Internet Eyes

Britischer Onlineüberwachungsdienst ist im Betabetrieb

Seit Anfang Oktober können Teilnehmer an dem britischen Angebot Internet Eyes die Bilder von Überwachungskameras in einigen britischen Geschäften am heimischen Rechner verfolgen und Alarm geben, wenn sie einen Diebstahl sehen. Ein Nutzerin erhielt eine Prämie für die meisten Hinweise auf verdächtige Aktivitäten.

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Internet Eyes: Britischer Onlineüberwachungsdienst ist im Betabetrieb

Geld über das Internet zu verdienen bietet das britische Unternehmen Internet Eyes: Das Unternehmen sucht Nutzer, die die Bilderströme von Überwachungskameras (CCTV) in britischen Geschäften im Auge behalten und verdächtiges Verhalten melden. Vor gut einem Jahr hat das Unternehmen den Dienst angekündigt. Seit dem 4. Oktober 2010 sind die selbst ernannten Cyberdetektive aktiv und haben auch schon Geld verdient, berichtet das Wall Street Journal.

Nutzer beobachten Geschäfte

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Die Idee von Internet Eyes ist: Der Nutzer sitzt am heimischen Rechner und beobachtet die Videobilder einer Überwachungskamera an seinem Computer. Bemerkt er etwas Verdächtiges, klickt er auf eine Schaltfläche. Damit erstellt er ein Foto der Situation und alarmiert den Betreiber des Geschäfts. Nachdem dieser die Situation vor Ort geklärt hat, gibt er dem Nutzer Punkte - je nachdem, ob er falschen Alarm ausgelöst, auf verdächtiges Verhalten hingewiesen oder tatsächlich einen Ladendiebstahl gemeldet hat.

Teilnehmen kann jeder, der in einem Land der Europäischen Union wohnt. Dafür zahlt er ein Entgelt von knapp 2 Pfund, umgerechnet etwa 2,35 Euro, im Monat oder knapp 13 Pfund, etwa 15,30 Euro, im Jahr. Internet Eyes erhebe dieses Entgelt, um sicherzustellen, dass sich nur Nutzer anmelden, die es auch ernst meinen, sagte Gründer und Chef Tony Morgan der Zeitung.

Prämie fürs Spionieren

Durch fleißiges Schauen können die Nutzer ihren Mitgliedsbeitrag wieder einspielen: Für 60 Stunden vor dem Bildschirm, so sieht es das Konzept vor, erhält er 1,5 Pfund, knapp 1,8 Euro. Dem Nutzer mit den meisten Punkten winkt am Ende des Monats eine Prämie von 1.000 britischen Pfund, knapp 1.180 Euro. Das Geld bringen die Geschäftsinhaber auf: Dafür, dass Nutzer ihre Kameras im Auge behalten, sollen sie 75 Pfund, knapp 90 Euro, im Monat bezahlen.

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Das erste Preisgeld hat Internet Eyes bereits ausgeschüttet: Eine Nutzerin erhielt die 1.000 Pfund für 42 Meldungen. Sie habe ihm jedoch vorgeschlagen, das Preisgeld auf 600 Pfund, etwas über 700 Euro, zu senken und den Rest an die Nächstplatzierten auszuschütten, sagte Morgan. Die Prämierung soll deshalb noch überarbeitet werden. In diesem Monat will Morgan neben der 1.000-Pfund-Prämie mindestens 50 weitere Nutzer mit je 10 Pfund, knapp 12 Euro, entlohnen.

Diebstahl nach zwei Stunden verhindert

Im Oktober haben laut Morgan 1.627 Nutzer 24 Geschäfte überwacht und dabei 477 Meldungen abgesetzt. Zwei Stunden nach dem Start konnte ein Geschäftsbetreiber auf Grund eines Alarms einen Ladendiebstahl verhindern. Zu Festnahmen ist es laut Morgan im ersten Monat noch nicht gekommen. Drei Nutzer wurden gesperrt: Sie hatten zu oft falschen Alarm gegeben. Wer das System auf diese Weise - sei es absichtlich oder nicht - stört, dessen Nutzerkonto sperrt Internet Eyes.

Vor gut einem Jahr hatte Internet Eyes den Start seines Angebotes angekündigt. Der Dienst ist derzeit noch im Betastadium. Das bedeutet unter anderem, dass die Geschäftsinhaber noch nichts dafür zahlen, dass sie Internet Eyes in Anspruch nehmen. Der reguläre Start ist für Januar 2011 vorgesehen.

Profit vor Privatsphäre

Internet Eyes hatte sofort Proteste von Gegnern der in Großbritannien sehr weit verbreiteten Überwachungskameras hervorgerufen. Anfang 2010 beschäftigte sich daraufhin die Datenschutzbehörde Information Commissioner's Office mit dem Angebot. Allerdings hatte der oberste Datenschützer nichts auszusetzen und ließ den Dienst zu. Zu dessen Start Anfang Oktober kritisierte die Aktivistengruppe No CCTV deshalb, das ICO setze "den Profit über die Privatsphäre, indem es einem Privatunternehmen erlaubt, sein Spionagespiel für Bürger nach Stasi-Art zu starten, und nicht die Rechte der britischen Bürger schützt."

Das Angebot stelle, so No CCTV weiter, eine "Privatisierung der Überwachungsgesellschaft" dar: Ein privat geführtes Unternehmen heuere Privatleute dafür an, um über privat angebrachte Überwachungskameras über das Internet andere Privatleuten zu bespitzeln. No CCTV hat Bürger, die davon betroffen sind, aufgerufen, sich bei der Organisation zu melden, um eventuell rechtliche Schritte einzuleiten.

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