Spieletests 007 James Bond: Blood Stone vs. Golden Eye

Das finanziell schwer angeschlagene Filmstudio MGM kämpft schon seit Monaten ums Überleben. Ein Opfer: James Bond . Die Planungen für den nächsten Streifen – wieder mit Daniel Craig als 007 – waren angeblich schon weit fortgeschritten. Jetzt sind sie eingefroren: Wer dennoch etwas von dem Geheimagenten haben möchte, muss zu einem der beiden neuen Spiele von Activision greifen.
007 James Bond: Blood Stone
Von der ersten Minute an wirkt 007 James Bond: Blood Stone wie das Spiel zum neuen Bond-Film – nur dass es den Film nicht gibt. Eigene Story, berühmte Gesichter wie Daniel Craig und Judi Dench, ein von Joss Stone gesungener Titelsong, zahlreiche Zwischensequenzen – es scheint zunächst, als hätten die Entwickler tatsächlich viel Aufwand betrieben. Auch der rasante Einstieg ins Spiel glückt: Bond muss in Athen einen Anschlag auf die G20-Regierungschefs vereiteln. Schon in den ersten Spielminuten darf er sich mit mehreren Waffen ins Gefecht stürzen, ein Boot steuern und auf dem Fahrersitz des Aston Martin Platz nehmen.

Die Begeisterung hält nicht lange vor – zu uninspiriert wirkt das Actiongeschehen in den folgenden Missionen. Die wenig einfallsreiche Story rund um gefährliche Biowaffen ist dabei gar nicht das größte Problem. Auch die Schauplätze von Istanbul bis Bangkok sind gut gewählt. Ermüdend ist die immer gleiche und komplett lineare Spielmechanik: Deckung suchen, schießen, in die nächste Deckung hechten, wieder schießen, zwischendurch ein bisschen Nahkampf – immer bis zur nächsten vorhersehbaren Skriptsequenz.



















Hinzu kommen eine praktisch nicht vorhandene Gegner-KI und der seltene, dann aber aufgesetzt wirkende Einsatz von Gadgets – wie dem Smartphone, das per Knopfdruck "Beweisstücke" in der Nähe ausfindig macht, oder dem Fokusangriff, durch den sich drei Angreifer mit einem Schuss ausschalten lassen. Spannung kommt so nicht auf. Und bevor die Geschichte Fahrt aufnimmt, ist sie auch schon wieder vorbei – im Schnitt benötigt 007 nicht mehr als fünf Stunden bis zur Endsequenz. Der magere Multiplayermodus kann die Spielzeit kaum strecken. Auch auf technischer Seite gibt es kaum Interessantes zu vermelden – Grafik und Soundkulisse passen sich dem Mittelmaß des Spiels an.
James Bond: Blood Stone 007 ist für Xbox 360, Playstation 3 und Windows-PC im Handel erhältlich, hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren und kostet etwa 60 Euro (Konsolen) beziehungsweise 50 Euro (PC).
Fazit
Trotz guten und rasanten Einstiegs kann Blood Stone auch leidenschaftliche 007-Fans kaum langfristig beeindrucken. Das Geballer ist zu austauschbar, der Genremix zu unausgewogen, das Spielgeschehen zu linear. Der Titel ist in jeder Hinsicht pures Mittelmaß – zu wenig, um dem großen Agenten gerecht zu werden.
007 James Bond Golden Eye
Der Name Golden Eye sorgt bei Videospielveteranen für leuchtende Augen – der gleichnamige Shooter für das Nintendo64 ist heute zu Recht ein Klassiker der Videospielgeschichte. Wer eine Neuauflage des Originals erwartet, wird allerdings enttäuscht. Einzig das Grundkonstrukt und der eine oder andere Level erinnern an das Original, ansonsten wurde von den Szenarien bis zu den Akteuren – etwa Daniel Craig statt Pierce Brosnan – fast alles neu gestaltet.

Wie das alte Golden Eye ist auch die neue Version exklusiv für eine Nintendo-Konsole entwickelt; und das macht sich vor allem bei der Steuerung angenehm bemerkbar. Egal ob mit Wiimote, Classic Controller oder Zapper: Die Bedienung klappt hervorragend – für einen Konsolenshooter keine Selbstverständlichkeit, zumal es auf der Wii kaum ernsthafte Konkurrenz in diesem Genre gibt. Das Gameplay ist allerdings klassisch angelegt. Es gibt immer neue Schießereien, Schleichen durch Schächte, lautloses Infiltrieren oder auch mal eine Fahrt auf dem Motorrad – alles schon mal da gewesen, aber insgesamt charmant und stimmig in Szene gesetzt.



















Die virtuellen Gegner gehen oft intelligent vor, zahlreiche Skriptsequenzen und Effekte sorgen immer wieder für Überraschungen im insgesamt sehr einfach gehaltenen Spielablauf. Die Technik ist für Wii-Verhältnisse solide. Zwar trüben ein paar Ruckler bei heftigen Schießereien das Bild, insgesamt gehört Golden Eye aber zu den sehenswerteren Titeln für Nintendos aktuelle Konsole. Wie im N64-Original haben die Entwickler auch diesmal Wert auf einen umfangreichen Mehrspielermodus gelegt: Zu viert im Splitscreen oder online können Spieler mit diversen Modi wie Deathmatch oder dem berühmten Golden-Fun-Wettkampf und zahlreichen Karten sowie spielbaren Charakteren wie Dr. No immer wieder spannende Gefechte erleben.
007 James Bond: Golden Eye ist für Wii und – inhaltlich stark angepasst – Nintendo DS erhältlich, kostet etwa 45 Euro und hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren.
Fazit
Klassiker schlägt Newcomer: Im Vergleich zum einfallslosen Blood Stone überzeugt Golden Eye mit klassischer Geschichte, bekanntem und einfach gehaltenem, aber unterhaltsamem Spielprinzip sowie einem hervorragenden Multiplayermodus. Statt den N64-Klassiker nachzubauen, hat Activision ein fast komplett neues Spiel mit altbewährten, aber im Gegensatz zu Blood Stone nicht aufgesetzt wirkenden Elementen entwickelt, in dem der Spieler gerne noch einmal die klassische Bond-Story nacherlebt.



