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Inspiron Duo: Dells Tablet mit Klappdisplay ab Dezember für 549 Euro

Die Kreuzung zwischen Netbook und Tablet von Dell kommt noch im Jahr 2010 auf den deutschen Markt. Das Inspiron Duo soll sowohl gut ausgestattetes Windows-Netbook mit Tastatur und Dual-Core-Atom sein als auch ein Tablet mit eigener Oberfläche und Multitouch-Display.
/ Nico Ernst
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Als "wirklich aufregendes Gerät" hatte Intel das Inspiron Duo bei einer überraschenden Vorführung auf dem IDF bezeichnet. Fast wie bei Apple-Veranstaltungen gab es Szenenapplaus, als ein Dell-Mitarbeiter das Display zum ersten Mal umklappte. In diesem Mechanismus liegt die Besonderheit des Duos: Es lässt sich, ähnlich wie ein Convertible, sowohl als Tablet als auch als Netbook mit Tastatur nutzen.

Wie Dell gegenüber Golem.de erklärte, soll die Mechanik, bei der das Display um 180 Grad gedreht wird, rund eine Million Betätigungen überleben. Rund um diese Doppelnutzung hat Dell schon zum Marktstart eine Umgebung aus Hard- und Software geschaffen, die das Duo nicht nur zum mobilen Begleiter, sondern auch für eine Nutzung zu Hause interessant machen sollen.

Dell Inspiron Duo vorgestellt auf dem IDF 2010
Dell Inspiron Duo vorgestellt auf dem IDF 2010 (02:25)

Im Netbook-Modus arbeitet das Gerät wie ein üppig ausgestattetes Gerät dieser Kategorie. Es dürfte auf Eingaben recht fix reagieren, steckt doch Intels Atom N550 mit zwei Kernen – vier per Hyperthreading – und 1,5 GHz im Gerät. Dazu kommen noch 2 GByte Speicher, was Microsofts Vorgaben für die besonders günstigen Starterlizenzen schon sprengt. Dell installiert daher auch gleich Windows 7 Home Premium.

Als kapazitives Multitouch-Display ist der Bildschirm glänzend ausgeführt, damit die Finger besser gleiten. Er zeigt 1366 x 768 Pixel, was auf der 10-Zoll-Diagonalen schon für recht feine Schriften sorgt – das ist nicht jedermanns Sache. Damit die hohe Auflösung auch für HD-Videos genutzt werden kann, hat Dell einen Broadcom-Beschleuniger für Videodecodierung verbaut, wie Intel das auch für seine Atom-Plattformen empfiehlt. Die Grafik stellt jedoch die Einheit im Atom-Prozessor, über eine dedizierte GPU verfügt das Inspiron Duo nicht.

Auch auf einen HDMI-Port hat Dell verzichtet – sowie auch auf alle anderen Monitorausgänge. Der Hersteller erklärt das mit der Tatsache, dass das Gerät laut Marktforschungsbefragungen ohnehin kaum als HD-Zuspieler genutzt werden würde. Zudem spart der Verzicht auf Ports Platz, Kosten und Gewicht. Mit nur zwei USB-2.0-Ports und Kopfhörerausgang ist die Schnittstellenausstattung auch sonst nicht auf dem Standard von anderen Netbooks.

So fehlt vor allem ein Cardreader. Das Duo unterwegs zum Betrachten oder Verschicken von Fotos zu verwenden, ist so ohne weiteres Zubehör wie ein Kabel zur Digitalkamera oder einen USB-Cardreader nicht möglich. Den Kartenleser gibt es aber an einer Dockingstation, die Dell aber "Sound System" nennt.

Eigene Touch-Oberfläche 'Stage'

Steckt das Gerät im Dock, so startet es einen speziellen Modus der Touch-Oberfläche, die "Stage" heißt. Damit dient das Duo dann als Videoplayer oder digitaler Bilderrahmen – vor allem aber als Streaming-Client. Die Stereolautsprecher von JBL im Dock sollen für guten Klang sorgen. Eine Wecker-App kann auch mit Musikstücken wecken, so dass das Duo auch seinen Platz im Schlafzimmer finden könnte. Dafür muss es dann besonders leise sein, denn lüfterlos ist das Gerät nicht. Ob sich das Duo in den Standbymodus bei aktiviertem Wecker setzt, konnte Dell noch nicht beantworten. Das Display wird jedenfalls über einen Umgebungslichtsensor gedimmt, so dass das Gerät auf dem Nachttisch nicht stören soll.

Das Dock besitzt auch einen Fast-Ethernet-Port. Ihn begründet Dell mit der Wiedergabe von HD-Videos von einem NAS oder einem anderen PC mit Medienfreigaben. Weitere USB-Ports, damit das Gerät auch als Desktopersatz dienen kann, besitzt der Duo-Halter jedoch nicht, hier kann ein zusätzlicher USB-Hub weiterhelfen – dann sind, dem Dock-Gedanken widersprechend, aber doch noch Kabel einzeln abzustecken, zudem fehlt immer noch ein Monitorausgang.

Schlecht an einen Touchscreen angepasste Software hat sich schon bei vielen Tablets als Sollbruchstelle erwiesen. Dells "Stage" soll hier die Schwächen von Windows 7 verdecken. Es ist nicht nur ein Launcher für Windows-Anwendungen – der Browser stellt hier eine Ausnahme dar -, sondern eine Oberfläche für von Dell erstellte Anwendungen, mit der sich vor allem Medien verwalten lassen.

Dazu zählen unter anderem das Blättern durch Musik über Albencover und eine übersichtliche Fotoansicht. Einen auf den US-Modellen installierten E-Book-Reader, der unter anderem ePub beherrscht, installiert Dell in Deutschland aber vorerst nicht, er soll nachgereicht werden. Übliche Multitouch-Gesten wie das Zoomen über ein Spreizen der Finger sollen alle Stage-Anwendungen beherrschen. Den Browser, der über die Oberfläche gestartet wird, kann der Anwender festlegen. Für gute Touch-Unterstützung ist er dabei auf Plugins angewiesen, wie es sie unter anderem für Firefox(öffnet im neuen Fenster) gibt. Erst Firefox 4 soll aber native Touch-Funktionen mitbringen. Dell traut Stage so viel zu, dass die Oberfläche demnächst auch für das 7-Zoll-Tablet Streak erscheinen soll.

Mit 1,38 Kilogramm ist das Inspiron Duo so schwer wie zwei iPads – und auch unter den Netbooks kein Leichtgewicht. Damit das Gewicht nicht noch höher ausfällt, hat sich Dell für einen vergleichsweise kleinen Akku aus vier Zellen mit 29 Wattstunden Kapazität entschieden. Damit soll das Gerät sowohl im Tablet- als auch im Netbook-Modus rund vier Stunden durchhalten. Manche Tablets und Netbooks schaffen hier das Doppelte.

Im Dezember 2010 kann man sich davon überzeugen, ob das Duo nicht nur die Nachteile von Tablet und Netbook kombiniert, sondern auch die Vorteile der beiden Konzepte. Das Unternehmen nimmt ab sofort Vorbestellungen entgegen und will das Gerät innerhalb der nächsten vier Wochen ausliefern. Mit dem Atom N550, 2 GByte DDR3-Speicher und einer 250-GByte-Festplatte und WLAN kostet es 549 Euro, andere Konfigurationen sind bisher nicht geplant. Zu diesem Preis gibt es das Inspiron Duo in Schwarz, auch Blau und Rot sind vorgesehen – dafür ist jedoch ein noch nicht bekannter Aufpreis fällig. Das Dock wird separat angeboten und soll unter 100 Euro kosten, den genauen Preis hat Dell noch nicht festgelegt.


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