es dem Adventurespieler zu Beginn unnötig schwer. Erst nach einiger Zeit nimmt der Titel Fahrt auf und vermag dann zu fesseln. Wer sich also zunächst ein bisschen quält und kein neues Point-and-Click-Meisterwerk erwartet, bekommt als Belohnung eine zumindest inhaltlich überzeugende, schön-schaurige Geschichte geboten, die sich - nur - überzeugte Fans des Genres nicht entgehen lassen sollten.


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