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Spieletests Indiegames: Von Super Meat Boy und dem eigenen Spielestudio

Unabhängig produzierte Computerspiele boomen dank neuer Vertriebswege und Plattformvielfalt. Golem.de hat sechs aktuelle Titel wie Super Meat Boy, Costume Quest und Shank unter die Lupe genommen.
/ Peter Steinlechner
22 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Es müssen nicht immer die großen, aufwendigen und teuren Vollpreisprogramme sein: Originelle Ideen und Inhalte jenseits des Mainstream-Geschmacks finden Computerspieler immer öfter in Indiegames. Wer ein bisschen in Xbox Live, Playstation Network oder anderen Onlineshops sucht, findet teils tolle Games. Golem.de stellt aktuelle Beispiele vor.

Costume Quest

"Süßes, sonst gibt’s Saures" - mit diesem Spruch versucht eine Schar Kinder, am Halloween-Tag in einer US-Kleinstadt an Bonbons zu kommen. Leider müssen die Kids durch einen dummen Zufall gegen eine Armee von echten Monstern antreten. Costume Quest entstand bei Double Fine(öffnet im neuen Fenster) , dem Entwicklerstudio von Tim Schafer (unter anderem Brütal Legend). Spieler scheuchen einen Trupp verkleideter Kids durch die von schräg oben dargestellte Nachbarschaft und sammeln allerlei Objekte ein. Außerdem liefern sie sich Gefechte mit den Bestien. In den Schlachten verwandeln sich die jungen Rabauken in übermächtige Roboter oder Ritter, das Kampfsystem setzt auf rundenweise ausgetragenen Schlagabtausch - der stark an Final Fantasy erinnert. Die Grafik gibt sich simpel-abstrakt. In Costume Quest gibt es trotz der vielen Dialoge keine Sprachausgabe, sondern geschriebene - gut ins Deutsche übersetzte - Texte.

Costume Quest - Trailer
Costume Quest - Trailer (01:00)

Costume Quest ist für Xbox 360 und Playstation 3 erhältlich, der Download wiegt rund 400 MByte. Der Preis liegt bei jeweils rund 12 Euro.

Fazit

Für Kinder zu künstlerisch, für Erwachsene zu kindlich - Costume Quest scheitert an diesem Spagat. Dazu kommen inhaltliche Schwächen, etwa die mangelnde Übersicht. Auf der Habenseite verbucht das Programm das unterhaltsame Kampfsystem und schönen schwarzen Humor.

Cut the Rope

Im dem Knobelspiel Cut the Rope muss der Spieler ein Bonbon an der Schnur zu einem kleinen süßen Tierchen führen. Um dies zu bewerkstelligen, nutzt der Spieler einfache physikalische Gesetze, sowie die Möglichkeit, den Faden jederzeit mit einem Fingerwisch zu zerschneiden. Außerdem bietet es die Möglichkeit, in jedem Level drei Sterne zu sammeln, um den Highscore zu verbessern und die Speziallevel freizuschalten. Gewonnen ist jedes Level, wenn das Bonbon im großen Maul des Zielobjekts gelandet ist.

Cut the Rope ist für das iPhone und das iPad ab iOS 3.0 für rund 2 Euro erhältlich. Entwickelt wurde es von Z eptolab(öffnet im neuen Fenster) .

Fazit

Ein Spiel für unterwegs ist Cut the Rope nicht, denn hier ist Fingerspitzengefühl für das Zerschneiden gefragt. Rätselexperten haben in den ersten Levels nicht viel zu erwarten, denn sie wirken wie ein Tutorial. Später verwandelt sich Cut the Rope in ein klasse gemachtes Rätsel- und Geschicklichkeitsspiel mit Suchtpotenzial.

Super Meat Boy und The Polynomial

Super Meat Boy

Im Plattformer Meatboy steuert der Spieler keinen Klempner und keinen Igel, sondern etwa ein Pfund unbekleidetes, unbehaartes Fleisch. Der Fleischjunge ist zwar keine Schönheit, aber er hat Gefühle und ist verliebt. Der Spieler rennt und hüpft durch teils verrückte Levels - viele davon mit Anspielungen auf Klassiker der Videospielgeschichte. Dabei versucht er, allerhand Sägeblätter, Salz und andere für Fleisch gefährliche Gegenstände zu vermeiden. Ziel ist es, Meat Boys Freundin Bandage Girl aus den Klauen des bösen Dr. Fetus zu reißen. Das ist alles andere als einfach: Hat der Spieler die Prinzessin erreicht, wird sie ihm auch direkt wieder entzogen und ins nächste Level teleportiert. Super Meat Boy fängt einfach an, dann steigt der Schwierigkeitsgrad stetig - das Spiel bleibt zwar fair, aber in späteren Leveln kommen selbst eingefleischte Jump-and-Run-Fans ins Schwitzen.

Super Meat Boy - Trailer
Super Meat Boy - Trailer (01:21)

Super Meat Boy kostet 12 Euro und ist im Xbox Live Arcade Store verfügbar. Versionen für Windows-PC, Mac OS, Playstation 3 und Nintendo Wii sind vom Entwicklerstudio Team Meat(öffnet im neuen Fenster) bereits geplant. Einige davon sind bereits fertig, können aber wegen einer mit Microsoft vereinbarten zeitweiligen Exklusivitätsvereinbarung noch nicht veröffentlicht werden.

Fazit

Das Plattformabenteuer schlägt sich mehr als wacker im Vergleich zu Igel Sonic und Klempner Mario. Mit über 300 Levels, toller Musik und einem sehr schrägen Humor lässt es die Herzen insbesondere von Retrofans höher schlagen.

The Polynomial

The Polynomial generiert abstrakte sphärische, sehr sehenswerte Partikelwelten auf Basis der eigenen Musiksammlung oder dem Input eines angeschlossenen Mikrofons. In diesen Welten schießen Spieler auf Powerups oder Gegner, die einem schwarzen Pac-Man mit Zähnen ähneln. Das Standardspiel wertet einen ein-, fünf-, 20- oder 60-minütigen Durchgang am Stück und reiht den eigenen Highscore in Bestenlisten ein. Auf Wunsch können Spieler auch ohne Gegner durch die Musikwelten cruisen, Extras sammeln und durch Wurmlöcher warpen - optional in stereoskopischem 3D.

The Polynomial Space of the music - Trailer 2.01
The Polynomial Space of the music - Trailer 2.01 (02:20)

The Polynomial ist über Steam für Windows und Mac OS erschienen. Ein Prozessor mit 1,5 GHz wird ebenso vorausgesetzt, ebenso wie 512 MByte RAM und eine Grafikkarte mit 256 MByte Speicher sowie OpenGL-Treiber. Der Titel ist für alle Altersgruppen freigegeben.

Fazit

Der Indie-Titel von Entwickler Dmytry Lavrov ist faszinierend und funktioniert. Die grafische Aufmachung ist schick und sehr abwechslungsreich. An der spartanischen Benutzeroberfläche und der Erkennung mancher Audioformate sollte aber noch gearbeitet werden - derzeit erkennt The Polynomial nur MP3s.

Game Dev Story und Shank

Game Dev Story

Der Spieler gründet und leitet in Game Dev Story ein Entwicklerstudio für Computerspiele. Er heuert Grafiker oder Programmierer an und erteilt Aufträge für die Games-Produktion. Dabei lässt sich festlegen, ob beispielsweise ein billiger PC-Actionkracher im Ninja-Szenario oder ein aufwendiger Konsolentitel in einer Piratenwelt mit Spitzengrafik entsteht. Nach Alpha- und Betaphase sowie dem Debugging geben virtuelle Testmagazine ihre Wertungen ab, entsprechend verkauft sich das Werk oder eben nicht. Die Bedienung des nur auf Englisch und Japanisch erhältlichen Programms ist einfach, selbst Einsteiger kommen sofort damit zurecht.

Game Dev Story ist für iPhone, iPod touch und iPad erhältlich, es benötigt iOS 3.1 oder höher. Der Download ist 7,8 MByte groß, der Preis liegt bei rund 3 Euro.

Fazit

Echte Blicke hinter die Kulissen der Branche gewährt Game Dev Story kaum, Insider finden nur wenige gelungene Anspielungen. Unterm Strich trotzdem ein unkomplizierter und niedlich gemachter Spaß - der nach ein, zwei Stunden langweilig wird.

Shank

Shank ist eine wunderhübsch animierte, aber brutale 2D-Metzelei für bis zu zwei Erwachsene. Der Titel erinnert stark an Klassiker wie Double Dragon oder Battletoads. Protagonist Shank läuft ausschließlich von links nach rechts und entledigt sich verschieden bewaffneter Gegner. Dabei setzt er auf ein Waffenarsenal aus einem Messerset, Nahkampfwaffen wie Kettensäge oder Katana und Fernkampwaffen wie Schrotflinte und MG.

Shank - Trailer
Shank - Trailer (01:36)

Die Waffeneinsätze sind gekonnt animiert und variieren je nach Kombinationsvielfalt der Eingaben. Die Geschichte von Shank dreht sich um Rache: Der Fiesling The Butcher hat die Freundin von Shank verschleppt. Alle paar Minuten treiben Comicsequenzen nach Bosskämpfen die Geschichte voran. Der Zweispielermodus erzählt einen etwas kurzen Epilog zur Solokampagne.

Shank ist seit August 2010 über Xbox Live und das Playstation Network verfügbar und seit dem 26. Oktober 2010 auf Windows-PC über Steam. Das Spiel kostet knapp 13 Euro und hat eine USK-Freigabe ab 18 Jahren erhalten.

Fazit

Der Comiclook von Shank ist dermaßen gut gelungen, dass allein schon dieses Element den Spieler zwei oder drei Mal zum Durchspielen motivieren könnte. Neben den abwechslungsreichen brutalen Comboattacken sind auch viele witzige dabei, beispielsweise die Granate im Mund. Kleiner Wermutstropfen für PC-Spieler: Ein Acht-Button Gamepad ist Pflicht. [von Michael Wieczorek, Alexander Rudolf Syska und Peter Steinlechner]


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