Medal of Honor: EA verklagt die USK

Parallel zu der deutschen Version von Medal of Honor , die Mitte Oktober 2010 auf den Markt gekommen ist, hat Electronic Arts nach eigenen Angaben auch eine ungeschnittene Fassung des Ego-Shooters bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) eingereicht. Sie ist mit dem europäischen Altersfreigabesystem PEGI gekennzeichnet. Angestrebt war, dafür die Alterskennzeichnung "Keine Jugendfreigabe" – sprich: erst ab 18 – zu bekommen. Das hat die USK verweigert. Eine Folge davon ist, dass die PEGI-Version nicht davor geschützt ist, auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu kommen. Das hätte weitreichende Vermarktungseinschränkungen zur Folge.

EA will rechtlich gegen die Entscheidung der USK vorgehen. In einer Mitteilung betont Unternehmenssprecher Martin Lorber, dass die filmähnliche Grafik von Medal of Honor den Kriegsalltag in keiner Weise beschönige. "Die Hintergrundgeschichte, in die der Spieler in besonderer Weise eingebettet ist, problematisiert vielmehr das Kriegsgeschehen. Zunehmend zweifeln die Soldaten am Sinn der Befehle, die sie auszuführen haben. Das Spiel folgt der Tradition filmischer Umsetzungen der Kriegsthematik wie beispielsweise 'Soldat James Ryan' oder 'Inglourious Basterds', die mit teilweise sehr drastischen Gewaltdarstellungen arbeiten."
In Medal of Honor ist der Spieler als amerikanischer Elitesoldat in Afghanistan unterwegs, wo er unter anderem mehrere Hundertschaften virtueller Taliban über den Haufen schießt. In den meisten Tests des Shooters hat der nun angesprochene Aspekt "Antikriegsspiel" keine Rolle gespielt.
Die hierzulande angebotene Version von Medal of Honor enthält gegenüber dem Original ein paar Schnitte. Beispielsweise gibt es keine Möglichkeit, durch Schüsse einzelne Gliedmaßen abzutrennen, und auch die Ragdoll-Physikeffekte bei Leichen hat der Publisher entfernt.
Electronic Arts ist schon länger mit dem System des deutschen Jugendschutzes unzufrieden. Das Unternehmen hat immer wieder gefordert , dass auch in Deutschland die Pan European Game Information (PEGI) eingeführt wird. Bei PEGI füllen Publisher selbst ein Onlineformular aus und schicken es an die Einrichtung. Wenn es keine erkennbaren Fehler erhält, gilt die beantragte Alterskennzeichnung. Ein Vorteil des Systems für die Publisher: Es verursacht deutlich weniger Kosten – sowohl für das Prüfverfahren als auch für gegebenenfalls nötige Änderungen.



