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Homefront angespielt: Angriff auf Amerika

Militärzentralen oder Raketensilos hat jeder Actionspieler schon dutzendfach gegen Feinde verteidigt – aber wie viele schwangere Frauen? Mit derlei emotionalen Kunstgriffen möchte Homefront das Publikum in seinen Bann ziehen. Im Videointerview spricht einer der Entwickler über die Entstehung des Ego-Shooters.
/ Peter Steinlechner
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Wer erinnert sich noch an den Anfang von Half-Life, wo der Spieler in einer langen Fahrt durch Canyons und Labore in die Forschungsstation Black Mesa reist? Auf den ersten Blick erinnert der Anfang der Szenen aus Homefront , die Golem.de zusammen mit Jeremy Greiner vom Entwickler Kaos Studios anspielen konnte, an den Valve-Klassiker: Ganz langsam rollt der Spieler in einem Gefängnisbus durch eine besetzte Stadt.

Homefront – Vorschau mit Solo- und Multiplayer-Spielszenen (Gameplay)
Homefront – Vorschau mit Solo- und Multiplayer-Spielszenen (Gameplay) (02:28)

Am Straßenrand ist die Hölle los: Nordkoreanische Besatzer verprügeln Zivilisten und schrecken nicht mal davor zurück, Eltern vor den Augen ihres weinenden Kindes zu erschießen. Der Schrecken nimmt scheinbar kein Ende, bis aus einer Seitenstraße mit Vollgas ein Truck angerast kommt und in den Transporter mit Spieler an Bord knallt – eine Befreiungsaktion der nordamerikanischen Rebellenarmee.

Wenige Augenblicke später hat der Spieler eine Waffe in der Hand. Die braucht er auch: In Homefront, das im Jahr 2027 spielt, ist der nordkoreanischen Volksarmee – in der wirklichen Welt mit 1,2 Millionen aktiven Soldaten die viertgrößte Armee – eine Invasion auf dem Heimatboden der USA gelungen. Spieler kämpfen erst in einer kleinen Siedlung in Colorado, später auch in größeren Städten wie San Francisco gegen die brutal auftretenden Gruppen. Und zwar immer in der Rolle des Underdog, wie Jeremy Greiner betont: "Selbst nach einer erfolgreichen Schlacht ist man kein Held, sondern hat es immer noch mit einer riesigen Übermacht zu tun."

Das echte Amerika

Einkaufszentren, lauschige Wohnviertel und sonstige alltägliche Umgebungen: Homefront spielt im ganz normalen Amerika. Die Entwickler haben sogar dafür gesorgt, dass sie die Logos von Restaurant- und Einzelhandelsketten im Spiel einbauen können – ohne, dass die Unternehmen auch nur einen Cent für Werbung an die Entwickler zahlen, wie Greiner betont.

Auch die Missionen drehen sich um Szenen, die so tatsächlich stattfinden könnten. Statt wie in Call of Duty das Weiße Haus zu verteidigen, verteidigt der Spieler beispielsweise eine Siedlung, in der eben noch Kleinkinder gespielt und Freizeitgärtner Obst von den Bäumen gepflückt haben. In der spielbaren Version ging es darum, schlicht eine schwangere Zivilistin vor den Nordkoreanern zu schützen, die sich mehr oder weniger versehentlich ins Kampfgebiet verirrt hatte. Ungewohnt in dem Genre: Auch nach Ende der Schlacht verzichtet das Programm auf martialische Töne, stattdessen begleitet der Rebellenchef die Frau ganz behutsam in Sicherheit.

Guter erster Eindruck

Das Kampfsystem der längst noch nicht fertigen Version von Homefront hat einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Die Steuerung auf Konsole funktioniert einfach und präzise, die virtuellen Waffen sehen glaubwürdig aus, es gibt ausreichend vielfältige Schießprügel. Granaten scheinen eine vergleichsweise große Rolle zu spielen. Ähnlich wie in Call of Duty kann der Spieler mit dem linken Trigger ein Ziel fest anvisieren. Allerdings funktioniert das in Homefront nicht ganz so vollautomatisch, sondern erfordert leichtes Nachführen – uns hat das System gefallen, das aber bis zur Veröffentlichung noch überarbeitet werden kann.

Ein Highlight aus grafischer Sicht ist ein schweres Kampfvehikel, das der Spieler indirekt steuern kann: Ein Knopfdruck, und schon greift das Gerät mit schwerem Feuer feindliche Einheiten an, und fährt dabei ohne Gnade auch über parkende Autos und andere Hindernisse hinweg.

An Homefront arbeiten laut Greiner derzeit rund 120 Entwickler am Sitz von Kaos in New York. Neben der Kampagne, die nach seinen Angaben rund sechs bis zehn Stunden lang sein soll, ist auch ein umfangreicher Multiplayermodus geplant, über den die Macher aber noch nicht allzu viel verraten. Das Spiel soll im März 2011 für Windows-PC, Playstation 3 und Xbox 360 erscheinen. Über eventuelle Änderungen in der deutschen Fassung sind noch keine Entscheidungen gefallen.


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