Supreme Court: "Auch Grimms Märchen sind düster"

Seit dem 2. November 2010 verhandelt der Supreme Court , das höchste Gericht der USA, über ein Gesetz des Staates Kalifornien, das den Verkauf von extrem gewalthaltigen Computerspielen an Minderjährige einschränken soll. In der mündlichen Verhandlung ging es – nachzulesen in einem 72 Seiten langen Protokoll(öffnet im neuen Fenster) – vor allem darum, was Gewalt in Spielen von der Gewalt in Filmen, Rapmusik oder Literatur unterscheidet. Richter Antonin Scalia etwa wies darauf hin, dass "einige von Grimms Märchen ziemlich düster sind" , und fragte die Vertreter des Staates Kalifornien: "Möchten Sie die auch verbieten?" – was klar verneint wurde.
Außerdem wurde die Gewalt in Videos von Hundekämpfen und anderer Gewalt an Tieren mit Gewalt in Computerspielen verglichen. Der Supreme Court hatte im April 2010 mit acht zu einer Stimme(öffnet im neuen Fenster) entschieden, dass die Verbreitung von derartigem Material nicht eingeschränkt werden darf. Und wollte nun wissen, warum für Computerspiele andere Regeln gelten sollten.
US-Medien wie The New York Times(öffnet im neuen Fenster) oder Gamepolitics.org(öffnet im neuen Fenster) vermuten mehr oder weniger deutlich, dass die von der Entertainment Software Association (ESA) vertretene Spielebranche mit Punktgewinnen aus der Verhandlung gegangen ist – aber wie die Richter entscheiden, wird sich erst 2011 zeigen.
Das Gesetz, über dessen Zulässigkeit der Supreme Court verhandelt, hat der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger 2004 unterzeichnet. Bislang konnte es nicht in Kraft treten, weil Vertreter der Spielebranche mehrfach dagegen geklagt und diese Rechtsstreits immer gewonnen hatten. Das Gesetz sieht vor, dass auf Computerspielen mit gewalthaltigem Inhalt ein "Für Erwachsene"-Sticker kleben muss. Händler dürften diese Spiele dann nur an Erwachsene verkaufen – andernfalls droht eine Strafe von bis zu 1.000 US-Dollar. Unternehmen wie Activision befürchten unter anderem, dass das eigentlich harmlose Gesetz weitere, deutlich schärfere Bestimmungen nach sich ziehen könnte.