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Spieletest Call of Duty - Black Ops: Kampf im Auftrag von Kennedy & Co.

Medal of Honor war nur nett - ist das 2010er Call of Duty besser, obwohl nicht das Hauptentwicklerstudio Infinity Ward dafür zuständig war? Tatsächlich entpuppt sich der Ego-Shooter rund um die Elitesoldaten der Black Ops als geschichtsträchtiges und adrenalintreibendes Spektakel.
/ Peter Steinlechner
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Eine der ersten Kugeln in Black Ops gilt keinem Geringeren als Fidel Castro. Und auch sonst hat es der Spieler im siebten Call of Duty mit einigen ganz Großen der Weltgeschichte zu tun - sogar der amerikanische Präsident Kennedy taucht in einer kurzen Szene auf. Der Ego-Shooter von Treyarch versetzt den Spieler als Elitesoldaten meist in Missionen, die im Kalten Krieg - insbesondere in den 60er Jahren - spielen. Die Handlung dreht sich anfangs um einen Elitesoldaten namens Alex Mason, der sich unter Folter an frühere Aufträge erinnert. Diese Kampfeinsätze absolviert der Spieler dann als Mason. Im Mittelpunkt der Story steht ein mysteriöser Zahlencode und die Frage: Was steckt dahinter?

Call of Duty 7 - Black Ops - Test
Call of Duty 7 - Black Ops - Test (03:08)

Den "Máximo Líder" Castro aus Kuba trifft der Spieler, als er als Randfigur an der Invasion in der Schweinebucht Anfang der 60er Jahre teilnimmt. Gleich vom ersten Schuss an ist das Tempo hoch: Da stürzen sich Dutzende von kubanischen Agenten auf Mason, der gemeinsam mit Kollegen unterwegs ist und nur mit Mühe mit dem Leben davonkommt. Das grundsätzliche Design von Black Ops ist gegenüber früheren Call-of-Duty-Spielen unverändert.

Nach wie vor kämpft der Spieler mal in großen, mal in kleinen Teams gegen erbitterten Widerstand mit teils hunderten von Gegnern. Teils schickt etwa der Vietcong sogar unbegrenzt neue Truppen aufs Schlachtfeld und der Spieler muss eigentlich nicht töten, sondern möglichst schnell bestimmte Wegpunkte erreichen, damit es mit dem Einsatz weitergeht.

Jubel der anderen Knastbrüder

Im Verlauf der rund fünf bis acht Stunden langen Kampagne absolviert der Spieler als US-Soldat groß angelegte Schlachten in Vietnam, bricht unter dem lautem Hurra der anderen Knastbrüder aus einem russischen Gefängnis aus und kämpft über den Dächern von Kowloon; einmal ist der Spieler als Russe Viktor Reznov unterwegs, der bereits in Call of Duty 5: World at War vorgekommen ist. Wie immer in der Reihe sind die Missionen vollständig linear angelegt.

Den Multiplayermodus hat Treyarch gegenüber Modern Warfare 2 ausgebaut. Es gibt acht Spielmodi auf 13 sehr unterschiedlichen Maps, auf denen sich bis zu 32 Teilnehmer die Kugeln um die Ohren jagen können. Spieler sammeln Punkte, die sie dann in Wettpartien als Einsatz verwenden können, um sich besondere Ausrüstungsgegenstände oder Waffen zu kaufen. Neu ist der Überlebenskampf - besser bekannt als Zombiemodus, in dem Spieler gegen immer größere und gefährlichere Gruppen von untoten Nazisoldaten antreten. Einsteiger können die Multiplayermodi im Trainings mit Bots kennenlernen. Black Ops unterstützt Dedicated Server.

Einzelhändler wollen für die Xbox-360- und Playstation-3-Fassung von Black Ops rund 60 Euro, die Version für Windows ist für unter 50 Euro zu haben; bei Steam kostet sie rund 60 Euro. Auf PC setzt das Programm Windows XP, Vista oder 7 sowie mindestens einen Intel Core 2 Duo E6600 oder einen AMD Phenom X3 8750 voraus. Der Rechner muss über 2 GByte RAM verfügen, die Grafikkarte über 256 MByte - und es sollte mindestens eine Geforce 8600 GT oder eine Radeon X1950Pro sein. Shader Model 3.0 ist ebenfalls nötig. Auf der Festplatte belegt das Programm 8 GByte. Wer die entsprechende Hardware - also Nvidias Shutterbrillen für PC oder einen 3D-Fernseher - besitzt, kann alle Fassungen im gut gemachten 3D-Modus auch mit stereoskopischer Tiefe spielen.

Schwache Lokalisation

Black Ops erscheint hierzulande vollständig übersetzt. Die deutsche Sprachausgabe ist nur mittelprächtig, weil die Synchronstimmen auch in hochemotionalen Momenten weitgehend unberührt wirken; die englischen Tonspuren stehen nicht als Download zur Verfügung. Das Programm enthält einige Schnitte, beispielsweise kann der Spieler in einer Folterszene nur passiv zuschauen.

Die übersetzte Version aus Österreich ist halboffiziell auch in Deutschland erhältlich. Sie enthält als einzige Änderung gegenüber dem US-Original keine Hakenkreuze im Zombiemodus und einer Mission. Die PC-Fassungen aus den USA und Großbritannien lassen sich in Deutschland nicht bei Steam aktivieren, die Variante aus Österreich schon - allerdings ist denkbar, dass sich das noch ändert, etwa nach einer Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Die USK hat der deutschen Ausgabe von Black Ops eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

Fazit

Black Ops gehört in die Hälfte der besseren Call of Duty: Die Kampagne schwächelt in der Mitte zwar kurz auf hohem Niveau, aber der Anfang ist klasse in Szene gesetzt - und über das Finale verraten wir hier nichts. Die Story ist zwar serientypisch seltsam erzählt und irgendwann verliert man im Detail der Namen und Jahre den Überblick, aber trotzdem bleibt die grundsätzliche Frage spannend: Wofür stehen diese verdammten Zahlen? Und auch das Kalter-Kriegs-Szenario ist gut: Es geht wahnsinnig abwechslungsreich zu, trotzdem bleibt immer ein roter Faden sichtbar.

Enttäuscht werden lediglich Spieler sein, die mehr Neues erwartet hatten. Black Ops verweigert sich modischem Schnickschnack, insbesondere offenen Spielewelten. Die Grafik ist immer noch sehr gut, aber Gedanken wie "da hab ich aber schon mal detailreichere Texturen gesehen" tauchen jetzt doch regelmäßiger auf. Soweit sich das so kurz nach Veröffentlichung sagen lässt, scheint der Mehrspielermodus wieder eine Klasse für sich zu sein - sehr viele Wünsche lässt er jedenfalls nicht offen.

Noch was? Ach ja, der Vergleich mit Medal of Honor . Black Ops schlägt die vermeintliche Konkurrenz von EA locker. Der Unterschied in Bereichen wie Grafik, Spektakelfaktor, Steuerung, Multiplayer, Abwechslung, Inszenierung und sogar Handlung macht mindestens eine Klasse aus.


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