Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Spieletest Two Worlds 2: Die Nebenquest als Hauptmission

Ein Rollenspiel für Rollenspieler - sprich: für Menschen, die komplizierte Fantasynamen mögen, leidenschaftlich gerne durch düstere Gemäuer stapfen und ein Faible für Frauen in leichten Kostümen und Männer in dicken Rüstungen haben. Zu alledem kommt noch eine Menge an spannenden Abenteuern, vor allem in den Nebenquests.
/ Peter Steinlechner
72 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

So ganz klar ist es nicht, was in der Fantasywelt Antaloor schiefläuft. Okay, dass ein Imperator Gandohar, der in einer Festung namens Oswaroth lebt, auf seiner Prioritätenliste weder Glück noch Zufriedenheit seiner Untertanen weit oben stehen hat, scheint klar. Aber warum kämpfen die einst ebenfalls gefürchteten Orks jetzt gegen den dunklen Fürsten? Und warum lebt der Feuergott Aziraal in der schönen jungen Kyra? Und warum ist die Dame gemeinsam mit ihrem Bruder gefangen? Im Rollenspiel Two Worlds 2 vom polnischen Entwicklerstudio Reality Pump übernimmt der Spieler die Rolle dieses Bruders, um Licht ins Dunkel zu bringen und seine Schwester zu befreien.

Two Worlds 2 - Trailer
Two Worlds 2 - Trailer (01:14)

Erst allerdings ist eine Flucht aus den Gemäuern von Oswaroth angesagt, bei der Spieler gleichzeitig die grundlegende Steuerung kennenlernen. So können sie sich gleich von hinten an Feinde schleichen und sie - ein Tastendruck genügt - mit einem Messerstich ausschalten. Der Spieler lernt einen der Kämpfe kennen, in denen er mit Schwert oder Stab einen Gegner niederknüppelt. Er sammelt erste Erfahrungen mit Pfeil und Bogen - und erfährt dabei auch, wie er mit einem Schuss mehrere Monster tötet. Zum Abschluss probiert er auch gleich das Magiesystem aus und rettet mit einem Feuer- und einem Eisschockzauber sein Leben.

Anschließend steht ein Treffen mit einer topmodeltauglichen Prophetin namens Cassara an, und allmählich wird eines klarer: Nur die Rettung von Schwester Kyra kann Schlimmstes für die Welt Antaloor verhindern. Two Worlds 2 spielt rund fünf Jahre nach dem 2007 veröffentlichten ersten Teil . Es gibt etwas weniger Handlungsfreiheit, dafür steht die Story stärker im Mittelpunkt. Das eigentliche Glanzlicht sind aber die angeblich rund 200 Nebenmissionen - die bieten nicht nur Masse, sondern mit vielen überraschenden und spannenden Momenten vor allem Klasse.

Viele der freiwilligen Aufgaben fangen harmlos an, entwickeln sich dann aber zu wendungsreichen und gelegentlich skurrilen Miniabenteuern, in deren Verlauf der Spieler Ortschaften retten, eine Karriere als Forscher absolvieren, einen entlaufenen Hund suchen, einem Totengräber bei seiner Arbeit helfen und sogar eine Vorlesung an einer Uni halten kann. Dabei erkundet er eine riesige Welt mit Steppen, Dschungeln und Sümpfen, kleinen Siedlungen und großen Städten. Dazu kommen Minispiele, in denen er pokern, würfeln und weiteren vergleichbaren Tätigkeiten nachgehen kann.

Freiheit für Fantasyfans

Auch sonst bietet Two Worlds 2 viel Handlungsfreiheit. Zwar lässt sich ausgerechnet das Aussehen des Hauptcharakters nur in Grenzen frei festlegen, und Klassen gibt es anfangs gar nicht. Dafür lässt sich im Spielverlauf mit dem Handwerkssystem und anderen Systemen jede Menge anstellen: Waffen verbessern oder Zauber zusammenschalten - kein Problem. Später kann der Spieler bestimmen, ob er einen Kämpfer, Bogenschützen, Magier oder Assassinen haben möchte, oder eine Mischform. Unter dem Strich ist das alles sehr zeitaufwendig: Wer den Abspann sehen möchte, muss unter dem Strich mindestens 40 Stunden investieren, von denen ein nicht unbeträchtlicher Teil in gut gemachten Menüs verbracht wird.

Die Atmosphäre erinnert in Teilen an eine düstere Ausgabe von Gothic . Die Dialoge sind betont derb, gelegentlich gibt es eindeutig zweideutige Witzchen sowie vielfältigste Schimpfworte und Kraftausdrücke. Nicht ganz so gut sind die Animationen: Wenn es keine echte Zwischensequenz ist, rudert der Held auch bei hochemotionalen Multiple-Choice-Dialogen oft nur hilflos mit den Armen. Auch sonst hat die Grafik sowohl Licht- als auch Schattenseiten: Stellenweise sieht die Welt atemberaubend aus, aber es gibt ebenso Stellen mit richtig langweiligen Texturen, und die Spezialeffekte - etwa Weichzeichner - wirken oft künstlich. Ein echtes Problem ist allerdings die teils schlecht ausbalancierte Stärke der Gegner. Mitten in einer Quest kann es vorkommen, dass viel zu starke Monster auftauchen; angeblich soll ein Patch das Problem noch vor Ende 2010 beheben.

Two Worlds 2 - Trailer 2
Two Worlds 2 - Trailer 2 (01:32)

Two Worlds 2 ist für Xbox 360 und Playstation 3 zum Preis von rund 60 Euro und für Windows-PC zum Preis von rund 40 Euro erhältlich; von allen Fassungen gibt es je eine teurere Royal- und eine noch teurere Premiumausgabe mit Zusatzinhalten. Auf PC setzt das Programm eine CPU mit 2,0 GHz voraus. Unter Windows XP muss 1 GByte RAM vorhanden sein, unter Vista und 7 sind 2 GByte nötig. Die Grafikkarte muss mindestens 512 MByte Speicher haben und Shader Model 3.0 unterstützen. Auf der Festplatte belegt Antaloor rund 8 GByte. Zum Schutz vor Schwarzkopien ist eine einmalige Registrierung per Internet oder Telefon nötig; anschließend läuft Two Worlds 2 auch ohne DVD im Laufwerk. Im Onlinemodus können mehrere Spieler gemeinsam durch spezielle Teile der Welt ziehen - nett, aber letztlich ist Two Worlds 2 ein Singleplayergame.

Das Programm ist erstklassig vertont: Die Hauptfigur spricht beispielsweise derselbe Schauspieler, der sonst Adam Sandler seine Stimme leiht - was besser passt, als man vielleicht erwartet. Dazu kommt, dass die Mehrheit der Sprecher offenbar weiß, in welchem Kontext die jeweilige Szene steht, und entsprechend stimmig betont, was bei vielen Großproduktionen nicht der Fall ist. Schnitte gegenüber anderen Versionen hat die in Deutschland angebotene Fassung nicht. Die USK hat eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Two Worlds 2 ist genau das Gegenteil von einem Rollenspiel light: Wer mal wieder eine echte Herausforderung sucht, kann sich hier Dutzende von Stunden mit viel Spaß beschäftigen. Schon die Haupthandlung ist einigermaßen spannend. Noch interessanter ist es allerdings, den Nebenmissionen nachzugehen und hinter die Geheimnisse von Gilden zu steigen, seine Waffen und Ausrüstungsgegenstände auseinanderzunehmen und mächtige neue Objekte zu schaffen und und und... Die Möglichkeiten sind tatsächlich vielfältig, aber vor allem: Es macht Spaß, in die Welt abzutauchen. Spieler sollten allerdings über Erfahrungen mit derartigen Titeln verfügen - Einsteiger könnte Two Worlds 2 überfordern.


Relevante Themen