Spieletest Assassin's Creed Brotherhood: Templerjagd am Tiber

Was hat Rom nicht schon alles erlebt! Caesar hat in der "ewigen Stadt" geherrscht, Nero sein Feuer gelegt, der Apostel Paulus liegt dort angeblich begraben. Und jetzt erobert der ebenso listige wie virtuelle Meuchelmörder Ezio Auditore in Assassin's Creed Brotherhood zur Zeit der Renaissance die Metropole am Tiber, um sie von seinen Todfeinden, den Templern, zu befreien. Brotherhood ist der direkte Nachfolger von Assassin's Creed 2, in dem Spieler mit einem etwas jüngeren Ezio vor allem in Florenz und Venedig unterwegs waren.

Die Handlung beginnt direkt nach dem Finale von Teil 2 im Vatikan, dann aber landet Ezio rasch in der idyllischen Siedlung Monteriggioni und im Bett mit einer italienischen Schönheit – um morgens von Kanonendonner geweckt zu werden. Angreifer sind die Templer, angeführt vom spanischstämmigen Clan der Borgia. Nach einigem Hin und Her landet der Spieler schließlich mit Ezio in Rom, wo der eigentliche Kampf beginnt. Wer sich mit der Reihe noch nicht auskennt, sollte außerdem wissen, dass die eigentliche Hauptfigur ein in der Gegenwart lebender Barkeeper namens Desmond Miles ist, der mit Hilfe einer Hightechmaschine in die Erinnerungen seiner Vorfahren reisen kann – in diesem Fall in die von Ezio. Ein Teil der Handlung von Brotherhood spielt auf dieser Ebene, etwa wenn Desmond mit seiner bildhübschen Gehilfin Lucy ins verfallene Monteriggioni eindringt.



















An der grundsätzlichen Spielmechanik hat sich nichts geändert: Ezio klettert an Häuserwänden empor, sprintet über Dächer und absolviert Missionen, in denen es früher oder später darum geht, eine Zielperson auszuschalten – mal im offenen Kampf mit dem Schwert, mal in einem Überraschungsangriff mit der versteckten Klinge. Außerdem gibt es freiwillige Zusatzaufgaben sowie Sammelobjekte, die unter anderem Erfolge freischalten. Wer nur die Hauptmissionen der Kampagne absolviert, benötigt dafür zwischen 15 und 20 Stunden.
Für frischen Wind in der alten Stadt sorgen eher kleinere Änderungen. So kann Ezio nach und nach Wachtürme der Borgia in Brand setzen und Rom so – ein Stück weit – befreien. Der Spieler hat dann die Möglichkeit, Gebäude zu kaufen und sie renovieren zu lassen, bis sie in neuer Pracht erstrahlen. Das funktioniert nicht nur mit der Patriziervilla von nebenan, sondern auch mit einem Bauwerk wie dem Kolosseum. Neu ist auch, dass die Missionen nur dann als hundertprozentig erledigt gelten, wenn der Spieler jeweils unterschiedliche Vorgaben erfüllt, beispielsweise keine Verletzung erleidet oder einen Wachmann auf bestimmte Art liquidiert. Wenn das nicht gelungen ist, darf der Spieler den Einsatz wiederholen. Nettes System, das aber zur Folge hat, dass auch erfolgreiche Assassinen öfter mal das Wort "gescheitert" auf dem Bildschirm sehen. Wer mag, kann sich außerdem in bestimmten Zeitabständen Miet-Meuchelmörder als Helfer bestellen, die im Auftrag des Spielers selbstständig Zielpersonen ausschalten.
Die Stadt als Hauptdarsteller
Neben Ezio steht Rom selbst im Mittelpunkt von Brotherhood. Ezio ist ab dem Jahr 1500 unterwegs – eine Zeit, in der die Metropole vergleichsweise klein war. Trotzdem ist sie im Spiel deutlich größer als Florenz und Venedig im Vorgänger. Und abwechslungsreicher: Es gibt neben den gewohnten Stadtvierteln viel mehr offene Flächen, antike Ruinen, unterirdische Katakomben und Anhöhen. Neben dem Kolosseum gibt es zahlreiche weitere bekannte Bauwerke im Spiel, etwa das Pantheon, die Engelsburg sowie Teile der Vatikanstadt. Außerdem auch die Sixtinische Kapelle, allerdings ohne die legendären Deckenmalereien von Michelangelo – der hat schließlich mit seiner Arbeit erst 1508 angefangen. Im Spiel begegnet Ezio übrigens unter anderem dem Philosophen Niccolò Machiavelli und dem Astronomen Nicolaus Copernicus.

Brotherhood enthält als Serienpremiere einen Multiplayermodus; der war mit der vorliegenden Testversion allerdings nicht sinnvoll spielbar. Es gibt sechs verschiedene Spielmodi, zwölf Karten und 17 unterschiedliche Charaktere, etwa Henker, Dieb, Kurtisane oder Harlekin. Spieler kämpfen nicht gegen alle der bis zu sieben anderen Teilnehmer, sondern müssen gezielt eine vorgegebene andere Person ausschalten – gleichzeitig sind sie Zielobjekte eines anderen menschlichen Meuchelmörders. Impressionen aus einer Livepartie vermittelt diese News .
Assassin's Creed Brotherhood ist ab dem 18. November 2010 für Xbox 360 und Playstation 3 für jeweils rund 60 Euro erhältlich; Ubisoft bietet außerdem zwei Sondereditionen mit Extrainhalten an. Das Spiel enthält keine Schnitte, die USK hat es ab 16 Jahren freigegeben. Eine Fassung für Windows-PC soll Ende März 2011 erscheinen.
Fazit
Brotherhood ist deutlich mehr als eine Erweiterung von Assassin's Creed 2. Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn Ubisoft noch für etwas mehr frische Atmosphäre gesorgt hätte. Die Hauptbeschäftigung – klettern und kämpfen – fühlt sich trotz neuer Stadt nämlich noch genauso an wie in Florenz oder Venedig. Wer damit leben kann, bekommt allerdings ein packendes Renaissanceabenteuer voller Überraschungen. Die Handlung ist hervorragend erzählt, sie kann mit dem direkten Vorgänger locker mithalten. Auch Rom selbst ist eine Reise wert: Die vielen Bezüge zur Geschichte und zur Stadt, die mal sehr spürbar und mal eher liebevoll am Rande auftauchen, machen Brotherhood stellenweise auch zum interaktiven Reiseführer.



