Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Zwischen Atom und Pentium: Ausführliche Benchmarks von AMDs Zacate mit Bobcat-Kern

AMD hat einige US-Medien Messungen an einem Prototyp der Notebook-APU Zacate samt der Plattform Brazos durchführen lassen. Die Benchmarks zeigen eine CPU-Performance, die zwischen Atom und Pentium liegt, aber eine deutlich höhere Grafikleistung als Intels HD Graphics.
/ Nico Ernst
44 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Zacate ist winzig
Zacate ist winzig

Auf Einladung des Chipherstellers haben einige Hardwaresites, darunter Anandtech(öffnet im neuen Fenster) und PC Perspective(öffnet im neuen Fenster) , in AMDs Niederlassung in Austin vor zwei Wochen einige Tests durchgeführt. Wie die Medien berichten, hatten sie dabei bis auf die Vorinstallation von Windows 7 und Treibern freie Hand bei der Auswahl der Tests, die sie auch selbst installieren konnten.

AMD interviewt Anand Lal Shimpi beim Brazos-Test
AMD interviewt Anand Lal Shimpi beim Brazos-Test (01:52)

Bei dem vermessenen Gerät handelte es sich aber noch um eine Testplattform, ähnlich der, die AMD am Rande des IDF gezeigt hatte. Mit einem fertigen Notebook, für das Zacate gedacht ist, haben solche Konstruktionen nichts zu tun – daher bewerteten die Tester auch die Leistungsaufnahme nicht. In diesem Punkt soll sich die APU Zacate mit 18 Watt TDP für zwei CPU-Kerne, Speichercontroller und Grafik auszeichnen.

E-350 mit 1,6 GHz und Dual-Core

Die Rechenleistung von Prozessor und Grafik entspricht bei solchen Testplattformen in der Regel aber dem, was auch in Endgeräten landet. AMD hatte dafür – natürlich – den schnellsten Vertreter der früher unter dem Codenamen Zacate bekannten APU ausgewählt. Sie soll als E-350 auf den Markt kommen, ist mit zwei CPU-Kernen bei 1,6 GHz versehen und besitzt 80 Rechenwerke für die GPU. AMD hatte die Modellnummern vor kurzem bekanntgegeben.

Anandtech fand bei seinen Messungen heraus, dass sich die CPU-Leistung des E-350 teils deutlich schneller als ein Dual-Core-Atom D510 präsentiert, aber viel langsamer als die Pentiums mit zwei Kernen. Vor allem in Single-Threaded-Anwendungen ist die AMD-APU schneller als der Atom, was der Tester auf die Out-of-Order-Architektur Bobcat zurückführt. Dabei ist gegenüber dem Atom dann auch ein Vorsprung von bis zu 60 Prozent drin.

Bobcat-Architektur schneller bei Single-Threads

In anderen Tests, die viele Threads starten, kann der Atom aber auch gewinnen, was an dessen Hyperthreading liegen soll. In Standardtests wie bei Cinebench R10 mit Multithreading kommt der E-350 auf 2.250 Punkte, der Atom noch auf 2.024 Punkte. Die Reaktionsgeschwindigkeit des E-350-Systems bezeichnet Anand Lal Shimpi aber generell als höher als von Atom-Rechnern gewöhnt, das soll wiederum an der höheren Single-Thread-Leistung liegen.

Durchweg gut schlägt sich die Radeon 6130 getaufte Grafikeinheit des E-350, die beispielsweise in Call of Duty – Modern Warfare 2 selbst die Desktopeinheiten in Intels Core i3 530 abhängt. 27,9 fps gegenüber 17,5 fps sprechen eine deutliche Sprache. Allerdings waren dabei nur mittlere Details eingeschaltet und die Auflösung mit 1.024 x 768 auf Netbook-Niveau. Selbst Intels schnellste Desktopgrafik, der Core i5 661, kam aber nur auf 21,4 fps. Ein ähnliches Bild ergab sich auch beim Vergleich von Notebook-Grafiklösungen, die APU ist durchweg schneller. Schon die diskrete Einstiegs-GPU Geforce 320M ist aber im selben Test mit 41,4 fps wiederum viel leistungsfähiger als der E-350.

Für Netbooks und Ultraportables

Insgesamt kommt Shimpi zu einem durchwachsenen Fazit. Der E-350 – immerhin der am höchsten getaktete Zacate – ist zwar den Atoms klar überlegen, und auch Intels Grafiklösungen kann er schlagen. Die Rechenleistung selbst der kleinsten Prozessoren der Serien Pentium und Core i liegt aber in weiter Ferne. Letztlich, so der Tester, kommt es auf den Preis von Netbooks und flachen Notebooks sowie deren Laufzeit an – in diesen Kategorien sieht Shimpi die Zacate-APUs am ehesten. Die Frage ist nun, ob sich AMD das auch so vorgestellt hat und ob die PC-Hersteller entsprechende Geräte im Bereich um 500 US-Dollar auch bauen werden.


Relevante Themen